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Knipp, Kersten

Die Kommune der Faschisten

Gabriele D'Annunzio, die Republik von Fiume und die Extreme des 20. Jahrhunderts

Die Kommune der Faschisten
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  • Buch
  • Hardcover ohne Schutzumschlag
  • 1021842
  • 978-3-8062-3914-0
  • 18.03.2019
  • wbg Theiss
  • 288
  • 34 Illustrationen, schwarz-weiß
  • Deutsch
»Fiume ist ein Leuchtturm, erstrahlend inmitten eines Meeres der Niederträchtigkeit.« Gabriele d'Annunzio Im September 1919 besetzen 2500 Freischärler unter der Führung des Exzentrikers, Dichters und Kriegshelden Gabriele D’Annunzio eine kleine, kroatische Küstenstadt und errichten dort auf den Trümmern des Habsburgerreichs die Republik von... mehr
Beschreibung
»Fiume ist ein Leuchtturm, erstrahlend inmitten eines Meeres der Niederträchtigkeit.«

Gabriele d'Annunzio

Im September 1919 besetzen 2500 Freischärler unter der Führung des Exzentrikers, Dichters und Kriegshelden Gabriele D’Annunzio eine kleine, kroatische Küstenstadt und errichten dort auf den Trümmern des Habsburgerreichs die Republik von Fiume. Hier führen sie ein bizarres Spektakel antagonistischer Elemente auf: Militärparaden, Fackelzüge und Kriegsverherrlichung, vereint mit einem nicht abreißenden Happening von freier Liebe, Drogen und FKK. Die Republik von Fiume bildet den Auftakt zu einem Jahrhundert der Gewalt. Sie wird zum ästhetischen Laboratorium des Faschismus und zu einem frühen Ort der »counter culture« von 1968. In seinem historischen Essay beschreibt Kersten Knipp, wie sich all diese widersprüchlichen Aspekte zu einem gefährlichen, massenpsychotischen Populismus verbinden, und zeigt auf, wie sich an dieser erstaunlichen Episode der Beginn der Wege und Irrwege des 20. Jahrhunderts abzeichnet.

2019. 288 S. mit 34 s/w Abbildungen, 14,5 x 21,5 cm, geb. mit SU. wbg Theiss, Darmstadt.
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Autorenportrait
»Faszinierend und unheimlich zugleich: die Geschichte eines poetischen Staatsstreichs, der alles vorwegnahm.« DIE WELT »Zum 100. Geburtstag des Staatsstreiches von Fiume beschreibt der Historiker Kersten Knipp in seinem klugen Buch „Die Kommune der Faschisten“ als Vorboten der Blumenkinder und 68er-Bewegung.« welt.de »Der nationale Dichter... mehr
Pressestimmen
»Faszinierend und unheimlich zugleich: die Geschichte eines poetischen Staatsstreichs, der alles vorwegnahm.« DIE WELT

»Zum 100. Geburtstag des Staatsstreiches von Fiume beschreibt der Historiker Kersten Knipp in seinem klugen Buch „Die Kommune der Faschisten“ als Vorboten der Blumenkinder und 68er-Bewegung.« welt.de

»Der nationale Dichter war D'Annunzio, ein Dandy, der in Deutschland oder Russland vor ein Erschießungskommando gestellt worden wäre.« Umberto Eco, Il fascismo eterno
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Bewertungen
04.05.2019

Knipp vermischt hier in Anlehnung an die Totalitarismus- und Extremismustheorie linke und rechte Weltsichten und Ideologien zu einer Warnung vor radikalen politischen Lösungen.

