Zum 159. Todestag von Jacob Grimm

Jacob Grimm wurde als älterer Sohn des Juristen Philipp Wilhelm Grimm am 4. Januar 1785 in Hanau geboren. Sein jüngerer Bruder Wilhelm, mit dem er später eng zusammenarbeitete und -lebte, erblickte ein Jahr nach Jacob das Licht der Welt. Nach ihrer schulischen Ausbildung in Kassel studierten die beiden Brüder unter Friedrich Carl von Savigny Jura an der Universität Marburg. Schnell entwickelten die beiden ein großes Interesse an der geschichtlichen Entwicklung der deutschen Sprache. Jacob folgte seinem Professor jedoch nach Paris, als dieser 1804 für Forschungen dorthin gerufen wurde. Doch bereits nach kurzer Zeit entschied sich Jacob, der Rechtswissenschaft den Rücken zuzukehren und sich mit der altdeutschen Literatur zu beschäftigen.

 

Die Märchen der Brüder Grimm

Im darauffolgenden Jahr zog Jacob zurück nach Kassel. Sein Bruder Wilhelm war wegen seines Asthmas ebenfalls in die Heimat zurückgekehrt. Inspiriert durch die Romantik begannen die Brüder ab 1806 Märchen und Sagen zu sammeln. Dabei wurden sie von den Brüdern Werner und August Haxthausen unterstützt. Sie alle verband die Liebe zur altdeutschen Sprache.

Die Märchen, die die Brüder sammelten, umfassten alle Arten von fiktiven Geschichten. Terminologisch leitet sich die Bezeichnung Märchen vom altdeutschen »Maere« ab, welches frei übersetzt Geschichte, Erzählung oder auch Überlieferung bedeutet. Bei genauer Untersuchung wird deutlich, dass es sich bei der Sammlung »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder nicht rein um Märchen, sondern um verschiedenste Gattungen handelt. Die Gattung Märchen ist sehr breit gefasst. Häufig sind die Verfasser:innen der Märchen unbekannt. Dies liegt unter anderem daran, dass ein Großteil der Geschichten mündlich tradiert wurden.

Die Brüder haben die Texte, von denen viele Erzählungen von Dorothea Viehmann waren, niedergeschrieben und bearbeitet. Wilhelm Grimm, der die Märchen oft quellenkritisch bearbeitete, gilt als Begründer der Wissenschaft der Märchenkunde. Heute bildet diese Sammlung, die zu Weihnachten 1812 erschien, das Hauptwerk von Jacob und Wilhelm Grimm. Die Märchensammlung war schnell ausverkauft und erschien in den darauffolgenden Jahren immer wieder in überarbeiteter Fassung. Passagen, die von Jacob und Wilhelm als brutal oder anstößig empfunden wurden, wurden entfernt.
Daneben publizierten sie auch anderen Texte, wie beispielsweise eine Sagensammlung oder auch Bücher über Balladen. 1825 erschien die erste illustrierte Ausgabe der »Kinder- und Hausmärchen«. Illustrator war kein geringerer als Ludwig Emil Grimm, der jüngste Bruder.

Durch den Tod der Mutter 1808 in die Rolle des Familienversorgers gezwungen, fand Jacob eine Anstellung als Bibliothekar des Königs von Westphalen Jérôme Bonaparte. Nachdem das Kurfürstentum Hessen wieder hergestellt war, arbeitete Jacob als Diplomat und sorgte für die Rückführung entwendeter Kunst aus Paris. Gleichzeitig nutzte er seine Chance und begann sich mit den slawischen Sprachen auseinanderzusetzen. Um sich intensiver mit der Sprachforschung und Literaturgeschichte zu beschäftigen, arbeitete er gemeinsam mit Wilhelm ab 1815 in der Bibliothek zu Kassel. Die Brüder waren dort auch im literarischen Zirkel um Kurfürstin Auguste aktiv. Wegen politischer Unstimmigkeiten konnten sie diese Tätigkeit nur bis 1829 ausüben.

 

Die Göttinger Sieben

Doch bereits ein Jahr später wurde Jacob Grimm eine Professur in Göttingen angeboten. Dort hielt er einige Vorlesungen in deutscher Literaturgeschichte und konnte 1831 auch seinen Bruder nachholen, der als Bibliothekar an der Universität tätig war.

Nachdem Ernst August auf den Hannoverschen Thron kam und die Verfassung außer Kraft setzen wollte, da er seine Macht durch sie stark eingeschränkt sah, suchte der Göttinger Staatsrechtler Prof. Dahlmann nach Unterstützung. Doch keiner wollte seinen Protestbrief unterstützen. Nur sechs weitere Professoren trauten sich, diesen Brief am 18. November 1837 zu unterschreiben. Unter ihnen waren auch die Brüder Grimm. Aufgrund ihrer Beteiligung an dem Protest wurden die Brüder der Universität verwiesen und mussten ins Exil.

Aber 1841 wurden Jacob und Wilhelm durch Wilhelm IV. nach Berlin geholt, um als Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften tätig zu sein. Durch seine prominente Stellung war Jacob Grimm auch am Vorparlament 1848 beteiligt, doch da für den Parteilosen die Resultate des Parlaments sehr enttäuschend waren, legte er sein Mandat nieder.

 

Das Deutsche Wörterbuch

Jacob und Wilhelm arbeiteten seit 1838 an dem Deutschen Wörterbuch. Dies war ein Gemeinschaftsprojekt der Brüder mit dem Ziel, den neuhochdeutschen Sprachschatz von Luther bis Goethe zu erfassen. Sie konnten das Projekt nicht beenden, beide verstarben bei der Arbeit an dem Wörterbuch. Wilhelm verschied 1859 im Alter von 73 Jahren, Jacob überlebte seinen jüngeren Bruder um vier Jahre und verstarb im Alter von 78 Jahren. Ihre Sammlung des deutschen Sprachschatzes wurde noch über ein Jahrhundert fortgeführt.

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