Alexander der Große

Der makedonische König Alexander der Große eroberte in seiner kurzen Lebenszeit von 33 Jahren ein Gebiet, dessen Ausmaße bis dato unvorstellbar gewesen waren. Damit läutete er, so der Historiker Johann Gustav Droysen, eine neue Epoche ein: Den Hellenismus. Im Zuge dieser Epoche wurde das Griechentum in die Welt getragen. Angelos Chaniotis nennt es die »Öffnung der Welt«. 
Alexander ging an die Grenzen und darüber hinaus, stellt der Althistoriker Hans-Joachim Gehrke fest. Aber wer verbirgt sich hinter dieser sagenumwobenen Gestalt?


Alexander wurde als Sohn des makedonischen Königs Philipp II. am 20. Juli 356 v. Chr. in der makedonischen Hauptstadt Pella geboren. Seine Mutter war die Griechin Olympias, eine Tochter des Königs Neoptolemos I. Das Reich Philipps erstreckte sich nördlich von Griechenland. Die Kultur und Sprache unterschieden sich von der des Nachbarn. Zeitgenössische Autoren sprechen Makedonien etwas barbarisches zu. Man legte keinen Wert auf Philosophie und Kultur – und man trank seinen Wein nicht in üblicher Manier mit Wasser gemischt. 


Alexanders Eltern bemühten sich allerdings, ihrem Sohn durch eine hervorragende Ausbildung die griechische Kultur nahezubringen. Deshalb wurde der Philosoph Aristoteles an den Hof in Pella geholt, um Alexander in Philosophie, Mathematik und Kunst zu unterrichten. Sein militärisches Wissen hingegen erlernte Alexander von seinem Vater Philipp.
Bereits um Alexanders Kindheit und Jugend ranken sich zahlreiche Mythen. Einige Stimmen behaupten sogar (später auch Alexander selbst), er sei ein Sohn des Zeus. Damit wäre Alexander ein griechischer Halbgott. 

Der gut 300 Jahre nach Alexander lebende Schriftsteller Plutarch überliefert in seiner Alexanderbiografie, wie der spätere König zu seinem treusten Freund kam: Dem jungen Mann gelang das Unvorstellbare, denn er zähme ein unzähmbares Pferd und nannte dieses Bukephalos. Sein Vater soll daraufhin gesagt haben: 


»Geh, mein Sohn, such Dir ein eigenes Königreich, das deiner würdig ist. Makedonien ist nicht groß genug für Dich.« Plut. Alex. 6

 

Bukephalos begleitete Alexander von da an bis zum Ende seiner Tage. Es soll auch dieses Pferd gewesen sein, auf dem Alexander während seines elf Jahre andauernden Feldzuges ritt und kämpfte. 
Bei der Schlacht von Chaironeia im Jahr 338 v. Chr., bei der das makedonische Heer gegen einige griechische Poleis, angeführt von Thebens und Athens, zog, konnte sich Alexander dank seiner erfolgreichen Führung der Hetairenreiterei militärisch beweisen. Nach den sog. Heiligen Kriegen um die Vorherrschaft Delphis und die Schlacht von Chaironeia erlangte Philipp II. den Vorsitz im Korinthischen Bund. Makedonien herrschte somit über wichtige griechische Städte.


Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters kam Alexander 336 v. Chr. im Alter von 20 Jahren auf den Thron. Das Verhältnis von Vater und Sohn war lange vor dem Tod Phillips sehr angespannt gewesen, aber Alexander ist keine Beteiligung am Mord seines Vaters nachzuweisen. 
Mit Herrschaftsantritt begann auch Alexanders Erfolgsgeschichte: Noch im selben Jahr ließ sich Alexander die Gefolgschaft der griechischen Poleis bestätigen. Im darauffolgenden Jahr gliedert er diejenigen, die sich weigern, gewaltsam ein. Daraufhin richtet Alexander seinen Blick nach Osten. Bereits Philipp hatte einen Krieg gegen die persische Großmacht angestrebt und dies als Rachemission der Perserkriege verkauft. Alexander nahm diese Mission wieder auf und zog 334 v. Chr. gegen den Großkönig Dareios III. in den Krieg. 


Nur ein Jahr später errang Alexander bei der Schlacht von Issos den entscheidenden Sieg: Er vernichtete das persische Heer und erbeutete ihre Kriegskasse. Es sollte aber nicht das Ende der Perser gewesen sein, denn noch verfügten sie über eine Vielzahl von Gebieten und ihre Flotte. 
Das folgende Jahr nutzte Alexander zur Eroberung Gazas und der Aufstockung seiner Blockade gegen die persische Flotte, um sich im Anschluss daran nach Ägypten aufzumachen. In Ägypten legitimierte Alexander die Besetzung des Landes als Befreiungsschlag gegen die Perser. Zu diesem Zweck huldigte Alexander auch den ägyptischen Gottheiten, was in den Quellen sehr wohlwollend aufgenommen wurde. 


Die Jahre 331-330 v. Chr. konnte Alexander zur Eroberung des persischen Kernlandes nutzen und Dareios, der zuvor geflohen war, töten. Nun stand Alexander jedoch vor dem Problem, ein so großes Gebiet nicht allein kontrollieren zu können, weshalb er neben seinen Generälen auch die lokale Oberschicht in die Herrschaft einbezog, nur um sich dann weiter auf den Weg gen Osten zu machen. 
In den Jahren 329 bis 327 v. Chr. gelangte Alexander bis in das Gebiet des heutigen Tadschikistan und eroberte im Anschluss daran nach längeren Kämpfen Baktrien. Dort heiratete er die sogdische Prinzessin Roxane und begann danach den Feldzug nach Indien. Alexander und seine Armeen gelangten bis dato zum unbekannten Königreich Magadha. Kaum ein Grieche war je so weit gekommen. Doch ein Monsunregen stoppte die Bemühungen Alexanders: Seine Soldaten meuterten, weshalb er mit seiner Armee in das ehemalige persische Gebiet zurückkehrte. Um seine Soldaten zu besänftigen und das Reich weiter zu sichern, beschloss Alexander 324 v. Chr. eine Massenhochzeit in Susa durchzuführen. 10.000 Frauen sollen hierbei mit den Soldaten vermählt worden sein (die Makedonen hatten kein Problem damit, wenn ein Mann mehrere Frauen hatte – Alexander und Philipp waren hervorragende Beispiele dafür). 


Ein Jahr später verstarb Alexander im Alter von nur 33 Jahren in Babylon, der Hauptstadt des persischen Großreiches. Woran er starb, ist unklar. War es eine Alkoholvergiftung? War es die Folge der täglichen Festlichkeiten? Oder wurde er absichtlich vergiftet?
Sein Leichnam wurde in Honig eingelegt und nach Memphis in Ägypten überführt. Bis in die Spätantike war das Grab des Alexanders, welches später nach Alexandria verlegt wurde, Ziel des Tourismus. Inzwischen gab es zahlreiche Unternehmungen das Grab Alexanders zu finden – vergebens. 


Nach seinem Tod zerfiel das Alexanderreich. Die Diadochen, die Nachfolger Alexanders, teilten das Gebiet nach vielen Kriegen unter sich auf und begründeten in ihren Reichen eigene Dynastien. Und trotz, dass sie eigene Geschichten und Kulturen entwickelten, beriefen sie sich immer wieder auf den mächtigen Eroberer Alexander den Großen.


»In einem kurzen Zeitraum hat dieser König große Taten verrichtet und durch Klugheit und Tapferkeit mehr vollbracht, als alle Könige von Anfang an, welche die Geschichte kennt.« - Diod. 17,1-2
 

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