Zum 53. Todestag von Theodor Adorno

 

»Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.«
Adorno

Am 11. September 1903 erblickte Theodor Adorno unter dem Namen Theodor Ludwig Wiesengrund in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Als einziges Kind eines jüdischen Weingroßhändlers und einer italienischen Sängerin genoss Adorno wegen der Bemühungen seiner Mutter eine katholische Erziehung. Gemeinsam mit ihr und seiner Tante, die ebenfalls Musikerin war, lernte er bereits früh den Wert von Musik kennen. Aber auch die Philosophie interessierte Adorno sehr: Jeden Samstagnachmittag las er gemeinsam mit seinem Freund Siegfried Kracauer Immanuel Kants »Kritik der reinen Vernunft«. Später soll dies das Werk gewesen sein, welches ihn am meisten beeinflusste. Es mag kaum verwundert haben, dass sich Adorno seinen beiden Leidenschaften, Musik und Philosophie, auch in der Universität widmen würde. 1921 begann der spätere Professor sein Studium an der Universität in Frankfurt a. M. in den Fächern Philosophie, Musikwissenschaften, Psychologie und Soziologie. Sein Zubrot verdiente sich Adorno als Musikkritiker. Bereits nach 4 Jahren beendete Adorno sein Studium erfolgreich mit einer Promotion über Edmund Husserl. Im zweiten Anlauf schaffte er auch seine Habilitation mit einer Arbeit über »Kierkegaard-Konstruktion der Ästhetik«.

Den damals immer lauter werdenden nationalsozialistischen Stimmen in der Gesellschaft stand Adorno zunächst naiv gegenüber. Er nahm sie nicht als Bedrohung wahr, trotz dass seine Freunde ihn dazu drängten, Deutschland zu verlassen. Ab 1934 verbrachte Adorno deshalb einige Jahre in Oxford. Dort war er als Student eingeschrieben, um seine akademische Laufbahn weiter voranzubringen. Als jedoch die Situation so kritisch wurde, dass sich sowohl er als auch seine Frau wegen ihrer jüdischen Herkunft massiv von den Entwicklungen in Deutschland bedroht fühlten, siedelten sie schließlich nach Amerika über. Dort hatte Max Horkheimer Adorno eine Stelle angeboten.
In Amerika führte Adorno sein gesellschaftliches und akademisches Leben rege weiter. Das Ehepaar beteiligte sich an Diskussionen, Vorträgen und Seminaren zur Ergründung des Charakters des Nationalsozialismus. Außerdem schrieb Adorno gemeinsam mit seinem Freund Leo Löwenthal an der »Zeitschrift für Soziologie« und beriet den Schriftsteller Thomas Mann als Musikphilosoph zu Manns Buch »Doktor Faustus«. Zwischendurch zog das Ehepaar mit Horkheimer nach Los Angeles. Dort leitete Adorno 1944 auch eine Forschungsgruppe zum Antisemitismus.

»Der Antisemitismus ist das "Gerücht über die Juden."«
Adorno

Zuletzt arbeitete er als Forschungsdirektor der »Hacker Psychatric Foundation«. Aufgrund von Auseinandersetzungen mit dem Aggressionsforscher Hacker beschloss Adorno 1953 schließlich, nach Deutschland zurückzukehren. Dort hatte er bereits in kurzen Aufenthalten an der Universität Frankfurt gelehrt und diese Lehrtätigkeit gemeinsam mit Horkheimer als Professor für Philosophie und Soziologie wieder aufgenommen. Neben der akademischen Tätigkeit genoss Adorno das Leben, erfreute sich an Kunst, Musik und Literatur und suchte den Austausch mit inspirierenden Zeitgenossen.

In diesen Jahren beschäftigte sich Adorno ausgiebig mit der Industriegesellschaft und dem Spätkapitalismus. 1966 erschien dann auch sein philosophisches Hauptwerk, die »Negative Dialektik«. Die nun weiter ausgearbeiteten »dialektischen Logik«, die er mit Horkheimer bereits in den 1930ern entwickelt hatte, untersucht die kritische Theorie. 

»Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und ihn auch nicht terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit, artikulieren will.« Adorno über die »Negative Dialektik«


Unter den Studierenden war Adorno wegen seinen kritischen Ansichten sehr beliebt. Einige seiner Studierenden waren aktive Mitglieder der Bewegung APO (außerparlamentarische Organisation) und versuchten auch Adorno dazu zu bewegen, sich dem teils gewalttätigen Aktionismus anzuschließen. Von dem distanzierte sich Adorno jedoch vehement, obgleich er einige der Ansichten dieser Bewegung teilte.

Adorno galt als einer der Väter dieser Studierendenbewegung. Die Energie der Studierenden ging so weit, dass seine Vorlesungen regelmäßig durch Furore gestört wurden und Adorno zuletzt teilweise wegen dieser Aggressivität die Lehrtätigkeit einstellen musste. Zusätzlich übten rechte Politiker immer mehr Druck auf den Professor aus, da sie ihn als maßgeblich beteiligt an der Opposition gegen die Notstandsgesetze sahen. 1969 beendete Adorno seine Lehrtätigkeit und reiste mit seiner Frau in die Schweizer Berge, wie sie es jedes Jahr zu tun pflegten. Dort erlitt Adorno am 06. August einen Herzinfarkt und verschied im Alter von 66 Jahren aus dem Leben.

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