Im September 1919 besetzen 2500 Freischärler unter der Führung des Exzentrikers, Dichters und Kriegshelden Gabriele D’Annunzio eine kleine, kroatische Küstenstadt und errichten dort auf den Trümmern des Habsburgerreichs die Republik von Fiume, das heutige Rijeka. Der Historiker Kersten Knipp beschreibt in diesem Buch diese „Verschmelzung aus Futurismus, Anarchie und Proto-Faschismus“ und deutet dies als Vorbote der Extreme des 20. Jahrhunderts.
Der politische und historische Hintergrund ist der folgende: Nach dem 1. Weltkrieg wurden Italien auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 beträchtliche Gebietsgewinne zugestanden. Verschiedene nationalistische Kreise zeigten sich mit diesen Zugewinnen nicht befriedigt. Insbesondere die neue Nordostgrenze in Julisch Venetien stieß auf Widerstand. Begründet wurden die zusätzlichen Ansprüche mit der Geschichte der Republik Venedig, die weite Teile Dalmatiens jahrhundertelang beherrscht hatte. Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts lebte an der dalmatinischen Adriaküste noch eine große italienische Volksgruppe, die sich insbesondere in den Städten konzentrierte und das wirtschaftliche und kulturelle Leben prägte. In den ländlichen Gebieten hingegen überwog die kroatische Bevölkerung. Aus diesem Grund war eine klare nationalstaatliche Grenzziehung in Istrien und Dalmatien nicht möglich.
Obwohl die Stadt Fiume nur für relativ kurze Zeit venezianisch gewesen war, lebten auch dort mehrheitlich italienischsprachige Bürger. Wegen dieser Bevölkerungsstruktur (und auch wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Hafens) forderte der italienische Irredentismus den Anschluss Fiumes an Italien. Gabriele D’Annunzio begann in Rom mit einer Kampagne für den Anschluss Fiumes und traf dabei auf große Zustimmung unter vielen Kriegsveteranen, insbesondere unter den ehemaligen Angehörigen der Arditi, einer 1917 aufgestellten italienischen Sturmtruppe.
In Fiume nahmen die Demonstrationen für Italien so zu, dass Truppen aus Italien, Frankreich, Großbritannien und aus den USA die Kontrolle über die Stadt übernehmen mussten. Italienische Grenadiere, die besonders mit der italienischsprachigen Bevölkerung sympathisiert hatten, mussten auf Befehl aus Paris am 25. August 1919 die Stadt wieder verlassen. Sieben Grenadieroffiziere baten daraufhin D’Annunzio, sich an die Spitze der Fiume-Bewegung zu stellen. D’Annunzio traf am 11. September 1919 bei Triest ein, wo sich bereits zahlreiche Freiwillige befanden, darunter Grenadiere und andere Soldaten der regulären Armee. Mit diesen rund 2500 als Legionären und Arditi bezeichneten Freischärlern marschierte er noch am selben Tag von Ronchi nach Fiume, das er am folgenden Tag zusammen mit der örtlichen Legione Fiumana besetzte. Er „proklamierte“ die Annexion der Stadt. Unter dem Eindruck der Feierlichkeiten zogen die alliierten Besatzungstruppen tatenlos ab.
D’Annunzios eigenmächtiges Vorgehen schuf ein schwieriges internationales Problem, das durch die Ausrufung der protofaschistischen italiensiche Regentschaft am Quamero noch verschärft wurde. Die italienische Regierung verhängte eine Blockade über die Stadt und forderte die Freischärler zur Aufgabe auf. Den am 12. November 1920 von Italien und Jugoslawien unterzeichneten Grenzvertrag von Rapallo ignorierte D’Annunzio. Daraufhin stellte General Enrico Caviglia, der mit der Lösung des Fiume-Problems beauftragt worden war, ein Ultimatum, das ebenfalls abgelehnt wurde. Nach dem Beschuss der Stadt durch das italienische Kriegsschiff Andrea Doria und den Kämpfen der „Blutigen Weihnacht“ vom 24. bis zum 29. Dezember 1920 übergaben die Freischärler schließlich die Stadt. Fiume wurde bis 1924 ein Freistaat und kam dann bis 1945 zu Italien.
