Wissen verbindet uns - exklusive Vorteile für Mitglieder!

Die Türkeivisionen des Franz von Papen

Im Herbst 1917 träumte der Kavallerie-Offizier Franz von Papen in Konstantinopel von einer Europa-Ordnung ganz eigener Prägung: Er hatte die Vision eines mitteleuropäischen Staatenbundes unter deutscher Vorherrschaft und eines „pangermanischen Berlin-Bagdad“. Ab 1939 arbeitete er als Botschafter in Ankara an einer „pangermanischen Achse“. Beide vermessenen Träume sollten nie Realität werden. Konstantinopel, 1917 * Es war vor 100 Jahren, im Herbst 1917, als der Kavallerieoffizier Franz von Papen die Operationsabteilung der ‚Heeresgruppe Yildirim‘ (Blitz) übernahm. Diese war im Sommer im damaligen Konstantinopel gegründet worden, um zusammen mit türkischen Verbänden das im März von den Engländern besetzte Bagdad zurückzuerobern. Der Einsatz des Expeditionskorps scheiterte, und Papen wurde als Generalstabschef der 4. Türkischen Armee an die Palästinafront entsandt. Die Türkei war bereits Mitte November 1914 an der Seite der Mittelmächte in den 1. Weltkrieg eingetreten.

Langjährig durch deutsche Militärberater im osmanischen Reich vorbereitet, stand die deutsch-türkische ‚Waffenbrüderschaft‘ im Jahre 1917 gegen die Entente-Mächte England, Frankreich und Russland vor großen Herausforderungen. Die Entente war zudem Anfang April 1917 mit der Kriegserklärung der USA gegenüber den Mittelmächten deutlich gestärkt worden. Franz von Papen erkannte die Bedeutung des amerikanischen Eintritts in den Krieg. In seinen Memoiren erinnerte er sich daran, dass er „dem Kaiser klarzumachen suchte, auf alle Fälle den Krieg gegen die USA zu vermeiden.“ Wenig später schien er dennoch weiterhin auf einen deutschen Sieg zu setzen, verbunden mit einer perspektivischen Aufgabe für sich selbst.

 Kurz nach Ankunft in der Türkei im Juli 1917 erhielt Franz von Papen eine Postsendung aus Deutschland von Ernst Jäckh. Mit dem langjährigen Türkeikenner, Berater der Reichsregierung und Vertrauten der jungtürkischen Machthaber in Konstantinopel, stand er in losem Kontakt. Intensiv verfolgte Ernst Jäckh den opferreichen Kriegsverlauf. Er führte Gespräche mit Vertretern der Neutralen sowie der Entente und teilte deren Ergebnis im Juni 1916 dem Auswärtigen Amt in einem Memorandum mit. Jäckh stellte darin fest, dass seine Gespräche ihn davon überzeugt hätten, „dass der Krieg die Organisierung und Ordnung eines Völkerbunds bringen muss und wird.“ Jäckh fand in Berlin Rückhalt und gehörte nach Ende des Krieges Mitte Dezember 1918 zu den Gründern der „Deutschen Liga für Völkerbund‘. Das geschlagene Deutsche Reich sollte gleichwertiges Mitglied des Anfang 1920 auf den Grundlagen der 14 Punkte Wilsons gegründeten Völkerbunds werden.

Ernst Jäckh hatte seine Überlegungen zum künftigen friedlichen Zusammenleben der Völker Mitte Juni 1916 auch öffentlich vorgetragen und ein Jahr später diese Rede Franz von Papen in die Türkei übermittelt. Dieser zeigte ein dezidiertes Interesse an Jäckhs Mitteleuropakonzept: „Das heute schon vorhandene, wirkliche Mitteleuropa ist der Organismus von der Nordsee bis zum Mittelmeer, mit der bereits entschiedenen Bundesgenossenschaft der vier Staaten Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und Türkei und mit der gleichfalls sich entscheidenden Nachbarschaft von Griechenland und Rumänien. Dieses Mitteleuropa ist heute keine ´Utopie` mehr, sondern als politischer Vierbund bereits eine fertige Tatsache.“ Jäckh ergänzte zu den Kriegszielen der Türkei und Bulgariens: „Die Türkei will türkisch werden. Bulgarien will bulgarisch werden. Das heißt auch uns gegenüber: die Türkei will nicht ‚deutsch‘ werden; und Bulgarien will nicht ‚deutsch‘ werden!“

