Nachrichtendialog Display Update Message Produktvergleichsdialog

 

HOME

BÜCHER

LESEECKE


Literarische Tradition mit bewegter Geschichte:

Der Lambert Schneider Verlag

 


Im Jahre 1925 gründete der 25-jährige Lambert Schneider in Berlin einen Verlag, um seine große Leidenschaft für Religion und Literatur auszuleben. Interreligiosität war für ihn von Anfang an eine maßgebliche Leitlinie des Verlagsprogramms.

Ein erstes großes Projekt war eine Neuübersetzung des Alten Testaments aus jüdischer Sicht, für die er den Religionsphilosophen Martin Buber sowie den jüdischen Historiker Franz Rosenzweig engagierte.

Nach einer Insolvenz im Jahr 1930 übernahm Salman Schocken den Vertrag mit Buber und begründete den jüdischen Schocken-Verlag unter der Leitung Lambert Schneiders. Dessen ursprüngliche Verlagsgründung existierte ohne Publikationstätigkeit weiter.

Ab 1933 war der Schocken-Verlag zahlreichen Repressionen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Trotzdem gelang es ihm, in dieser Zeit zu dem Publikationsort für eine Großzahl der damals noch in Deutschland geistig arbeitenden Juden zu werden.

Im Anschluss an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 emigrierte Salman Schocken nach Palästina. Lambert Schneider publizierte fortan Klassiker-Ausgaben, wieder unter dem Namen seines früheren, nach ihm benannten Verlages.

In den folgenden Jahren entging der Verleger mehrmals nur knapp seiner Verhaftung durch die Nationalsozialisten. Ende 1943 zerstörten Luftangriffe Büchervorräte und Büro des Verlages und brachten sein Geschäft endgültig zum Erliegen.

Auf Anraten des deutschen Soziologen und Kulturphilosophen Alfred Weber holten die Amerikaner Verlagsgründer Schneider nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Heidelberg. Dort nahm er 1945 die Gründung seines neuen Verlages in die Hand. Er wurde zum Lizenzträger der von Karl Jaspers herausgegebenen Zeitschrift »Die Wandlung« und veröffentlichte die erste deutsche Übersetzung des ›Tagebuchs der Anne Frank‹. Wie vor dem Zweiten Weltkrieg waren Schneiders Bücher Philosophie, Religion, Kunst, Literatur, Philologie und Lyrik gewidmet. Sie sollten nach der Zeit des Nationalsozialismus zur geistigen Erneuerung Deutschlands und der Deutschen beitragen.

Nach dem Tod des Verlegers am 26. Mai 1970 führte Lothar Stiehm die Geschäfte weiter. Er verkaufte jedoch 1991 an den Verleger Heinz M. Bleicher in Gerlingen bei Stuttgart.

Die WBG kaufte den Verlag 1999, mit Ausnahme der Rechte am Gesamtwerk von Martin Buber, die kurz zuvor an das Gütersloher Verlagshaus gegangen waren. Die WBG-Verlagsgruppe führt den Lambert Schneider Verlag seither unter ihrem Dach als Imprint ganz im Sinne der alten Verlagstradition fort.