Von September 1919 bis Dezember 1920 schlossen sich zahlreiche Soldaten der regulären italienischen Streitkräfte der Freischar D’Annunzios an. Ihrer Verfolgung als Fahnenflüchtige stand die aufgebrachte öffentliche Meinung entgegen, was die Militärführung und auch die demokratische Regierung in Bedrängnis brachte. Ab 1926 durften diese Soldaten ihre „Medaillen zum Gedenken an den Marsch auf Fiume“ an ihrer Uniform tragen. Damit wurde die von D’Annunzio gestiftete Auszeichnung von Italien übernommen. Auf dem Orden sind ein römisches Feldzeichen, der lateinische Spruch hic manebimus optime (dt. „hier wird es uns sehr gut ergehen“) und die für die Arditi des Ersten Weltkriegs typischen Dolche zu sehen. Die Farben des Ordensbandes entsprechen denen der Stadt Fiume zur Zeit der italienischen Herrschaft.
Unter der Bezeichnung Arditi bildeten sich neben den Freischärlern D’Annunzios auch andere paramilitärische Gruppierungen, die unter dem Dach der Associazione Nazionale Arditi d’Italia den Faschismus bei der Machtergreifung unterstützten. Von den gleichnamigen Sturmtruppen des Ersten Weltkriegs übernahmen sie die schwarze Waffenfarbe und viele arbeitslose Kriegsveteranen. Sie trugen zur Formierung der Schwarzhemden bei, die als faschistische Kampfbünde zunächst die Bevölkerung terrorisierten und dann ab 1923 als sogenannte „Sicherheitsmiliz“ für Ordnung sorgen sollten.
Neben diesen Hintergrundinformationen geht Knipp auf die Persönlichkeitsstruktur von Gabriele D’Annunzio eingehend ein. Er beschreibt ihn als den damals bekanntesten Dichter Italiens als „Lebenskünstler, Exzentriker, Selbstdarsteller und zudem ein Kriegsheld.“ (S. 10) Er lebte sein Bild des Menschen in Fiume aus: „D’Annunzio und viele seiner Begleiter träumen von der Erlösung des modernen Menschen, der, gefangen in der ‚Dekadenz‘ seiner Zeit, der strengen Ordnung der bürgerlichen Moderne, das eigentliche Leben verfehlt. Und D’Annunzio war gekommen, den Weg zu diesem Leben zu weisen, den Menschen in Fiume und letztlich der gesamten Welt zu zeigen, wie sie zu diesem echten, unverfälschten Leben wieder finden könnten. Dieser Weg, so schien es dem Dichter und seinen Anhängern, verlief über die Politik.“ (S. 12)
Das widersprüchliche und wilde Leben in Fiume wird genau beschrieben, auch anhand einiger Protagonisten: Freikörperkultur, Karneval, ein Eldorado der Lüste, Libertinage der Erotik und Drogenkonsum vermischt mit stolz gezeigtem Militarismus und Nationalismus: „Fiume, ein Ort des Abenteuers und der Abenteurer. Hier treffen sich jene, die mit dem Leben der anderen – dem geregelten, bürgerlichen, in geordneten Bahnen verlaufendem Dasein – wenig anfangen können.“ (S. 203)
Gabriele D’Annunzio sah sich laut Knipp als eine Art Erlöser und Avantgarde der weltweiten Entwicklung: „Anders als Don Quichote lebte D’Annunzio seinen Wahn nicht allein. Er und seine Begleiter stärkten sich in ihrer wahnwitzigen Weltsicht gegenseitig. Eben damit setzten sie Maßstäbe im Feld politischer Neurosen. D’Annunzio und seine Brüder im Geiste inszenierten und durchlebten ein hysterisches Spektakel, das heute in vielerlei Formen, wenngleich meist in milderem Intensitätsgrad, zur Aufführung kommt – insbesondere und mit Vorliebe im Vorfeld der Politik.“ (S. 242)
Er schlägt damit eine Brücke zur weiteren Entwicklung im 20. Jahrhundert und der Gegenwart: „Wenn sich Volksparteien der Bevölkerung entfremden, von ihr zumindest nicht mehr verstanden werden, schlägt die Stunde der Populisten von rechts und links (…). Krisen brauchen Realismus, ansonsten verleiten sie zum Rückzug aus der Wirklichkeit. Das lehrt das Beispiel Gabriele D’Annunzio, des großen Autors und Streiters für die kulturelle Moderne. Politisch hingegen hat er die Abgründe der Moderne aufblitzen lassen, nicht in kritischer, sondern demagogischer Absicht. Bei allem Dank, den man ihm kulturell schuldet, ist er doch politisch ein Typus, von dem man hofft, er habe sich überlebt. Nach derzeitigem Stand der Dinge bleibt er aber ein politisch Untoter.“ (S. 267)