 

Franz von Papen konnte Jäckhs Vorstellung von einem mitteleuropäischen Staatenbund nur wenig abgewinnen und schrieb ihm noch im Sommer 1917: „Sie sprechen von einer türkischen Türkei, einem griechischen Griechenland und einem serbischen Serbien. Diese Nationen sollten aber im Gegenteil Vasallen Deutschlands sein. Als erfreulichste Aufgabe in meinem Leben würde ich es sehen, für dieses pangermanische Berlin-Bagdad zu wirken. Ich hoffe, eines Tages dazu in der Lage sein zu können.“ Seine Mahnung an den Kaiser zum Kriegseintritt der USA mit den damit verbundenen deutlich verminderten Erfolgsaussichten der Mittelmächte hatte Papen offenbar vergessen und betrachtete die Türkei weiterhin als deutschen Eckpfeiler der künftigen Vormachtstellung des Deutschen Reichs im Südosten Europas wie im Vorderen Orient.

Ankara, 1939* Es war der Reichskanzler Adolf Hitler, der seinen früheren Vizekanzler Franz von Papen 22 Jahre nach dessen Vision in die Lage setzte, ab Ende April 1939 für seine pangermanische Achse als Botschafter in Ankara wirken zu können. Papens Mitteleuropakonzept harmonierte durchaus mit der Großraum-Ideologie der Nationalsozialisten. Der Türkei fiel die Aufgabe zu, zusammen mit den Achsenmächten das britische Weltreich im Nahen Osten entscheidend zu schlagen und als Landbrücke den deutschen Zugriff auf die Erdölquellen des Irak sowie die strategisch wichtigen Hafenstädte am Persischen Golf zu ermöglichen. Auch sollte der türkische Vasall für das großdeutsche Reich eine Ordnungsfunktion im gesamten Nahen Osten übernehmen. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion war die Türkei schließlich dafür bestimmt, mithilfe der Turkvölker der Kaukasusregion sowie Zentralasiens den europäischen Wirtschaftsraum an seiner Südostflanke weiträumig abzusichern.

Im Falle der Türkei standen der Mitteleuropa-Visionär und die Großraum-Ideologen indessen vor größeren Problemen. So wurde Botschafter von Papen in Ankara bereits zwei Tage nach Beginn des 2. Weltkriegs mit der Neutralitätserklärung der Türkei konfrontiert. Seine Aufgabe war es nunmehr, die Türkei zur Aufgabe ihrer Neutralität zugunsten eines Anschlusses an die Achsenmächte zu bewegen. Deutlich erschwert wurde ihm das Vorhaben dadurch, dass die Türkei Mitte Oktober 1939 mit England und Frankreich ein Beistandsabkommen abgeschlossen hatte. Dennoch konnte Papen auf ein Umdenken in Ankara hoffen, zumal die Türkei das Abkommen sehr eng auslegte und weiterhin auf ihrer ‚aktiven Neutralität‘, einer Position zwischen ‚Nichtkriegsführung‘ und ‚Neutralität‘, bestand.

Franz von Papen rang letztlich in Ankara mehr als vier Jahre mit den Alliierten um seine ‚Vasallen Türkei‘. Dieser zeigte allerdings keine Neigung, sich einer der beiden Kriegsparteien anzuschließen. Erst nach den militärischen Niederlagen der Achsenmächte und auf hartnäckigen Druck der Alliierten brach die Türkei Anfang August 1944 die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Es bedurfte noch weiteren Drucks mit der Drohung einer Nichtmitgliedschaft in den in Gründung befindlichen Vereinten Nationen, bevor die Türkei schließlich Anfang März 1945 den Achsenmächten den Krieg erklärte.

