»Im engen Zusammenhang mit der Luxuskritik steht in der moralischen Kunstfeindschaftder Vorwurf der ›Verweichlichungsherbeiführung‹. Hintergrund für diese Anklage ist dabei nicht unbedingt der Patriarchismus, der von der Vorherrschaft des Männlichen über das Weibliche ausgeht, aber sicherlich ein Tugendsystem, in dem Disziplin, Härte, Kriegermut, Selbstversagung, Schmerzunempfindlichkeit, Kraft, Ausdauer usw. deutlich höher gewertet werden als traditionell ›weibliche‹ Eigenschaften wie Einfühlsamkeit, Mitleid, Gnade, Verzeihung etc. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn oftmals der Vorwurf der Verweichlichung nahezu identisch ist mit dem der Verweiblichung, wenngleich das auf beide Geschlechter zutreffen kann. Wenn auch oft eher kriegerische Eigenschaften die Werteskala anführen, so darf man in der Verweichlichungskritik aber nicht nur eine Verteidigung martialischer Normen sehen, sondern muss in ihr ganz allgemein die Insistenz auf Disziplin und Selbstkontrolle am Werk sehen, ohne die sicher kein gesellschaftliches Miteinander möglich ist.« (aus: Ethische Kunstfeindschaft)