3sat, der 1.12.1984 oder die große Freiheit von Kultur und Trash

Die Öffnung des deutschen Fernsehens für private Sender im Jahre 1984 war auf der einen Seite verbunden mit dem Beginn von Trash-TV in seinen diversen Frühformen und dessen konsequent verfolgten Formaten und Adaptionen. Dem Einen bot sich Anlass zur Freude, dem Zweiten zum Leid und dem Nächsten schlicht zur Unterhaltung, mitunter auch bei kaum für möglich gehaltene Tiefpunkte des Niveaus.

Doch es gab auf der anderen Seite andere Formate im neuartigen Satellitenfernsehen, denn genau heute vor 35 Jahren, am 1.12.1984, wurden mit dem Sender 3sat die heimischen Geräte mit einem kulturellem Gegenprogramm gespeist, betrieben seitens deutscher, österreichischer und schweizerischer Sender (ZDF, dem ORF, der SRG SSR und den Landesrundfunkanstalten der ARD betrieben).

Es folgten Dokumentationssendungen wie "Schätze der Welt", kulturelle Angebote wie "Kulturzeit" (eine tägliche Kultursendung zur besten Sendezeit um 19:20 Uhr war ein Novum in der deutschen Fernsehgeschichte), das Wissenschaftsmagazin "nano" oder inhaltsklare Namen wie „Literaturclub“ oder „Sternstunde Philosophie“. Doch nicht wenige prophezeiten dem ambitionierten Kulturprojekt schwere Zeiten.

Liebe Community,

der Marktanteil von 3sat in Deutschland bewegt sich konstant bei 1 – 2 Prozent, ist dieses nun eher wenig und ein Armutszeugnis für Kunst und Kultur-Freunde in Deutschland? Hängen jene Auswertungen wie ein Damoklesschwert der Programmkürzung/ -streichung oder -zusammenlegung über 3sat und weitere, ähnlich aufgestellte Sender? Oder ist dieses ein eher deutsches Problem, denn die Frage, ob vielleicht stattdessen der Österreicher sich mehr von Kunst und Kultur betroffen fühle, stellte bereits zum 20. Geburtstag des Senders ORF-3sat Chef Chefredakteur Wolfgang Lorenz in einem Interview.

Vielleicht benötigt die Kultur in den Medien ab und an auch seinen großen Auftritt: Erinnern Sie sich noch an den Eklat um Marcel Reich-Ranicki und seine Ablehnung seines Fernsehpreises aufgrund des „Blödsinns“, welchen er auf der Preisverleihung so nicht erwartet hatte und die verzweifelten Rettungsversuche seitens Thomas Gottschalk und einer Idee von „Bildungsoffensive Fernsehen“?

Oder ist alles nur halb so wild um die Kultur in den Medien bestellt? Hierzu ein abschließendes, beruhigendes Zitat von Wolfgang Lorenz vom ORF: „Kultur ist etwas, was auch für dich gut ist und deinem persönlichen Leben eine Bereicherung zuführt“. (Quelle: Deutschlandfunk)

Liebe Community, wie sehen Sie zum 35. Geburtstag des Senders 3sat die aktuelle Situation im Medium Fernsehen zwischen Bildung und Trash, Anspruch und Niveau und einfachster Sprache und fremdschämenden Voyeurismus? Und was fehlt Ihnen oder was begeisterte Sie jüngst am meisten?

Viele herzliche Grüße und für 3sat alles Beste zum Jubiläum und für die Zukunft.

Tags: Fernsehen, Medien
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