Im ersten Halbjahr 1940, nach der Kapitulation der Niederlande und Belgiens im Mai und dem schnellen Triumph der deutschen Wehrmacht über Frankreich im Juni, sah Papen große Chancen, die Türkei unter dem „Eindruck militärischer Stärke der Achsenmächte“ von ihrer Neutralität abzubringen. Dem stand allerdings der anglophile türkische Außenminister Şükrü Saracoğlu entgegen. So hielt Papen es gegenüber Berlin für dringlich „Herrn Saracoğlu zu entfernen“. Doch selbst die Berliner Veröffentlichung eines im Frankreichfeldzug erbeuteten Dossiers über einen englisch-französischen Plan zur Bombardierung der Ölfelder von Baku, in welchem Saracoğlu als Mitwisser auftauchte, verhalf nicht zu dessen Rücktritt. Im Gegenteil: Saracoğlu gewann sogar an Einfluss, als er Mitte 1942 das Amt des Ministerpräsidenten übernahm.

Trotz seiner gescheiterten Bemühungen ließ Papen sich angesichts der Wehrmachtserfolge des Jahres 1940 nicht umstimmen. Das Deutsche Reich hatte die Hegemonie über weite Teile Europas errungen. In Berlin wurde über die Eingliederung Dänemarks, Norwegens, der Niederlande und Belgiens in ein „Großgermanisches Reich“ nachgedacht, ebenso wie über eine Neuordnung des Kontinents. So brachte Papen das Schlagwort ‚Neues Europa‘ gegenüber seinem türkischen Botschafterkollegen Hüsrev Gerede Ende 1940 in Berlin ins Gespräch und forderte ihn auf, die Türkei solle sich überlegen, an der „Bildung des neuen Europas mitzuwirken“. In Ankara überwog allerdings die Skepsis, dass im ‚Neuen Europa‘ kein Eigenleben der kleineren Staaten möglich sei. Den misstrauischen Minister Saracoğlu musste Papen nach Rückkehr aus Berlin auf Weisung Ribbentrops versichern, dass das Reich bereit sei, „Besitz und Souveränität der Türkei zu respektieren“.

Dennoch setzte Papen seine früh bekundeten Bemühungen um einen ‚Vasallen Türkei‘ auch im Frühjahr 1941 fort, nachdem maßgebliche türkische Militärs und Politiker mit dem Beitritt Bulgariens zum Dreimächtepakt am 1. März und der unmittelbar folgenden Besetzung des Landes durch die Wehrmacht deren Einfall auch in der Türkei befürchteten. Ein von Papen dem Staatspräsidenten İnönü überreichtes Entwarnungsschreiben Hitlers beruhigte die türkischen Politiker nur vorläufig. Sie hatten die Entwicklung Ungarns und Rumäniens nach deren Beitritt zum Dreimächtepakt im November 1940 zu Vasallenstaaten verfolgt. Auch ohne Besetzung ihres Landes befürchteten die Türken deshalb, im ‚Neuen Europa‘ mit einer in Berlin diskutierten Bündnisverwaltung rechnen zu müssen. Formell zwar selbständig, hätten sie aber den Richtlinien des ‚Führervolkes‘, also des Deutschen Reichs, zu folgen.

Angesichts der militärischen Erfolge und des Zugewinns von Balkanstaaten zur Achse erklärte der deutsche Botschafter dem türkischen Außenminister Mitte Mai 1941, dass es nun an der Zeit sei, „dass die Türkei eine endgültige Wendung ihrer Politik zum alten Bundesgenossen von ehemals“ vorbereite. Hilfreich hierfür sollte ein Freundschaftsvertrag in Form eines Nichtangriffs- und Konsultativpaktes über 10 Jahre sein, der am 19. Juni 1941 abgeschlossen wurde. Das Deutsche Reich unterzeichnete damit ein Übereinkommen mit dem formalen Verbündeten seines Hauptfeindes und gestattete sogar einen Vorbehalt zugunsten dieses Bündnisses.

Trotz des Freundschaftspakts erklärte sich die Türkei gut einen Monat später, als die Wehrmacht am 22. Juli 1941 in die Sowjetunion eingefallen war, als neutral und verweigerte dem Reich eine direkte Unterstützung. Indem sie England aber verwehrte, der Sowjetunion über türkisches Territorium und die Meerengen Hilfe zu leisten, unterstützte die Türkei indessen den Angriffskrieg der Deutschen indirekt. Die historisch beständige deutsch-osmanische Frontgemeinschaft gegen Russland lebte wieder auf. Von den maßgeblichen türkischen Politikern erfuhr Papen dann auch Sympathie für den ‚Kreuzzug gegen den Bolschewismus und das Slawentum‘. Er konnte wieder hoffen und erklärte den Türken, dass „das Problem der Vernichtung des Bolschewismus zum ersten Male eine europäische Einheitsfront geschaffen habe.“ Es bleibe der Türkei nicht erspart zu entscheiden, „ob sie angesichts des Krieges, den wir auch für ihre Interessen führen, weiterhin ein Alliierter der Feindseite bleiben könne.“

