Zum Geburtstag von Mahatma Gandhi

Am 02. Oktober 1869 wurde Mahatma Gandhi unter dem Namen Mohandas Karamchad Gandhi in Porbandar als Sohn eines Diwans geboren. Später bezwang der kleine, dürre Mann die britische Kolonialmacht – ohne dabei Gewalt anzuwenden. Er gilt als Vater der indischen Nation.

Gandhi wurde in einem indischen Gebiet geboren, das an sich autonom war, jedoch zur britischen Kolonialmacht gehörte. Großbritannien setzten sich als Nachfolger Portugals in Indien fest, da es einen wichtigen Handelspunkt darstellte.
Die hinduistischen Gandhis waren Teil der Bania-Kaste, die als dritte Stufe zur politisch aktiven Oberschicht gehörte. Die Familie gehörte dem Vishnuismus an. Dieser stellt eine eher monotheistische Form des Hinduismus dar und predigte ein gewaltloses Leben – auch Tieren gegenüber. Die Verbindung zwischen Materie und Geist war ein wichtiger Bestandteil dieses Glaubens. Die häusliche Prägung zeigt sich auch in Gandhis späterer Ideologie. Gandhi war immer der Meinung, dass das Verhalten des Individuums metaphysische Konsequenzen nach sich ziehe.

Bereits als Junge lernte Gandhi die Kunst des Streitschlichtens aufgrund der Tätigkeit seines Vaters als Richter am Fürstengericht. In dieser Zeit wurde Gandhi auch mit der gleichaltrigen Kasturba Mathaji verheiratet. Die Familien sahen in den damals Dreizehnjährigen eine gute Verbindung. Später verurteilte Gandhi diese Kinderhochzeiten.
Nach seinem Schulabschluss in Rajkot beschloss Gandhi zum Studium nach London zu gehen. Eigentlich wollte er Medizin studieren, doch seine Familie verhinderte dies. Die Praxis der Sektion sei nicht mit dem Hinduismus vereinbar. Aufgrund seines kurz zuvor verschiedenen Vaters beschloss Gandhi Jura zu studieren. Das Studium im Ausland hatte aber zur Folge, dass Gandhi aus seiner Kaste ausgeschlossen wurde. Ein Aufenthalt im Ausland wurde als unrein angesehen. Gandhi wurde zum „Kastenlosen“. In London konnte sich der junge Mann mit der Lebensweise des Westens beschäftigen. Er lernte jedoch auch viel über das Christentum und den Islam. Seiner Meinung nach waren die verschiedenen Glaubensrichtungen im wahren Glauben vereint und Jesus Christus faszinierte ihn als Gelehrter – wobei er nicht der Meinung war, dass es sich hierbei um den einzigen Sohn Gottes handelte. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums 1891 war Gandhi nun anerkannter Rechtsanwalt und damit in der Lage, überall da zu arbeiten, wo britisches Recht ausgeübt wurde. Zwei Jahre später versuchte er sich zunächst in Bombay und anschließend in Rajkot als Rechtsanwalt zu etablieren. Doch aufgrund seiner Schüchternheit blieb er erfolglos und war zudem nicht in der Lage seine Familie zu unterstützen.

1893 ging Gandhi nach Südafrika und konnte dort seinen ersten Rechtstreit lösen. Doch in Südafrika wurde er das erste Mal richtig mit Rassismus konfrontiert.

„Sie waren nur ein Symptom der tiefer liegenden Krankheit des Rassenvorurteils und ich musste, wenn möglich versuchen, diese Krankheit auszurotten…“

Diese Erfahrungen ließen Gandhi seine Schüchternheit überwinden. Seitdem setzte er sich für die Rechte der indischen Bevölkerung in Südafrika ein. Ab 1895 versammelte der Pazifist Menschen um sich, die mit ihm die indischen Interessen vertraten. Gandhis Forderung war klar: Der indischen Bevölkerung sollten Rechte zugesprochen werden, dazu rief er auf. Sein Protest bestand darin, Regeln nicht zu befolgen, die er als ungerecht empfand.

1894 wurde er der erste indische Anwalt in Natal. In dieser Position unterstützte er diejenigen, die ansonsten von weißen Anwälten kaum beachtet wurden. Gerade den Vertragsarbeiter, die sonst ohne juristische Gegenwehr ausgebeutet wurden, nahm er sich an. Zwei Jahre später reiste Gandhi zurück nach Indien, um seine Frau und seine Kinder nach Südafrika zu holen. Dort informierte er die Bevölkerung auch über die Zustände in Südafrika.

Als Gandhi mit seiner Familie wieder nach Südafrika kamen, wurden sie von weißen Angreifern beinahe umgebracht. Anstelle Anzeige zu erstatten, sah Gandhi von einer Entschädigung ab, weshalb sich die Lage wieder beruhigte. Im Zweiten Burenkrieg unterstützten die Inder die Briten als Zeichen ihrer Loyalität durch den Sanitätsdienst. Dennoch kam es nicht zur Verbesserung ihrer Situation unter britischer Herrschaft. Ab 1902 versuchte sich Gandhi, zurück in Indien, im Indischen Nationalkongress an der Verselbstständigung Indiens. Gandhi, der sich viel mit den unteren Bevölkerungsschichten beschäftigte, sah in der Arbeit des Kongresses jedoch keine Verbesserungsversuche für die indische Bevölkerung. Zurück in Johannesburg setzte sich Gandhi weiter für die Bedürftigen ein. Er pflegte die Pestkranken, arbeitete weiterhin als Rechtsanwalt und gründete darüber hinaus die Zeitung Indian Options.
Ab 1905 arbeitete er immer weiter an seinen Ethik- und Moralvorstellungen. Dazu gehörte die „Satyagraha“, ein Widerstand, der durch Passivität geprägt war. Die Bewegung setzte darauf das Gewissen des Gegners anzusprechen, anstelle mit Gewalt sein Ziel zu erreichen, die nur zu weiterer Gewalt führte. Dafür war Gandhi auch bereit, Schmerz und Leid auf sich zu nehmen. Zu diesem Leben, so Gandhi, gehörte auch ein reiner Körper, weshalb der Pazifist ab 1906 sexuelle Enthaltsamkeit ausübte.

