Promovieren in Zeiten von Corona – Ein Gespräch mit Nadine Finke-Micheel

wbg Publishing Services: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf das Promovieren aus?

Nadine Finke-Micheel: Die Rahmenbedingungen der Promotion haben sich verändert und den Promotionsprozess deutlich erschwert. Viele Promovierende befürchten, dass sich die Promotionszeit durch die Corona-Einschränkungen verlängert: Zu Beginn des ersten Lockdowns konnten Labore und Maschinen kaum genutzt werden und auch jetzt ist die Nutzungsfrequenz unter Hygiene-Vorschriften eingeschränkt. Der Zugang zu Forschungsfeldern und -daten war und ist ebenfalls eingeschränkt. Dadurch ergeben sich für einige Promovierende auch finanzielle Anschlussschwierigkeiten. Für wissenschaftliche Beschäftigte mit Lehrverpflichtung war die Umstellung auf digitale Lehrformate zu Beginn des Sommersemesters wohl die zeitaufwendigste Herausforderung. Und auch in diesem Semster geht die Arbeit daran weiter. Ein Problem, das ebenfalls häufig genannt wird, betrifft das Zeitmanagement im Homeoffice. Auch das Netzwerken auf Konferenzen und das „Sichtbar-Werden“ in der Scientific Community online ist schwieriger zu gestalten. Der informelle und motivierende Austausch mit den Kolleg*innen und Betreuer* innen fehlt ebenfalls vielen.

 

wbg Publishing Services: Welche Lösungsansätze gibt es beziehungsweise haben sich die Promovierenden selbst erarbeitet?

Nadine Finke-Micheel: Für die Lehre wurden teils sehr innovative didaktische Konzepte entwickelt, die den Austausch mit den Studierenden auch digital fördern. Für das persönliche Netzwerken wurden von digitalen Kaffee-Runden bis zu Lehrstuhlspaziergängen ebenfalls viele Lösungsansätze entwickelt.

 

wbg Publishing Services: Haben Sie die Erfahrungen gemacht, dass bestimmte Gruppen besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind?

Nadine Finke-Micheel: Aus den bisherigen Rückmeldungen wurde deutlich, dass insbesondere Promovierende mit Kind(ern) von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen sind. Mit geschlossen Kitas und Schulen haben promovierende Eltern oft kaum mehr Zeit zur Arbeit an der Dissertation gefunden. Für trans*Menschen wurde in der Pandemie und für die Online-Lehre relevant, dass der korrekte und neue Vorname insbesondere in den Videokonferenz-Systemen eingepflegt ist.

 

»Die Teilnahme an Online-Veranstaltungen kommt vor allem Personen zu Gute, die ansonsten zeitlich, räumlich oder physisch eher weniger flexibel sein können. Allerdings gestaltet sich das informelle Netzwerken deutlich schwerer.«

 

wbg Publishing Services: Machen Sie Angebote zum Umgang mit den Auswirkungen der Pandemie?

Nadine Finke-Micheel: Im Sommer haben wir ein Austauschformat für Promovierende der TU Dortmund gestartet: „Promovieren in Zeiten von Corona“. Hier können die Doktorand*innen sich zu unterschiedlichen überfachlichen Themen austauschen und neue Inspirationen mitnehmen. Darüber hinaus bietet die TU Dortmund viele überfachliche Weiterbildungen im Bereich der digitalen Kommunikation und Lehre an. Sämtliche Angebote des Graduiertenzentrums (auch die persönliche Beratung) werden nun online umgesetzt.

 

wbg Publishing Services: In vielen Bereichen hat die Pandemie einen Wandel angestoßen, der begrüßenswert ist, zum Beispiel im Hinblick auf Digitalisierung. Welche Chancen sehen die Promovierenden, die Sie beraten?

Nadine Finke-Micheel: Es zeigt sich, dass viele überfachliche Weiterbildungen und auch thematische Konferenzen sehr gut online umsetzbar sind. Die Teilnahme an Online-Veranstaltungen kommt vor allem Personen zu Gute, die ansonsten zeitlich, räumlich oder physisch eher weniger flexibel sein können. Allerdings gestaltet sich das informelle Netzwerken deutlich schwerer. Der Smalltalk am Mittagsbuffet fällt weg und die Pausen auf Online-Konferenzen werden eher für eine „Bildschirm-Pause“ genutzt. Insofern müssen Präsenz-Veranstaltungen online doch ein wenig anders umgesetzt werden. Für die Lehre zeigt sich aber auch, dass zum Beispiel das Thema „barrierefreie Gestaltung von Lehre“ durch die Online-Angebote deutlich an Relevanz und Umsetzung gewonnen hat. Ich kann mir daher vorstellen, dass digitale Formate auch zukünftig als zusätzliches Angebot neben Präsenzangeboten bestehen bleiben werden.

 

wbg Publishing Services: Wie hat sich Ihre Arbeit verändert? Wie erhalten Sie den Kontakt zu den Promovierenden aufrecht?

Nadine Finke-Micheel: Es hat sich gezeigt, dass viele Angebote, die wir im Graduiertenzentrum anbieten, sehr gut online funktionieren. Die individuellen Beratungen finden ebenfalls online via Zoom statt – aus persönlicher Sicht muss ich allerdings sagen, dass ich froh bin, wenn zumindest diese wieder in Präsenz stattfinden können.

 

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Zu den Beteiligten

Nadine Finke-Micheel ist tätig für die Stabsstelle Chancengleichheit, Familie und Vielfalt der TU Dortmund und dort verantwortlich für das Programmmanagement des Karriereforums. Außerdem berät sie Promotionsinteressierte und Promovierende im Rahmen des Graduiertenzentrums der TU Dortmund.

 

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