Knipp vermischt hier in Anlehnung an die Totalitarismus- und Extremismustheorie linke und rechte Weltsichten und Ideologien zu einer Warnung vor radikalen politischen Lösungen. Das müsste er besser wissen. Faschismus/Rassismus und Bolschewismus/Sozialismus sind keine Zwillingsbrüder, sondern betrachten sich in Wirklichkeit als Todfeinde. In ihren Ausprägungen gibt es zwar einige Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche inhaltliche Unterschiede. Dies ist ein Ärgernis eines sonst spannend geschriebenen und informativen Buches über ein unbekanntes Kapitel des frühen 20. Jahrhunderts.

29.04.2019

umfassendes Sachbuch

Erst kürzlich habe ich mich ausführlicher über die RAF und damit auch die 68er Bewegung eingelesen und deshalb hat mich die Beschreibung auch sofort angesprochen.
In einem kurzen einleitenden ersten Kapitel beschreibt die Autorin, dass man von Annunzio vor allem lernen kann, wie leicht man sich zur Führungsgestalt einer Menge hochreden kann, indem man ihr erklärt, sie – und sie allein sie – sei das Volk. In einem zweiten lernt man u.a. Annunzio und sein Wesen besser kennen, erfährt, dass Bescheidenheit nicht seines war, bekommt zahlreiche Beispiele dafür geliefert, dass er schon als Jugendlicher sehr von sich überzeugt und stets bemüht war, sich in Richtung Erfolg zu erneuern. Das dritte Kapitel widmet sich eher den Lebensbedingungen und den Lebensumständen im ausgehenden 19. Jahrhundert in Italien sowie den politischen Entwicklungen dort. Erfolglose Umsturzversuche, nationalistische und zunehmend auch imperialistische Bemühungen lassen Annunzio in den Hintergrund rücken. Aufschwung und technischer Fortschritt, die mit Erneuerungsbemühungen einhergehen, werden in einem vierten Kapitel beschrieben, an deren Ende schon Annunzios Kriegsbegeisterung zu erkennen ist. Genau diese Welle an Kriegsbegeisterung, die sich in Italien auftut, nutzt er geschickt, manipuliert und agiert gegen Kriegsgegner, was das folgende Kapitel näher beleuchtet. In einem fünften wird dann dargestellt, welche Zäsur der Kriegseintritt Italiens in seinem Leben bedeutet. War er bisher „Champion des Ästhetizimus“ muss bzw. will er sich nun ins völlige Gegenteil verkehren und zu einem makellosen Soldaten werden. Mit 52 Jahren kein leichtes Unterfangen bei einem selbstverliebten Menschen. Aufgrund des hohen Alters freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, kann er mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, als eine Art „Kriegstourist auf Abenteuerreise“ Heldentaten sammeln, für die man zahlreiche Beispiele erhält. Das siebte Kapitel verdeutlicht dann das unerbittliche Ringen um die Hafenstadt Fiume bei den Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg und man erfährt so von deren Bedeutung. Das achte Kapitel widmet sich dann Annunzios Besatzung Fiumes. Zur nationalen Ikone aufgestiegen, will und traut man sich ihm aus Angst vor Aufständen nichts entgegenzusetzen. Für die alliierten Mächte ist zudem die Stabilisierung des Friedens nach dem Krieg viel wichtiger und deshalb begnügen sich diese mit dem Umstellen Stadt, um sie vom Umland abzugrenzen, was Fiume allerdings auch zur großen Bühne macht. Es wird dargestellt, dass schnell politisch nichts mehr zu bewegen ist und deshalb, damit das Unternehmen weitergehen kann, eine kulturelle Revolution erfolgt. Man erfährt wie die Bevölkerung lebt und Nihilismus feiert, wie die finanzielle Stabilität ins Wanken gerät, Piraterie und eine fortschrittliche Verfassung, natürlich ohne Bestand, entsteht und schließlich eine Kriegserklärung an Italien dem Ganzen ein Ende setzt. Das abschließende Kapitel wirft noch einen Blick auf Annunzio, der stets um der Wirkung bedacht agierte und dem politisches Kalkül fehlte, als Person und auch auf die Zeit danach. Es werden anhand einiger Beispiele wie Berlusconi oder auch Internetforen, in denen sich heute Empörte treffen, Parallelen und Unterschiede aufgezeigt. Auch ein Blick auf die entstehende politische Subjektivität wird geworfen. Die Autorin endet schließlich mit folgender Botschaft, bei der sie mir aus dem Herzen spricht: „Wenn sich Volksparteien der Bevölkerung entfremden, von ihr zumindest nicht mehr verstanden werden, schlägt die Stunde der Populisten von rechts und links. [...] Krisen brauchen Realismus, ansonsten verleiten sie zum Rückzug aus der Wirklichkeit.“
In einem ausführlichen Anhang finden sich noch die nötigen Anmerkungen, die Bibliographie, ein Abbildungsverzeichnis sowie ein Register.