Kaum hatte der ‚Kreuzzug‘ begonnen, dachte Papen bereits an eine „Neuordnung des russischen Reichs“ und schlug Berlin vor, die „sowjetischen Kriegsgefangenen turanischer Abstammung und mohammedanischen Glaubens“ auszusondern. Sie könnten „im Verlaufe der nächsten Wochen mit Vorteil zur Zellenbildung über die Türkei in ihre alte Heimat zurückgeschickt“ werden. Papen berief sich auf Vorschläge des befreundeten Kommandanten der Türkischen Militärakademie, Ali Fuad Erden, einen ‚Waffenbruder’ von der Palästinafront. Hiernach sollte im Kaukasus in Absprache mit den Deutschen eine Föderation der dortigen Turkstämmigen entstehen, während im Osten des Kaspischen Meeres ein selbständiger turanischer Staat zu bilden sei. Die pan-turanische Bewegung mit ihrem Ziel, die unter dem ‚russischen Joch lebenden‘ verwandten türkischen Stämme Asiens zu befreien, hatte bereits im 1. Weltkrieg das Denken der Jungtürken um Enver Pascha bestimmt. Papen verwies Berlin auf die „mehr als 40 Millionen turkstämmigen Völker und Mohammedaner und die im Schatten der deutschen militärischen Erfolge automatisch wachsende panturanische Bewegung in der Türkei.“

In einem langen Dossier versuchte Papen Berlin davon zu überzeugen, dass Deutschland bei geschicktem Vorgehen mit Hilfe der großtürkischen Bewegung die Türkei endlich auf seine Seite ziehen könne. Zugleich könne das Reich bei einer politischen und kulturellen Konsolidierung der Südgrenze seines künftigen kontinentaleuropäischen Machtbereichs die eigenen, hauptsächlich wirtschaftlichen Interessen nutzen. Auf Papens Empfehlung wurde sein Freund Nuri Pascha, ein Halbbruder von Enver Pascha und Führer der ‚Armee des Islam‘ im 1. Weltkrieg, im Herbst 1941 hochrangig im Auswärtigen Amt zu Detailgesprächen empfangen, obwohl die Wehrmacht weder die Krim noch den Kaukasus mit ihren turkstämmigen Minderheiten besetzt hatte. Dennoch folgerte man in Berlin aus den Erkenntnissen, dass „eine panturanisch orientierte Türkei zwangsläufig eine pro-deutsch orientierte Türkei sein müsste.“

Die Politiker in Ankara warteten die deutsche Besetzung der Krim im Juli 1942 ab und gaben vor, sich weitergehende Überlegungen nach der deutschen Einnahme des Kaukasus vorbehalten zu wollen. Grundsätzlich folgten sie aber der Politik von Kemal Atatürk, der mit Republikgründung panturanische, imperialistische Tendenzen unterdrückt hatte. So erfuhr Papen von seinen offiziellen Gesprächspartnern, dass die Türkei lediglich Interesse an einem kulturell gesunden Bestand seiner politischen Minderheiten in der Sowjetunion habe. Zudem wurde ihm erklärt, dass Russland keine Veranlassung geboten werden solle, „die türkische Minderheit abzuschlachten“. Ein Jahr später beendeten die deutschen Niederlagen an der Ostfront und das Vorrücken der Roten Armee endgültig die deutsch-türkischen Gespräche und veranlassten die türkische Regierung, panturanische Zirkel und Vereinigungen unter Kontrolle zu bringen.

