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Schwarze Flaggen. Der Aufstieg des IS und die USA

Neuerscheinung




 

 

 

Warrick, Joby

Schwarze Flaggen
Der Aufstieg des IS und die USA

 

Die Wurzeln des IS untersucht Joby Warrick in seiner packenden Reportage, für die er den Pulitzer-Preis erhielt. Gründlich recherchiert verdeutlicht er die fatale, wenn auch unfreiwillige Unterstützung der US-Regierung am Aufstieg der Terrororganisation. Seine scharfsichtige Analyse liest sich wie ein Thriller.

 

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Joby Warrick ist seit 1996 Reporter der Washington Post und zählt zu den wenigen Autoren, die zweimal den Pulitzer-Preis gewonnen haben. Beim ersten Mal als Journalist und jetzt als Autor von ›Schwarze Flaggen‹ für seine Arbeit über den IS. 

 

 Exklusives Interview mit Joby Warrick

 

Herr Warrick, wie werden aus jungen Menschen aus Europa IS-Kämpfer?

Man hat schon eine Menge über den geschickten Umgang des Islamischen Staates mit den sozialen Medien geschrieben, aber vor allem in Europa sehen wir, dass diese Gruppe ihre Botschaft an ein sehr spezifisches und extrem beeinflussbares Publikum richtet. Der idealer IS-Rekrut ist ein enttäuschter junger europäischer Muslim, dem es nicht gelingt, seinen Platz in der Welt zu finden; der sich weder im Westen noch in der muslimischen Gemeinschaft zu Hause fühlt. Manche haben Schwierigkeiten in der Schule oder sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten, einigen ist auch schlicht langweilig, und sie glauben, sie hätten keine Zukunft. Der IS hat eine Propagandamaschinerie aufgebaut, die speziell dazu entworfen wurde, solche jungen Männer in ihrer Muttersprache anzusprechen und ihnen ein großes Abenteuer und zugleich einen „höheren Sinn“ zu versprechen: Sie kämpfen gegen die Feinde Allahs. Die meisten Menschen lehnen eine solche Botschaft ab, aber auf ein bestimmtes Segment wankelmütiger, unsicherer Jugendlicher können solche Appelle äußerst verlockend wirken.


Wie stark beteiligt war die US-Regierung am Aufstieg des IS?


Der größte Fehler, der letztlich zum Aufstieg des IS geführt hat, war der Einmarsch der USA im Irak im Jahr 2003 – ein Fehler, der dadurch noch potenziert wurde, dass die Besatzer so gut wie alles falsch machten, vor allem aber, dass sie die irakische Armee und die Baath-Partei auflösten. Im Zuge der US-Invasion entstand die Terrorgruppe rund um Abu Musʿab al-Zarqawi, die zunächst nur ein gewalttätiger Schlägertrupp war, sich aber zum Vorläufer des Islamischen Staates aufschwang. Das Verbot des Baathismus sorgte dafür, dass Zarqawi Zulauf von irakischen Armeeoffizieren und anderen Spezialisten erhielt, die nun auf einmal arbeitslos waren. Diese Spezialisten sorgten am Ende dafür, dass aus seiner kleinen Bande religiöser Eiferer ein tödliches Kraftzentrum wurde.


Was sagen Sie zu den letzten Anschlägen in Deutschland?

Der Anschlag vom 19. Dezember in Berlin war wieder ein Beispiel für die Strategie des IS, im Westen Angst und Chaos zu verbreiten. Auch wenn er momentan im Irak und in Syrien militärische Niederlagen erleidet, ist der IS nach wie vor wild entschlossen, zahlreiche Terroranschläge im Ausland durchzuführen, auch in Deutschland, einem Land, das viele Kriegsflüchtlinge und muslimische Immigranten aller Art aufgenommen hat. Wir wissen, warum der IS diese Anschläge ausführt, denn er legt in den Botschaften an seine Anhänger ja unmissverständlich seine Motive dar: Der IS will dem Westen Angst machen und die Kluft zwischen den europäischen Muslimen und allen anderen weiter vertiefen. Je mehr sich die Muslime verfolgt und entfremdet fühlen, glaubt die Terrororganisation, desto mehr werden sie bereit sein, sich dem Islamischen Staat anzuschließen – weil sie am Ende keine andere Alternative haben.