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Lambert Schneider: Der neue Imprint-Verlag der WBG
„Fast alle meine lebenden Autoren sind in diesen Jahren in Gestapo-Haft gewesen.“
Lambert Schneider – Ein Verlag und seine Geschichte
Lambert Schneider heißt der neue Imprint-Verlag der WBG (Wissenschaftlichen Buchgesellschaft), Darmstadt. Im Herbst 2010 wird das erste Verlagsprogramm unter dem Dach der WBG in einer eigenen Vorschau vorgestellt: Der Verlag startet mit zehn Titeln, das Programm umfasst Klassikerausgaben, Sachbücher zu aktuellen Fragen der Zeit und zu Kultur- und Geistesgeschichte. Neben inhaltlicher und sachlicher Qualität liegt auch ein besonderes Augenmerk auf der leserfreundlichen Ausstattung der Bücher – im besten Sinne des Slogans vom Lambert Schneider: „Am besten lesen“.
Andreas Auth, Geschäftsführender Direktor der WBG, zum Neustart des Lambert Schneider Verlags: „Ich freue mich außerordentlich, dass es mit Unterstützung unserer Autoren und unseres Lektorats gelungen ist, den renommierten Lambert Schneider Verlag unter dem Dach der WBG wieder aufleben zu lassen. Unser gemeinsames Anliegen ist es, wichtige, spannende und gut lesbare Literatur einer breiten Leserschaft nahe zu bringen. Dabei legen wir großen Wert auf eine zeitgemäße und schöne Ausstattung der Bücher und dies alles zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis, um die Verbreitung mit Unterstützung des Buchhandels zu sichern.“
Lambert Schneider – ein Name mit Geschichte
Der Lambert Schneider Verlag blickt auf eine fast hundertjährige Geschichte zurück. Im Jahre 1999 wurde er von der WBG gekauft und wird nun als Imprint ganz im Sinne des Gründers und der alten Verlagstradition unter dem Dache der WBG Verlagsgruppe fortgeführt.
Der Verlag hat eine äußert interessante und ereignisreiche Verlagsgeschichte, deren Entwicklung stark durch den Nationalsozialismus beeinflusst wurde: Als Verleger jüdischer Literatur, als Herausgeber von Martin Buber, als Verfechter des Dialogs der Kulturen und Religionen und des eigenständigen, kritischen, literarischen Denkens geriet der Verlagsgründer Lambert Schneider schnell ins Blickfeld der Nationalsozialisten.
Nach den ersten Jahren eigener Verlagstätigkeit in der Weimarer Republik und der Weltwirtschaftskrise 1930 wurde Lambert Schneider Geschäftsführer des jüdischen Verlages von Salman Schocken in Berlin, den er bis 1938 erfolgreich führte. Nach der Reichskristallnacht wurde eine Weiterführung unmöglich und der Verlag musste geschlossen und ins Ausland verlegt werden. So publizierte Schneider wieder in seinem eigenen Verlag politisch „unverfängliche“ Klassiker-Ausgaben wie Shakespeare, Platon, Blaise Pascal, Brentanos Märchen und italienische Novellen, da die Publikation aktueller Literatur unmöglich wurde.
In den Jahren 1939-1945 erfuhr auch der Lambert Schneider Verlag zahlreiche Repressionen durch die Nazis: Stundenlange Verhöre waren die Regel. Schneider selbst schreibt in seinem biographischen Werk „Rechenschaft“: „Fast alle meine lebenden Autoren sind in diesen Jahren in Gestapo-Haft gewesen.“ Trotz vieler „peinlicher Verhöre“ wurde der Verleger nie verhaftet. Beim großen Luftangriff auf Leipzig wurden alle seine Büchervorräte zerstört. Wochen später brannte sein Berliner Büro völlig aus, sodass der Verlag nur noch nominell existierte.
1945 gründete er seinen Verlag in Heidelberg neu; die Inhalte seiner Bücher und Zeitschriften waren, wie auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg, der Literatur, Philosophie, Kunst, Religion, Philologie und Lyrik gewidmet und sollten zur geistigen Erneuerung Deutschlands beitragen. Im Lambert Schneider Verlag erschien erstmals im deutschen Sprachraum das „Tagebuch der Anne Frank“.
Lambert Schneider starb 1970 in Heidelberg. Nach seinem Tod führte Lothar Stiehm den Verlag weiter, verkaufte diesen jedoch 1991 an den Verleger Heinz M. Bleicher in Gerlingen bei Stuttgart. Die WBG kaufte den Verlag 1999, mit Ausnahme der Rechte am Gesamtwerk von Martin Buber, die kurz zuvor an das Gütersloher Verlagshaus gegangen waren.
Die WBG hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, den Lambert Schneider Verlag im Sinne seines Gründers aufleben zu lassen und somit den Dialog der Kulturen, der Religionen und der Ideen literarisch zu fördern. Wichtige und aktuelle Sachbücher, literarische Klassiker und Titel zu Kultur- und Geistesgeschichte sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.
Das erste „neue“ Verlagsprogramm von Lambert Schneider, das im Herbst 2010 ausgeliefert wird, präsentiert sich klein, aber fein:
Chris Lavers: Das Einhorn. Natur, Mythos, Geschichte Karl Jürgen Ringel: Wilhelm Raabe. Ein Lesebuch Vera Forester: Lessing und Moses Mendelssohn. Geschichte einer Freundschaft Norbert Scholl: Religiös ohne Gott. Warum wir heute anders glauben Friedhelm Decher: Die rosarote Brille. Warum unsere Wahrnehmung von der Welt trügt Hans Hinterhäuser: Poetischer Rom-Führer Mona Wodsak: Poetischer Paris-Führer Platon: Sämtliche Werke in drei Bänden William Shakespeare: Die Komödien William Shakespeare: Die Tragödien
Für das Lambert Schneider Programm gibt es eine gesonderte Vorschau. Pro Halbjahr werden 10 bis 15 Titel neu erscheinen. Das Verlagslogo des alten Lambert Schneider-Verlags wird in modifizierter Form beibehalten. Im Buchhandel bieten die WBG-Vertreter und -Vertreterinnen das Programm an.
Kontakt für den Vertrieb im Verlag: Beate Gemünden Tel: 06151-3308-127 Fax: 06151-3308-208 Mail: gemuenden@lambert-schneider-verlag.de
Kontakt für die Presse: Barbara Gese Tel: 06151-3308-161 Fax: 06151-3308-208 Mail: gese@lambert-schneider-verlag.de
Zur WBG:
Als wirtschaftlicher Verein hat sich die WBG der Förderung von Wissenschaft und Kultur verschrieben. Sie ist als Verlag tätig und vertreibt ihr Buchprogramm sowohl im Buchhandel als auch an ihre ca. 130.000 Mitglieder.
Zur Verlagsgruppe der WBG gehören außerdem die Verlage Primus (Darmstadt), Konrad Theiss (Stuttgart) und Philipp von Zabern (Mainz) sowie der Hörverlag auditorium maximum.
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