Die aus der Idee der Satyagraha entstandene Bewegung war eng mit den Zulu-Aufständen verbunden und wurde später ein essentieller Teil der Unabhängigkeitsbewegung Indiens. Durch die organisierte Auflehnung des Meldegesetzes, welches 1907 in Südafrika fasste, kam Gandhi ins Gefängnis. Dort las er das erste Mal von den Strategien des zivilen Ungehorsams von David Thoreau. Um weiterer Eskalation entgegenzuwirken, schlug Gandhi schließlich den Briten ein Kompromiss vor, um die Meldegesetze wieder abzuschaffen, dem stattgegeben wurde. Leider wurde dies von den Briten nicht so eingehalten, wie Gandhi sich dies erhofft hatte. Insgesamt verbrachte Gandhi insgesamt 21 Jahre in Südafrika und konnte in dieser Zeit die Situation der indischen Bevölkerung erheblich verbessern.

1914 kam Gandhi nach Indien zurück, wo in der Zwischenzeit eine Bewegung gegen die Briten entstanden ist. Doch gerad in den oberen Schichten gab es einige, die sich sehr gut mit der Herrschaft Großbritanniens arrangiert hatten. Gandhi sah, dass die Briten auf diese Menschen angewiesen waren, um ihre Macht zu halten. Deshalb warb er 1922 im indischen Nationalkongress dafür, sich von den Besetzern loszumachen. Britannien sollte boykottiert werden. Leider führte diese Bewegung zu gewalttätigen Ausschreitungen, weshalb Gandhi den Protest beendete. Dennoch wurde er wegen Volksverhetzung angeklagt. Doch diese Bühne nutzte der Pazifist, um für seine Lehren zu werben. Zwar wurde Gandhi daraufhin inhaftiert, doch die Welt nahm ihn als Heiligen wahr. Sie verliehen ihm den Beinamen „Mahatma“, was „große Seele“ bedeutet. Ab 1928 konnte Gandhi die Bevölkerung hinter sich versammeln. Die muslimische Bevölkerung sah seine Ideen jedoch mit Skepsis. Sie bezweifelten, dass ein freies und gleiches Indien tatsächlich auch einen Platz für den Islam bedeute. Ausgelöst durch eine Kommission der Briten, die sich mit der Zukunft Indiens beschäftigte, konnte Gandhi 1930 seine erfolgreichste Gegenmission starten, die sogenannte „Salzkampagne“. Zusammen mit 78 Anhänger:innen marschierte der Pazifist 380 Kilometer bis zum Meer, um gegen das Gesetz zu protestieren, dass die indische Bevölkerung selbst kein Salz produzieren dürfe. Auf dem Weg dahin sprach er mit den Menschen und versuchte sie davon zu überzeugen, nicht für die Briten zu arbeiten. Außerdem regte er sie zur Salzproduktion an. Die Menschen verstießen gegen die Gesetze, um ein Zeichen für die Selbstachtung der Nation zu setzen. Gandhi wurde daraufhin zwar wieder inhaftiert, aber nun endlich von den Besetzern ernst genommen. 1931 konnte Gandhi nun in London vorsprechen. Die Verhandlungen zur Unabhängigkeit scheiterten jedoch, da Gandhi nicht bereit war der muslimischen Bevölkerung Rechte einzuräumen. Trotz, dass er sich eigentlich einen säkularen Staat wünschte, in dem der Hinduismus und der Islam friedlich nebeneinander existierten. Im politischen Kampf ging Gandhi ins Ganze – und nutzte Mittel wie den Hungerstreik, um die Gegner zu besiegen. Doch in späteren Jahren zog sich Gandhi immer mehr aus der Politik zurück in sein Ashram, um dort seinen Glauben zu lehren und gewaltlose Freiheitskämpfer auszubilden.

1947 schaffte Indien den Schritt in die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht geschafft. Aber Gandhi lehnte diese Unabhängigkeit ab, da sie mit der Teilung des Landes einherging. Die Teilung in Indien und Pakistan löste eine Vertreibungswelle aus, der viele Menschen zum Opfer fielen. Als sich Gandhi für die Rechte der Muslime stark machte, tötete ein hindu-nationalistischer Attentäter ihn am 30. Januar 1948, da er ihn für einen Verräter hielt.

Nach seiner Ermordung wurde Gandhi mehrere Male mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Heute gilt er zusammen mit Nelson Mandela und Martin Luther King als einer der herausragenden Vertreter im Freiheitskampf gegen Kolonialismus, Unterdrückung und sozialer Ungerechtigkeit.

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