Themenschwerpunkte

Woran wir glauben wollen – Eine Ermutigung von Kirchenhistoriker und wbg-Vorstand Hubert Wolf über Vertrauen in ungewissen Zeiten

Kredite für die coronageschüttelte Wirtschaft. Darüber wird gesprochen. Über die Bedeutung von Glauben für die coronageschüttelten Menschen dagegen kaum. Dabei steht der Begriff Glauben in der christlichen Tradition ursprünglich für etwas im Leben von uns Menschen ganz Wesentliches, für Vertrauen. Christen glauben nicht in erster Linie an irgendwelche Katechismussätze, sondern sie glauben an Gott, weil sie ihm vertrauen. Und weil sie Gott vertrauen, können sie auch ein grundsätzliches Vertrauen in die Wirklichkeit insgesamt aufbauen und nicht zuletzt an sich selber glauben, weil sie sich selbst etwas zutrauen. Diese Bedeutung von Credo – »ich glaube« – steckt in dem in der Finanzwelt gängigen Begriff »Kredit« durchaus noch drin: Man gewährt dir einen Kredit heißt wörtlich, man vertraut dir, credit, man glaubt dir, dass du das geliehene Geld zurückzahlst.
Wenn Menschen kein Ideal haben, das ihre individuelle Existenz übersteigt, dann ziehen sie sich in die Privatsphäre zurück, und häufig sind es dann materieller Erfolg und familiäres Glück, die dem Leben einen Sinn verleihen. Aber Misserfolge, Enttäuschungen und der soziale Druck, der bei jedem Einzelnen dazu führt, dass er seinen Wert am Maßstab der Erfolgskriterien misst, die vom Markt vorgegeben werden, führen zur Verbitterung. Denn mit dem zufrieden zu sein, was man hat, ist unmöglich, wenn man Geld und Erfolg in den Rang der höchsten Güter erhebt und wenn man in einer Welt lebt, die von den Werten der Leistung und des Wettbewerbs regiert wird.
Ein Bereich von großer Tragweite für Muslime wie für alle anderen Menschen auf der ganzen Welt ist die Einstellung der Mehrheitsgesellschaft zu Minderheiten. Der unverhandelbare Anspruch besteht darin, gut und gerecht behandelt zu werden, als Muslim sowie als Bürger, und dies ist die absolut richtige Forderung, denn jede Missachtung dieser Forderung ist eine Missachtung der Menschenrechte.
Prof. Madelaine Böhme ist Geowissenschaftlerin und Paläontologin und Professorin für Terrestrische Paläoklimatologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie ist Gründungsdirektorin des Senckenberg Center for Human Evolution and Paläoenvironment in Tübingen. Mit uns redet sie im Interview über die Entstehung des modernen Menschen, neue Funde und Evolution.
In der Vergangenheit haben Pandemien Gesellschaften – über den Verlust menschlichen Lebens hinaus – grundlegend verändert. Der Schwarze Tod dezimierte die europäische Bevölkerung so stark, dass die industrielle Produktion in bestimmten Sektoren komplett eingestellt wurde. Infolgedessen wurde Arbeit vielerorts wertvoller, und die Schere zwischen Arm und Reich wurde kleiner. Viele Landbesitzer verabschiedeten sich vom Ackerbau und wechselten zur weniger arbeitsintensiven Weidewirtschaft, was möglicherweise zum Boom der britischen Wollproduktion im 14. Jahrhundert beitrug. Die Geschichte ist eine komplexe Angelegenheit, aber der Schwarze Tod, der nur fünf Jahre lang wütete, war maßgeblich daran beteiligt, das moderne Europa und damit die heutige Weltordnung zu schaffen.
Dietrich Raue ist Kustos des Ägyptischen Museums, der Universität Leipzig und Co-Direktor der internationalen Ausgrabungen im Sonnentempel von Heliopolis. Im Interview berichtet er über die Tempelanlage, seine Ausgrabungen und den Mythos Heliopolis.
1870/71 führten die Nachbarländer Frankreich und Deutschland Krieg. Am Ende war das Deutsche Reich entstanden. Ein Gespräch mit dem Historiker und Publizisten Klaus-Jürgen Bremm über die Vermeidbarkeit oder Unvermeidlichkeit dieses Krieges, darüber, wer dieses Reich eigentlich wollte und welche Folgen diese Ereignisse für Europa hatten.