Zum 350. Geburtstag von Peter I., dem Großen

Peter I. war nicht nur der erste russische Kaiser, sondern gilt auch als der bedeutendste unter ihnen. Er ermöglichte es Russland, als führende Staatsmacht in Europa zu agieren. Seine Reformationen, Expansionen und der Ausbau der russischen Marine machten Russland zur Weltmacht. Dies alles gelang ihm wegen seiner Liebe zu technischen Neuerungen, zur Kultur und zur Seefahrt. Letzteres führte zu einer heldenhaften Rettungsaktion, in der der Kaiser zusammen mit seinen Soldaten die Matrosen eines kenternden Schiffes rettete und an deren Folgen er schließlich 1725 sein Leben verlor. 


Peter I. trug den Beinamen „der Große“ nicht nur wegen seiner außerordentlichen Bedeutung als Kaiser, sondern auch wegen seiner überragenden Körpergröße. Verschiedene Quellen berichten, der Kaiser sei über 2 Meter groß gewesen. 
 


Peter wird als Pjotr Alexejewitsch Romanow am 9. Juni 1672 im Moskauer Kreml geboren und ist das 14. Kind des zu der Zeit regierenden Zaren Alexei Michailowitsch des Sanftmütigen. Nach dessen Ableben erklimmt Peters Halbbruder Fjodor III. 1676 den Zarenthron.
Als es 1682 zu einem Aufstand der Strelizen kommt, werden viele Familienangehörige Peters grausam ermordet, darunter auch Fjodor. Die Strelizen bildeten eine Art „Staat im Staat“, die sich aus Söldnern und der russischen Palastgarde entwickelt haben und bald darauf ein ganzes Heer stellten. 


1682 kommt Peter gemeinsam mit seinem Halbbruder Iwan V. nach dem Ableben Fjodors auf den Zarenthron. Weil Peter zu dem Zeitpunkt noch minderjährig und sein Bruder geistesschwach war, übernimmt ihre Schwester Sofia die Regierungsgeschäfte. 


Um Peter vor weiteren Intrigen und Aufständen zu schützen, zieht Peters Mutter mit ihm in ein Dorf in der Nähe Moskaus. Dort wächst Peter weit entfernt von der höfischen Bildung auf und wird im Gegensatz dazu eher auf traditionelle, altrussische Art unterrichtet, lernt aber auch viel über das Militär und die maritime Kriegskunst. 
Wegen eines Mordkomplotts, den seine Schwester versuchte an Peter zu verüben, übernahm Peter nach dem Tod seiner Schwester 1689 die Regierungsgeschäfte. 
Zunächst war sein Interesse an den politischen Aufgaben eines Zaren nicht sehr ausgeprägt, aber er konnte hierbei auf die Unterstützung seiner Mutter setzen. Peter nutzte die neugewonnene Freiheit, um sich mit dem europäischen Westen vertraut zu machen. Dabei fiel ihm schnell auf, wie rückständig Russland war und nahm sich vor, dies zu ändern. Russland sollte eine westliche Macht werden. 


Zu diesem Zweck baute er die russische Marine aus. Dazu mussten Seezugänge geschaffen und Häfen errichtet werden. Damit setzte Peter erfolgreich den Grundstein für die russische Seemacht und ermöglichte es Russland am internationalen Seehandel zu partizipieren. 
1694 jedoch starb seine Mutter und Peter musste die Regierungsgeschäfte nun allein übernehmen. Um seine Macht auszubauen, beschloss er, Russland einen Zugang zum Schwarzen Meer zu ermöglichen. Mit seiner Armee zog Peter in Richtung Krim, um diese von den Osmanen zu erobern. Nach diesem militärischen Erfolg entstand die erste russische Marinebasis in Tagarod


Die darauffolgenden zwei Jahre war Peter der Große auf Reisen. Als Teil der Reisegruppe der „Großen Gesandtschaft“ war er quer durch Europa unterwegs. Peter, der bereits zuvor deutsch und niederländisch gelernt hat, genoss das Leben in den europäischen Großstädten und langanhaltende Freundschaften zu anderen Regierungsoberhäuptern entstanden. 


1698 kam es zu einem erneuten Aufstand der Strelizen. Peter zögerte nicht: Die Strezlien waren ein Machtrisiko – und er hatte die Morde an seinen Familienangehörigen nicht vergessen. Peter vernichtete die Strelizen. 
Nach ihrer Beseitigung war Peter nun in der Lage, langersehnte Reformen durchzubringen. Teil der sog. Petrinischen Reformen waren eine Förderung der Wirtschaft durch die Unterstützung von Gründungen privater Unternehmen und der Bau von Großbetrieben. Danach reformierte er das Schulsystem, verbot altrussische Kleidung und Bärte und förderte zuletzt die Zentralisierung und Bürokratisierung der Verwaltung. Diese Reformen sollen den Aufstieg Russlands zur Weltmacht sehr begünstigt haben. 


Im Zuge weiterer Expansionsbestrebungen gegen das osmanische Reich war Peter aufgrund einer Niederlage schließlich dazu gezwungen, die zuvor eroberte Festung Asow wieder aufzugeben und ebenso einen Teil der russischen Schwarzmeerflotte. Zuvor hatte er sich aber im Krieg gegen Schweden einen Zugang zur Ostsee sichern können. 


1716/17 reiste Peter erneut nach Europa, um die Einbindung Russlands in das europäische Staatensystem zu vollenden. Spätestens nach dem Frieden von Nystad, der 1721 den Großen Nordischen Krieg beendete, war Russland die führende Macht in Nordosteuropa.
Zu dieser neuen Machtposition gehörte auch ein neuer Titel, weshalb sich Peter in Anlehnung an die europäischen Führungsspitzen zum Kaiser ernannte. Er änderte zusätzlich die Thronfolgeregelungen. Nun sollte nicht mehr via Erbschaftsanspruch entschieden werden, wer an die Macht kam, sondern viel mehr ein Nachfolger vom Herrscher erwählt werden können. Hauptstadt seines neuen Russlands wurde seine Stadt Sankt Petersburg, die er mit Bauten und Gründungen ausstattete, beispielsweise mit der Russischen Akademie der Wissenschaften


1725 brach Peter auf eine seiner üblichen Schiffsreisen auf. Auf dem Weg zu einer Gewehrfabrik bei Lachte trafen sie auf ein gekentertes Schiff. Ohne Rücksicht auf eigene Verluste retteten Peter und seine Soldaten die Matrosen des anderen Schiffes. Peter, der durch vorangehende Krankheiten bereits geschwächt war, setzte das kalte Wasser sehr zu. Am 08. Februar 1725 starb der erste russische Kaiser schließlich an den Folgen der mutigen Rettungsaktion in Sankt Petersburg. 

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