Wissen verbindet uns - exklusive Vorteile für Mitglieder!

Brennende Leidenschaft – glühendes Begehren

N. brannte sein Leben lang vor Ehrgeiz. Der korsische Aufsteiger hielt als Kaiser der Franzosen Europa in Atem, stellte es grundlegend auf den Kopf. Rastlos krempelte er Verwaltung, Rechtsprechung, ja die territoriale Ordnung des Kontinents um. Bedürfnislos was Schlaf oder Essen anbelangt, war er doch ein besessener Leser. Wie sehr aber auch das Liebesverlangen in Napoleon brannte, dokumentiert ein nicht unerheblicher Teil seiner überbordenden Korrespondenz. Die folgenden Monate wollen wir den brennenden, den rastlosen Briefeschreiber, den Liebhaber Napoleon Bonaparte präsentieren.

 

Am 17. September 1796, direkt nach einem Gefecht vor Mantua, schrieb Napoleon an Josephine Beauharnais:

 

Verona, den 17, September 1796.

Ich schreibe Dir sehr oft, meine liebe Freundin;
Du aber schreibst wenig. Du bist böse, häßlich und sehr häßlich, ebensosehr, als Du leicht­ sinnig bist. Das ist treulos, einen armen Ehemann, einen zärtlichen Liebhaber zu betrügen. Soll er denn seine Rechte verlieren, weil er entfernt ist und von Arbeit, Anstrengung und Kummer nieder­ gedrückt wird? Was bleibt ihm auf der Erde ohne seine Josephine, ohne die Versicherung ihrer Liebe? Was sollte er da noch machen?
Wir haben gestern ein sehr blutiges Gefecht gehabt; der Feind hat viele Leute verloren und ist gänzlich geschlagen worden. Wir haben ihm die Vorstadt von Mantua genommen.
Leb wohl, angebetete Josephine; in einer dieser Nächte werden die Türen sich lärmend öffnen wie vor einem Eifersüchtigen und ich werde in Deinen Armen liegen. Tausend verliebte Küsse.

 

Es ist erstaunlich, dass Napoleon zu diesem Zeitpunkt die Muße fand, Josephine solch drängende Zeilen zu schreiben. Seit Juni 1796 tobte der Kampf um Mantua, die Stadt, die große strategische Bedeutung für den Zugang zu Tirol hatte.

Napoleon schlug den österreichischen Feldmarschall Graf Dagobert Sigmund von Wurmser bei Caliano und Bassano, der sich am 13. September mit seinen verbliebenen 12.000 Mann nach Mantua zurück. Dort versuchte er, sich außerhalb der Mauern zu halten, wurde aber im Gefecht bei St. Giorgio besiegt und musste sich in die Stadt selbst zurückziehen. Unmittelbar danach entstand dieser Brief des Liebhabers Napoleon.

 

 

Günter Müchler, geb. 1946, studierte Geschichte und Politikwissenschaft. Nach Stationen bei verschiedenen Zeitungen wechselte er 1987 zum Rundfunk und war bis 2011 Programmdirektor von Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. Bei der wbg erschien von ihm u.a. „Napoleons hundert Tage“ (2014) und „Napoleons Sohn. Biographie eines ungelebten Lebens“ (2017).

Anfang 2019 erscheint seine große Biographie „Napoleon. Der Revolutionär auf dem Kaiserthron“.

 

 

 

Aus dem Nichts kommend, stieg der Korse Napoleon Bonaparte, der Französisch erst lernen musste, vom Artillerie-Offizier zum Ersten Konsul auf, wurde der Revolutionär zum Kaiser der Franzosen.
Sprachgewaltig entwirft Günter Müchler die Lebensgeschichte eines Mannes, der in seinem Scheitern auf Sankt Helena selbst am klarsten die eigene Beschränkung erkannte: Der Gestalter und Machtmensch war ebenso Gefangener der Bedingungen, die ihm die Revolution diktiert, wie des europäischen Kampfs der alten mit der neuen Ordnung. »Die Wahrheit ist, dass ich niemals ganz Herr meiner Bewegungen war. Ich habe Pläne gehabt, hatte aber niemals die Freiheit, sie auszuführen. Immer war ich durch die Umstände bestimmt.« - Ein großartiges Portrait, das den Revolutionär auf dem Kaiserthron, das den kometenhaften Aufstieg wie den tiefen Absturz Napoleons in neuem Licht zeigt.

 

Als einziger legitimer Sohn Napoleons I. und Enkel des Habsburger Kaisers Franz I. sollte Napoleon II. (1811-1832) über Europa herrschen. Doch stattdessen starb der junge Napoléon François Joseph Charles Bonaparte einsam und seines französischen Namens beraubt als Gefangener Metternichs in Wien. Als Franz, Herzog von Reichstadt, wurde er dort in der Kapuzinergruft beigesetzt. Günter Müchler beschreibt das tragische Leben des unbekannten Kaisersohns, der nicht herrschen durfte, als Parabel auf den Beginn unserer Moderne. Zerrieben zwischen Revolution und Restauration war der ›aiglon‹, der kleine Adler, den die romantische Legende zum schönen, unglücklichen Prinzen verklärte, zum Scheitern verdammt. Mit dieser Biographie gelingt Müchler ein Panorama Europas am Beginn des 19. Jahrhunderts, das seine Gestalt noch nicht gefunden hatte.

 


 

Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Napoleons Landung bei Antibes am 1. März 1815 durch Frankreich. Der Mann, der immer alles auf eine Karte setzte, wollte es nach seiner Absetzung nochmals wissen. Die Massen strömten ihm zu, und siegreich zog er erneut in Paris ein. Balzac bemerkte dazu später schwärmerisch: »Hatte es vor ihm jemanden gegeben, der ein Reich nur dadurch eroberte, dass er seinen Hut zeigte?« Napoleons »Invasion eines Landes durch einen Mann« (Chateaubriand) ist in der Geschichte singulär. Günter Müchler erzählt die dramatische Geschichte der ›100 Tage‹, von der Vorgeschichte, der ersten Abdankung Napoleons in Fontainebleau 1814, bis zur endgültigen Verbannung auf Sankt Helena. Es ist für ganz Frankreich – und für den Rest Europas – ein kurzes Zeitfenster extremster Anspannung, eine Episode, die erst den Grundstein legte für den Napoleon-Kult. Denn mit den 100 Tagen endet endgültig das Ancien régime und eine neue Epoche bricht an.

 

 

Sie möchten keinen unserer Beiträge mehr verpassen? Unser Blog hat einen Newsletter. Hier können Sie ihn abonnieren.

Tags: Napoleon
Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

  • mal was neues

    Mal eine neue Seite von Napoleon, von der ich bisher noch nicht gelesen hatte. Allerdings stecke hinter dieser "Leidenschaft" bestimmt auch eine gewisse Berechnung...
    Dennoch ist es interessant und amüsant den Brief zu lesen.

Passende Artikel
Napoleons Sohn Müchler, Günter  Napoleons Sohn

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar

Napoleons hundert Tage Müchler, Günter  Napoleons hundert Tage

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar