Martin Luther

Der am 10. November 1483 in Eisleben geborene Martin war der Sohn von Hans und Margarethe Luder, die ihren Sohn im Laufe seiner Jugend in verschiedene Pfarr-, Dom- und Lateinschulen schickten. Diese Zeit brachte ihm sowohl eine hervorragende Allgemeinbildung als auch weitreichende Kenntnisse in der lateinischen Sprache ein. Nach der Schule besuchte Luther die Universität in Erfurt und studierte dort nach der Grundausbildung Jura, da Luthers Eltern ihren Sohn gern als Teil des Familiengeschäftes in der Metallgewinnung und -verarbeitung wussten. Doch Luther entschied sich 1505 anders und wurde Mitglied des Klosters der Augustiner-Eremiten in Erfurt. Dies geschah laut Luther wegen eines Schwures, den er der Heiligen Anna mit Wunsch auf Rettung gab, nachdem er in ein Unwetter geraten war. Nach zwei Jahren erlangte Luther die Priesterweihe und lernte in Erfurt seinen späteren Weggefährten den Ordensoberer Johan von Staupitz kennen. Nach der Priesterweihe folgte das Theologiestudium in Erfurt und Wittenberg.

Um 1510 reiste Luther nach Rom und beschäftigte sich im Zuge dieser Reise das erste Mal mit den für ihn problematischen Praktiken der katholischen Kirche: Luther fiel bei der Reise auf, dass die Kirche einen exzessiven Handel mit Ablassbriefen praktizierte und damit ein riesiges Geschäft betrieb. Abbitte und Buße für das Leben im Himmelsreich wurden für kommerzielle Zwecke missbraucht. In dieser Praktik sah Luther einen Verfall innerhalb der katholischen Kirche. Die einzige Möglichkeit, die Kirche zu retten, war demnach eine Reformation. Nach seiner Rückkehr setzte Luther sein Studium fort und wurde schließlich Professor der Theologie in Wittenberg.

Eines Abends im Jahr 1515 las Luther in Vorbereitung auf seinen nächsten Unterricht die Worte (Röm. 1,17): „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Dabei kam Luther zu der Erkenntnis, dass Gott kein strafender Gott, sondern ein gnädiger Gott sei und es keinen Vermittler zwischen der Kirche und dem Gott geben solle, denn allein Gott entscheide, wer in den Himmel käme, sodass die Ablassbriefe, die Buße und all das andere, mit dem die Kirche einen solchen Gewinn mache, ohne Bedeutung sei. Man spricht hier vom sog. Turmerlebnis.

Nachdem Papst Leo X. eine neue Ablassbulle beschloss, um den Petersdom zu finanzieren, entschloss sich Luther 1517 dazu aufzuklären und die berühmten 95 Thesen mit dem Titel „Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum“ (Disputation zur Klärung der Kraft der Ablässe) zu verfassen.

Seine Thesen, in denen er sowohl den Glauben an einen strafenden Gott als auch die katholische Kirche allgemein und den Handel mit Ablassbriefen kritisierte, versendete er in Form von Disputationsthesen an Erzbischöfe und Theologen. Ob Luther die Thesen tatsächlich am 31. Oktober 1517 an das Tor der Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat, ist fragwürdig.

„Vorausgesetzt, der Papst sucht durch die Ablässe mehr das Heil der Seelen als die Gelder – warum setzt er dann schon früher gewährte Schreiben und Ablässe außer Kraft, obgleich sie doch ebenso wirksam sind?“ – Martin Luther, These 89 in deutscher Übersetzung

Zwar blieb die erhoffte theologische Diskussion aus, doch Luthers Freunde sorgten dafür, dass sich seine Schriften im ganzen Reich verbreiteten. Der Papst und die Kirche waren alles andere als begeistert. Luther sollte exkommuniziert werden. Bei dem Wormser Edikt, am 3. Januar 1521, hatte Luther die Möglichkeit, seine Thesen zu widerrufen und sich dem Vorwurf der Häresie freizusprechen, doch Luther hielt an seinen Schriften fest. Daraufhin erklärte Kaiser Karl V. Luther als vogelfrei.

Doch der sächsische Kurfürst Friedrich III. rettete Luther, indem er ihn sicher auf die Wartburg brachte. In den kommenden Jahren versteckte sich Luther dort und übersetzte in dieser Zeit die Bibel mit dem Ziel, dass auch das einfache Volk sie verstehen könne. 1534 war die Arbeit abgeschlossen und konnte dank des Buchdrucks schnell verbreitet werden. Diese Schrift bildet die Grundlage evangelisch-lutherischen Kirche.

Im Laufe der nächsten Jahre erweiterte Luther sein religiöses Gedankengut. Zunächst festigte sich seine Meinung, dass niemand zwischen den Gläubigen und Gott stehe. Zudem lehnte er den Prunk der Gotteshäuser ab, da diese vom Glauben ablenken würden. Zuletzt sprach sich Luther gegen das Zölibat aus und heiratete 1525 Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder zeugte. Bis zu seinem Tod am 18. Februar 1546 hielt Luther an seinen Lehren fest und lehrte diese an der Universität Wittenberg.

Während seiner Lehr- und Schreibtätigkeit fiel Luther immer wieder mit antisemitischhen Aussagen auf. Eines seiner Bücher heißt „Über die Juden und ihre Lügen“. Damit bekräftigte Luther die bereits vorherrschende Grundstimmung. Auch Frauen gegenüber hegte Luther keine positive Meinung, wie heute auch immer noch in den aktuellen Lutherbibeln zu lesen ist.

Martin Luther war nicht der Erste, der die Weltlichkeit der Kirche anklagte. Lesen Sie hier mehr über Jan Hus und die Hussiten.

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