Mein Interesse für Politik und Geschichte ist erst in den letzten Jahren entstanden, und am allermeisten interessiert mich Alltagsgeschichte, für die man klarerweise auch einen geschichtspolitischen Hintergrund benötigt, um zu verstehen. Ich habe eigentlich erwartet, dass man geschildert bekommt, wie Fiume besetzt wurde und welche Alternativkultur dort entstanden ist, weniger mit der ganzen Vorgeschichte, die knapp zwei Drittel des Textes ausmacht. Klar ist diese wichtig und sicher sinnvoll um die ganze Entwicklung letztendlich besser verorten und einschätzen zu können, um viel fundierteres Wissen zu erlangen, aber ich hatte anfänglich meine liebe Mühe, da ich nicht auf breites Basiswissen über Politik und Leben in Italien zu der Zeit zurückgreifen kann und mein intrinsisches Interesse daran, zumindest zu Beginn auch nicht übermäßig groß war. Der Sprachstil ist gehoben, dies ist kein Buch für den absoluten Laien. Die Autorin lässt auch viele damalige Betrachter zu Wort kommen. Ich gehöre zu den Lesern, die unbekannte Wörter und Fachbegriffe, die ich beim Lesen nur vage aus dem Zusammenhang schließen kann, nachschlagen muss. Ich war oft am Blättern und googeln. Ägide, Bacchanalien, voluntarische Züge, Eklektiker, das sind Wörter, die nicht meinem täglichen Sprachgebrauch entspringen. Ein Teil ist sicher meinen Wissenslücken geschuldet, aber nicht immer konnte ich verstehen, warum es so gehoben sein muss. Warum kann man z.B. statt stupend nicht einfach frappierend verwenden, das hätte mir das Lesen um einiges erleichtert. Auch andere Sachbücher haben mir schon demonstriert, dass ein für den Laien verständlicher Stil möglich ist. Auch hätte ich mir etwas mehr vom Alltag in Fiume gewünscht. Man bekommt zwar eine Vorstellung, erfährt auch wie sich dort z.B. ein Guido Keller ausgelebt hat, aber hier hätte es für mich eindeutig noch um einiges ausführlicher sein können.

Die Autorin gliedert ihr Sachbuch in neun Kapitel, die jeweils mit einer Seite beginnen, die grau hinterlegt, den Titel und Untertitel nennen und ein passendes Zitat anfügen. Zwischen den Kapiteln findet sich jeweils eine Doppelseite mit Schwarz-Weiß Bildern, auch im Text finden sich immer wieder, meist halbseitige Fotografien. Dieses einladende Layout in Verbindung mit dem Hardcover und dem ansprechenden Schutzumschlag verleihen dem Buch einen hochwertigen Eindruck.

Alles in allem ein aufschlussreiches Sachbuch, das sicher einen umfassenden Blick auf Fiume und Annunzio ermöglicht. Politisch und historisch Interessierte werden hier sicher auf ihre Kosten kommen, Laien könnten wie ich allerdings mit dem gehobenen Stil etwas Probleme haben, weshalb ich persönlich auch nur vier anstelle von fünf Sternen vergeben kann.

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