Mit der Wende des Krieges im Spätherbst 1942 ersetzten die Nationalsozialisten ihre Formeln eines „Neuen Europa“ und der „Neuordnung Russlands“ zunehmend durch das der „Festung Europa“. Man sah sich nunmehr nicht mehr als Herr Europas, sondern als Beschützer des Abendlandes vor dem Bolschewismus und den ‚russischen Horden aus Asien‘. Noch war aber die Stellung in El-Alamein nicht gefallen und der Kessel von Stalingrad nicht geschlossen, als Botschafter von Papen am 29. Oktober 1942 Staatspräsident İnönü zum türkischen Nationalfeiertag gratulierte. Nach wie vor glaubte er fest an ein ‚Neues Europa‘ und meinte, die Türkei mit der Zusage zu den gewünschten deutschen Waffenlieferungen schließlich doch noch an die Seite der Achse bringen zu können. So ergänzte er seine Glückwünsche für den Präsidenten um den Wunsch, „dass die Türkei, ihrer europäischen Verantwortung bewusst, eine Stellung im neuen Europa einnehmen möge, die ihrer Geschichte entspricht.“

Papens Wunsch war angesichts des Kriegseintritts der USA mehr als 10 Monate zuvor illusorisch. Anders als Kaiser Wilhelm II. vor dem 6. April 1917 konnte Papen den ‚Führer‘ Adolf Hitler vor dem 11. Dezember 1941 nicht davor warnen, in einen Krieg mit den USA einzutreten. Erst in seinen Memoiren beklagte er, dass „alles umsonst gewesen und sich alles heute wiederholen“ würde. Angesichts der sich stets verschlechternden Lage an der Front konnte Papen die Türkei dann auch im ‚Schicksalsjahr‘ 1943 realistischerweise nicht mehr für die Achse gewinnen. Sein ganzes Bemühen galt jetzt, die türkischen Entscheidungsträger mit allen Kräften in ihrer Politik der ‚aktiven‘ Neutralität zu stärken. Selbst für dieses mäßige Ziel seiner Türkeimission waren ihm unkonventionelle Mittel nicht zu schade als er im Mai 1943 Ribbentrop vorschlug, Staatspräsident İnönü einen „Mercedes 31.5.71, 7-türig wie Führer zu schenken“ und gleichzeitig dem Außenminister Menemencioğlu den Ehrendoktortitel der Universität Heidelberg zu verleihen. Den Bedenken seines Amtschefs beugte Papen sich nur widerwillig.

Im Februar 1944 konnte Botschafter von Papen nach ergebnislosen Verhandlungen Englands über Waffenlieferungen an die Türkei noch nach Berlin vermelden, dass „die erste Runde um den Kriegseintritt der Türkei von uns gewonnen“ sei. Alle weiteren Runden gingen aber, zuletzt angesichts von Blockadedrohungen der Alliierten, verloren. Die Türkei beugte sich dem geballten Druck und brach am 2. August 1944 die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Botschafter von Papen verließ das Land zwei Tage darauf und sorgte sich angesichts vieler auch öffentlichkeitswirksamer Friedensinitiativen um sein Schicksal. Am 15. August 1944 konnte er indessen aus der Hand Adolf Hitlers das ‚Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern‘ für seine Verdienste in der Türkei entgegennehmen. Auch Dank der früh ins Türkische übersetzten Memoiren Franz von Papens hielt sich ab dem Jahre 1952 auch bei vielen Türken hartnäckig der Eindruck, dass der deutsche Botschafter in Ankara dem Land die Neutralität gerettet habe. Vor dem Hintergrund des Misserfolges seiner eigentlichen Mission war in Papens Erinnerung die Vision eines ‚Vasallen Türkei‘ verblasst. Mitte Januar 1945 klang sie indessen noch in den verspäteten Neujahrswünschen des Botschafters im Wartestand von Papen für seinen Chef Joachim von Ribbentrop an: „Am Ende des schicksalsschweren Jahres steht der Sieg, der alle Pläne unserer hasserfüllten Feinde zunichtemachen wird. Möge aus den Opfern der Nation das neue Reich erwachsen als Garant einer gerechten europäischen Ordnung.“

 

 

Reiner Möckelmann war langjähriger Diplomat in Ankara, Belgrad, Istanbul, Moskau und Wien. Er ist Autor einer Monografie über die Exiljahre von Ernst Reuter in der Türkei. Zuletzt erschien von ihm eine hochgelobte Biographie zu Franz von Papen.

 

 

 

 

 

 

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Franz von Papen Möckelmann, Reiner  Franz von Papen

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar