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1918/19 – Der Beginn der Revolution

Anhand eines zeitgenössischen Fotos beschreibt wbg-Lektor Daniel Zimmermann Stimmung und Ereignisse am schicksalhaften 9. November 1918.

Die Revolution begann an den Rändern des Reichs, am 9. November 1918 erreicht sie auch das Zentrum.

Die Ruhe endete nach der Frühstückspause. Am 9. November 1918 begann die Revolution auch in Berlin, sechs Tage nach Kiel, zwei Tage nach München und einen Tag nach Bremen. Unzählige Flugblätter kursierten, die zum Beispiel verkündeten: »Die Entscheidungsstunde ist da!« Wie auf Kommando leerten sich die Betriebe. Große Demonstrationszüge Richtung Zentrum steuerten verschiedene Kasernen an; Soldaten schlossen sich den Arbeitern an. Alles strebte in die Innenstadt, zum Stadtschloss, zu dem Boulevard Unter den Linden und dem Brandenburger Tor.

Schlagartig änderte sich dort die Stimmung in der Stadt. Der Kulturbürger und Offizier Harry Graf Kessler, eben noch dienstlich in Uniform unterwegs, eilte nach Hause, um sich umzuziehen, »weil Offizieren die Achselstücke und Kokarden abgerissen wurden«. In der Wilhelmstraße auf dem Weg zu einem dienstlichen Mittagessen fiel Kessler das erste »rotbeflaggte Auto« auf.

Immer größere Demonstrationszüge wogten durch die Straßen. Sie waren nun auf dem Weg zum Reichstag, wo sich um 14 Uhr eine gewaltige Menschenmenge versammelt hatte. Dort berieten führende Sozialdemokraten um Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann, wie es nach dem von zwei Mittagsblättern gemeldeten Thronverzicht Wilhelms II. weitergehen solle. Scheidemann erfuhr, dass der Sozialist Karl Liebknecht seine Anhänger zu einer Kundgebung vor dem Berliner Schloss aufgerufen hatte. »Nun sah ich die Situation klar vor Augen«, schilderte Scheidemann rückblickend: »Deutschland eine russische Provinz? Eine Sowjetfiliale? Nein! Tausendmal nein!« Also trat er, ohne Absprache mit Ebert, auf einen Balkon des Reichstagsgebäudes und deklamierte: »Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt! Die Hohenzollern haben abgedankt!«

Die Hintergründe über die Revolution 1918/19 und warum es richtig ist, sie zu loben, kann man nachlesen in: Lars-Broder Keil / Sven Felix Kellerhoff: ›Lob der Revolution. Die Geburt der deutschen Demokratie‹

 

Daniel Zimmermann lebt in Mainz und ist Geschichtslektor wbg.

 

 

 

 

 

 

War der Umsturz von 1918 misslungen, nur eine »steckengebliebene Revolution«, eine »Sturzgeburt«? Oder handelte es sich nicht doch um einen erstaunlich unblutigen, weitgehend erfolgreichen Umbruch hin zum ersten demokratischen Gemeinwesen auf deutschem Boden? ›Lob der Revolution‹ macht es sich zum Ziel, den schlechten Ruf der Revolution zu rehabilitieren, die schließlich zur ersten Republik, zur hochmodernen Weimarer Verfassung und zu den ersten allgemeinen, freien und geheimen Wahlen auf deutschem Boden führte.

 

 

 

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