»Da kann man etwas wissen«: Susanne Billig empfiehlt Kinder- und Jugendbücher für den Dezember 2021

»Da kann man etwas wissen« (Louie, 5 Jahre) – in diesem Sinne stellt Susanne Billig in lockerer Folge empfehlenswerte Kindersachbücher vor. Die Liebe zum Lesen beginnt bei vielen schon im Kindesalter. Mit spannenden und lehrreichen Sachbüchern können Kinder die Welt von zu Hause aus entdecken! Auch Susanne Billig, Journalistin, Sachbuchrezensentin für den Deutschlandfunk Kultur und Jurymitglied der Sachbuchbestenliste von ZEIT, ZDF und DLF Kultur, entdeckt gerne das ein oder andere Sachbuch und stellt hier ihre Favoriten im Bereich Kinder- und Jugendbücher vor. Sachbücher erklären Kindern das Reich der Tiere oder zeigen, wie unser Universum aufgebaut ist. Aber auch darüber hinaus wartet viel Wissen, das die jungen Leser:innen entdecken können. Susanne Billig findet die Schätze unter den Sachbüchern für Kinder und Jugendliche, die großen Spaß am Lesen garantieren.

 

Die Kinder der Welt in einer Nussschale
Wenn die Welt aus 100 Kindern bestünde… ein einfaches Gedankenexperiment macht die Lage der Menschheit für Kinder wunderbar anschaulich. Es geht um Sprachen, Sozialleben und Regierungsformen, Kultur, Gesundheit und Bildung. Immer wieder lassen die Zahlen staunen: Immerhin 42 Kinder würden in einer Demokratie leben. 85 hätten sauberes Wasser. Nicht nur 46 Jungen, sondern auch 43 Mädchen lernten schreiben und nicht weniger als 52 Kinder hätten ein Fahrrad. 1 Kind allerdings wäre auf der Flucht, 12 lebten in Slums. 5 Kinder müssten auf der Straße leben und für 13 herrschte Krieg. Freundlich, wach und interessiert informiert der Autor über Bewegungsmangel bei Kindern, die Bedeutung von Schuhen für den Schulbesuch und Religionszugehörigkeiten. Er macht transparent, aus welchen Quellen seine Zahlen stammen und wie schwierig es ist, zu Sport, Spiel und Kinderspaß weltweit zu recherchieren. Infografiken, Comicszenen und Papier leuchten in bunten Farben. Wer wollte sich da nicht hineinvertiefen? Leider ist das Buch erst nach Weihnachten wieder lieferbar. Aber dadurch verliert es nichts von seiner Qualität.

»100 Kinder« ansehen

 

Zwillingsparadox, Lichtbiegung und gekrümmte Räume
Ein Buch, so groß, dass man es mit beiden Händen auf den Knien balanciert. Was darin steht, sprengt den Verstand, egal ob kleiner oder großer Mensch – aber selten wurde es so plastisch erzählt. Das Buch folgt einem klaren chronologischen Prinzip: Wie begriff man vor Albert Einstein die Zeit, den Raum und das Licht? Welche großen Ideen entwickelte der Physiker und in welchen Arbeiten legte er sie nieder? Welche verrückten Konsequenzen ergeben sich daraus für unser Weltbild und welche Erfindungen – Stichwort Laserstrahlen und GPS-Navigation – beruhen auf Einsteins Erkenntnissen? Kindgerechte Bilder entführen in den Kosmos, schwarz eingefärbt das Papier, hell leuchtet der Sternenhimmel, ein Zwilling schießt in der Rakete ins Weltall, ein anderer bleibt im Bett im Schein der Nachttischlampe und schaut hinterher – und beide werden unterschiedlich altern. Farbig unterlegte Textkästen, die Schrift freundlich geschwungen, laden Kinder ein zu staunen, zu denken und das Denken zu überschreiten.

»Albert Einsteins Relativitätstheorie« ansehen

 

Farbenfroh, bilderreich und poetisch
Können Labyrinthe und Irrgärten ein ganzes Buch von fast einhundert Seiten füllen? Und wie! Seit Jahrtausenden sind Labyrinthe beliebt – bei altägyptischen Herrschergeschlechten und in antiken Heldenepen, bei chinesischen Kaisern, römischen Architekten und den Baumeistern mächtiger Kathedralen. Man hat sie in Wüsten aus Steinen errichtet und in Parklandschaften als mannshohe Hecken gepflanzt. Gekonnt balanciert dieses Buch zwischen Spaß und Poesie. Warum können sich große Helden nur auf verschlungenen Wegen beweisen? Müssen wir uns irren, um ans Ziel zu gelangen? Wie blickt ein alter Mensch zurück auf seine Lebenslinien? Der freundlich-informative Text mit seinen Denkanstößen mag kindliche Horizonte hier und da überschreiten. Doch wenn man es recht bedenkt, kommen neue Horizonte ja so zum Kind: Mit einem Buch wie diesem, das sich farbenfroh, bastelfreudig, bilderreich und poetisch dem stets lohnenden Blick in die Geschichte und letzten großen Fragen widmet.

»Das Buch der Labyrinthe und Irrgärten« ansehen

 

Wilde Worte, verträumte Bilder
Als dieses Buch in Großbritannien erschien, wählte der Buchhandel es zum schönsten des Jahres. Tatsächlich strömt eine so tiefe Liebe und Zugewandtheit aus den Bildern von Jackie Morris, dass Menschen aller Lebensalter sich davon ganz erfasst und hineingezogen fühlen können in diese verträumten Naturwelten, jedes Tier sein eigener, sanftfarbiger Kosmos. Wie die Vogelschar über den fahlen Himmel tobt, der Hase sich in den blauen Schneesturm kuschelt und die Robben einander weich und zärtlich umarmen, auf jeder Seite eine magische Melange von Genauigkeit und Geheimnis – große Kunst. Dazu die Zaubersprüche Robert Macfarlanes, wilde Worte, die unendliche Schönheit und den furchtbaren Verlust des Lebendigen anrufend: „Mehr, Welt, mehr, dreh dich noch ein Stück, die Mauersegler sind zurück, zerraufen den Himmel in Rabaukencliquen, diese Handbremsenzwirbler, diese Anfeurer des Nachbrennsinns…“ Was soll das bedeuten? Keine Ahnung – schrei es laut und du wirst es verstehen!

»Die verlorenen Zaubersprüche« ansehen

 

Packende Botschaft an Kinder
Erwachsene möchten Kindern wahre Tiere auf wahren Bauernhöfen nicht zeigen, weil sie es nicht ertragen könnten. Als „sachlich“ hat die Kritik Lena Zeises Buch hoch gelobt. Doch die Illustratorin nutzt die Sachlichkeit als Trojanisches Pferd – wer ihre detailreichen Zeichnungen betrachtet, wird in Zeitlupe schockiert. Kein Blut, keine angstgeweiteten Augen. Aber Küken in Kisten übereinander gestapelt. Rinder in der Eintönigkeit über dem Spaltenboden. Eine Schweinemutter bewegungslos im engen Käfig. Dazu knappe, beschreibende Texte. Das ist das Elend der Massentierhaltung in seiner eiskalten Entfremdung. Gedecktes Braun, viel Grau, auch auf den Gesichtern der Menschen, die keine persönlichen Züge tragen. Warum auch. Hier geht es um ein System. Ein Buch von Orwell‘scher Dimension, dessen Wärme darin liegt, dass seine Autorin bereit war, auf diesen 40 Seiten auf Wärme weitgehend zu verzichten. Nur manchmal schaut uns ein Tier direkt in die Augen. Kinder werden seine Frage verstehen.

»Das wahre Leben der Bauernhoftiere« ansehen

 

Mehr Kinder- und Jugendbücher entdecken

 

Zur Rezensentin

Susanne Billig, geboren 1961 in NRW, hat in Berlin Biologie studiert. Nach einem Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung im Bereich Wissenschafts-Journalismus schrieb sie als freie Journalistin unter anderem für die Tageszeitung, den Tagesspiegel, das Greenpeace Magazin und das Stadtmagazin zitty und gestaltete Sendungen für das Fernsehprogramm der Deutschen Welle sowie für das Wissenschaftsprogramm von Deutschlandfunk und WDR. Seit inzwischen vielen Jahren ist sie Sachbuch-Rezensentin des Deutschlandfunk Kultur und Jurymitglied der Sachbuch-Bestenliste von ZDF, ZEIT und DLF Kultur. Susanne Billig ist außerdem Chefredakteurin der Zeitschrift BUDDHISMUS aktuell.

 

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