Spinoza oder die Frage nach der Substanz

Benedictus de Spinoza gilt auf der der einen Seite als einer der herausragenden Philosophen des 17. Jahrhunderts, als Schaffer absoluten Neulands und als Zäsur in der Philosophiegeschichte, auf der anderen Seite aber werfen Kritiker vor, dass dessen Philosophie mit Widersprüchen wie auch Zweideutigkeiten durchsäht sei.

Heute, am 24.11., ist Spinoza´s Geburtstag und so möchte ich einen Punkt der Spinoza-Philosophie zur Diskussion stellen und würde mich freuen, wenn Sie, liebe Community, sich dem anschließen würden in Form von Beiträgen, Kritik o.ä.

Alles ist in Allem ist in Einem

Das Seiende, das Selbststand besitzt (ens in se), bildet damit das eigentliche wesentliche Sein.

Spinoza nennt dieses „Deus sive substantia sive natura“ oder Gott = Substanz = Natur.

Dies ist nicht unbedingt weit verbreitet und auch nicht ungefährlich in der europäischen Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts gewesen, wo Gott = Schöpfer ist und nicht Teil des Geschaffenen und schon gar nicht Alles Eines ist.

Doch ist die Substanz nach Spinoza jenes Sein, welches kein anderes Sein bedarf, sich selbst genügt und dieses könne nur das Göttliche / Gott sein und die Natur an sich. So weit, so gut.

Spinoza schreibt:„Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und durch sich begriffen wird, d.h. das, dessen Begriff, um gebildet zu werden zu können, den Begriff eines anderen Dinges nicht braucht (Spinoza, Ethik, 3. Teil). Und diese Bedingung erfülle nur Gott und somit ist Gott = Substanz.

Und da alles, was ist, dadurch Gott = Substanz sei, ist auch die Natur = Gott = Substanz.

Doch warum war dieses für die damalige Zeit ein solcher – wir würden sagen – Skandal? Was warf die christliche Philosophie Spinoza vor?! 

Es war die noch nie vorher ernsthaft wahrgenommene bzw. offen genannte (seit der Etablierung des Christentums) wahre Einheit von Gott und der Welt, das In-Sein als echte Identität von Allem!

Goethe selbst, großer Freund der Philosophie Spinoza´s, schrieb ca. 100 Jahre später in seinem Prometheus-Fragment im Jahre 1773:“ Und eine Gottheit sprach, wenn ich zu reden wähnte, und wähnt´ ich, eine Gottheit spreche, sprach ich selbst“. Der Geist Spinoza´s schien spätestens da Wurzeln geschlagen zu haben.

Der Begriff „Pantheismus“ fällt zudem häufig in Bezug auf Spinoza, doch ist dieser passend? Ja, würde ich sagen. Heidnisch für die damaligen Zeiten gar, durch die Identität von Gott und Welt, von Welt und Gott. Identität mag vielleicht harmlos klingen, doch nehmen wir das Adjektiv „identisch“ und schon hat dieses eine ganz andere Schlagweite: Gott ist identisch mit Allem!

Liebe Community, 

was denken Sie dazu? Welche weiteren Aspekte in der Philosophie Spinoza´s sehen Sie als relevant an und wo sehen Sie Fürsprecher und Gegner, Ansätze und Widersprüche? Und ist die Aussage „Gott = Alles“ für Sie heute noch fragwürdig, zeitlos oder überholt?

Ich freue mich auf Ihre Beiträge und Empfehlungen.

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