»Der Untergang des Römischen Reiches«: Wieso Sie diese Ausstellung nicht verpassen sollten

Eine Empfehlung von Dr. Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier

Die Frage nach Ursachen für das Ende des Imperium Romanum zählt zu den spannendsten der Weltgeschichte. Dementsprechend groß ist die Zahl der Theorien, die in der Vergangenheit zu diesem Thema geäußert wurden – die über 200 Vorschläge reichen von der Dekadenz bis zur Bleivergiftung und sind heute meist überholt. Dennoch ist die Diskussion über die Gründe des Niederganges bis heute nicht abgebrochen. Wie konnte ein solches Weltreich untergehen?

Erstmalig widmet sich nun ein großes Ausstellungsprojekt an drei Standorten in Trier diesem Thema, das im Rheinischen Landesmuseum, dem Museum am Dom und dem Stadtmuseum Simeonstift aus unterschiedlichen Perspektiven präsentiert wird. Während im Landesmuseum die Entwicklungen und Ereignisse des 4. und 5. Jahrhunderts im weströmischen Reich näher beleuchtet werden, die zu seinem Ende führten, widmet sich das Museum am Dom dem Aufstieg des Christentums in der Spätantike. Das Stadtmuseum schließlich zeigt die vielfältige Rezeption, die der Fall Roms in der Nachwelt erfahren hat und die bis heute anhält.

Allein im Landesmuseum werden über 400 hochkarätige Exponate von rund 80 Leihgebern gezeigt, die aus 20 verschiedenen Ländern ihren Weg nach Trier gefunden haben. Unter den Leihgaben befinden sich u.a. auch mehrere antike Kaufverträge aus Algerien, die zu einem Zeitpunkt ausgefertigt wurden, als die nordafrikanischen Provinzen bereits unter vandalischer Herrschaft standen. Die beschrifteten Holztäfelchen belegen, dass auch unter den neuen Herren das römische Recht weiter fortbestand und das Leben für die örtliche Bevölkerung trotz des Machtwechsels offenbar ohne gravierende Veränderungen weiterging. In anderen Region des Imperiums hingegen hatte der Zerfall des Reiches deutliche Auswirkungen auf das Alltagsleben der Zeitgenossen: der weitgehende Verlust der Stein- und Ziegelbauweise, der Schrift, der Wasserversorgung und Aquädukte, der Thermen oder der staatlichen Münzprägung veränderten deren Lebensbedingungen nachhaltig.

Die langwierigen und komplexen Prozesse, die zum Niedergang und schließlich zum Ende des Imperiums geführt haben, können in einer musealen Präsentation nicht immer im Detail dargestellt werden. Daher bildet der zur Ausstellung erschienene Begleitband eine willkommene Ergänzung, bereichert er diese doch um zahlreiche Hintergrundinformationen für den Besucher. Neben Beiträgen zu den wichtigsten Entwicklungen und Ereignissen in der Spätantike werden auch die Auswirkungen auf das Alltagsleben der Menschen in den Blick genommen, die der Untergang des Römischen Reiches zur Folge hatte. Auch der Frage nach den Gründen, die zum Ende des Imperiums führten, wird in mehreren Beiträgen nachgegangen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang zwei Aufsätze von international renommierten Wissenschaftlern, die seit langem zu diesem Thema forschen, aber – jeweils mit guten Gründen – zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, warum das Reich unterging. Dies zeigt, dass es endgültige Antworten auf diese spanende Frage wohl nie geben wird. Doch die Leserinnen und Leser mögen sich ihr eigenes Bild machen!

Der Band enthält darüber hinaus hochinteressante Neufunde und neue Forschungsergebnisse. Geradezu spektakulär sind die erst vor wenigen Jahren in Rom entdeckten und hier nun erstmals publizierten Münzen, die sich auf dem Forum Romanum in der Basilica Aemilia in einer Brandschicht fanden, und die den ersten archäologischen Nachweis für die Plünderung Roms durch die Goten im Jahr 410 n. Chr. darstellen. Nicht minder wichtig sind die erstmals zusammengestellten Kartierungen sämtlicher Schlachten in der Spätantike, die uns in den Schriftquellen überliefert sind. Dabei wird deutlich, wie stark das letzte Jahrhundert das Imperium von militärischen Konflikten geprägt war und wie vor allem innerrömische Bürgerkriege immer mehr zunahmen.

 

Weiterführende Links

Zur Website der Ausstellung

 

Zu den Beteiligten

Dr. Marcus Reuter ist Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier. Nach seinem Studium der Provinzialrömischen Archäologie, Alten Geschichte und Ur- und Frühgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Universität Wien promovierte er über die Auxiliartruppen des römischen Heeres in der Mittleren Kaiserzeit. Von 2011 bis 2012 war er Leiter des LVR-RömerMuseums Xanten.

 

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