Zum 200. Geburtstag von Fjodor Michailowitsch Dostojewskij

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij wurde am 11.11.1821 als Sohn eines Arztes in Moskau geboren. Bevor er seine schriftstellerische Laufbahn begann, zog es Dostojewskij in die damalige Hauptstadt St. Petersburg, wo er sich zum Militäringenieur ausbilden ließ. Nachdem er kurze Zeit im Dienste des Staates war, machte er sich selbstständig. »Ein Stück Brot werde ich schnell wiederfinden. Ich werde höllisch arbeiten. Nun bin ich frei«, schrieb er an seinen Bruder. Entgegen seiner Hoffnungen waren die nächsten Jahrzehnte voller privater, literarischer und finanzieller Erschwernisse. Aufgrund dieser Miseren verfiel der Schriftsteller der Spielsucht und floh zeitweise vor seinen Gläubigern in den Westen. 
Es war eine turbulente Zeit in Russland: 1825 kam es zu einer Bewegung der Adeligen und Offiziere gegen das autokratische Zarenregime und der damit eingehenden Polizeiwillkür und Zensur, dem sog. Dekabristen-Aufstand. Diese Revolte scheiterte allerdings, begünstigte die Bildung vieler revolutionärer und sozialkritischer Gruppierungen. Auch Dostojewskij gehörte einer solchen Gruppierung an, die jedoch 1849 ausgehoben wurde. Daraufhin kam es zu seiner Scheinhinrichtung, einer darauffolgenden Zwangsarbeit und der Verurteilung zum gemeinen Soldatendienst in Sibirien. 1859 durfte Dostojewski schließlich nach St. Petersburg zurückkehren. 

Dort war eine neue Zeit angebrochen: Zar Alexander II. schaffte die Leibeigenschaft ab und reformierte die Gesellschaft. Vermutlich aufgrund dieses Wandels in der Gesellschaft legte Dostojewskij seine radikalen Gedanken ab und distanzierte sich zunehmend von denjenigen, die eine Westorientierung in Russland forderten. Er hingegen sah sich eher als Vertreter der slawophilen Position, die das Zarentum und den christlich-orthodoxen Glauben förderten. 
In seinen Werken waren Widersprüche, Konflikte und Abgründe im Inneren der Menschheit ein zentrales Thema. Bereits in jungen Jahren faszinierte ihn die Vorrede von Friedrich Schillers »Die Räuber«, in der davon die Rede ist, die Seele »gleichsam bei ihren geheimsten Operationen zu ertappen«. Ihn bewegt die menschliche Seele in all ihren erhabenen Regungen und Abgründen, was er bereits in seinem ersten Roman »Arme Leute« gekonnt aufgreift. Das Thema menschliche Seele und damit einhergehend der Umgang mit der eigenen Schuld wird in seinen Werken weiterentwickelt und erreicht immer wieder neue psychologische Dimensionen und Facetten. 


Von Andreas Guski wurde Dostojewskij zum »Autor der Krise« gekürt, Dostojewskij bezeichnet sich selbst allerdings als »Realist in einem höheren Sinne, das heißt: ich zeige alle Tiefen der Menschenseele.«
Seine berühmtesten und wichtigsten Werke sind »Schuld und Sühne«, »Der Idiot«, »Die Dämonen« und »Die Brüder Karamasow«, in denen der Schriftsteller primär über die Frage nach Schuld, das Böse, Verbrechen und Religiosität schreibt. 

»So wie Dostojewskij die kulturellen Krisen Russlands und Europas im 19. Jahrhundert literarisch auf den Punkt gebracht hat, treffen seine Werke noch immer wunde Punkte unserer (post)modernen Welt: das Verhältnis von Wissen und Glauben, von Leib und Seele, von Individuum und Gesellschaft, von Gesellschaft und nationaler und transnationaler Identität, um nur einige zu nennen«, erklärt der Dostojewski Biograf Andreas Guski die aktuelle Relevanz des Schriftstellers.

Желаю всего самого лучшего wünschen wir Fjodor Michailowitsch Dostojewskij!

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