Wissen verbindet uns - exklusive Vorteile für Mitglieder!

Mit dem Schwert oder festem Glauben? – Luther und die Hexen

Luther, Luther, Luther…
...und kein Ende. Der große Reformator begegnet uns die letzten Jahre auf Schritt und Tritt. Luther und die Deutschen, Luther und die Fürsten, Luther und die Bibel, Luther und die Frauen, Luther und die Juden, Luther und die Avantgarde … um nur einige Ausstellungen und Filmproduktionen zu nennen.

Und zu all diesen Themen gibt es auch heute noch viel zu berichten. Begründet liegt dies darin, dass uns zu kaum einer Person des 16. Jahrhunderts so viel überliefert ist wie zu Luther. Allein die Gesamtauflage seiner Schriften dürfte zu Lebzeiten die Schwelle von 300.000 überschritten haben; dazu kommen noch die Sekundärquellen sowie Schriften seiner Kontrahenten und Mitstreiter.

Die Hexen

Als eine der prominentesten Personen seiner Epoche äußerte sich Martin Luther auch zu brisanten gesellschaftlichen Themen, etwa zu den Hexen. Luthers Zeit war geprägt von einer wachsenden Hexenangst. Der Hexenglaube selbst war jedoch noch verhältnismäßig jung. Die Vorstellung von unheilbringenden, luftfahrenden Frauen, die mit dem Teufel im Bunde waren, entstand erst im 14. Jahrhundert im Alpenraum. Große pogromhafte Hexenverfolgungen begannen überdies erst nach Luthers Tod. Die über Kino oder Roman gelegentlich kolportierten Hexen des „finsteren Mittelalters“ – sind deshalb getrost dem Bereich der Kunstfreiheit zuzuordnen.

So schwer das für uns Menschen des 21. Jahrhunderts vorstellbar ist: die Angst vor den Hexen und ihren Untaten war in der Frühen Neuzeit real. Man glaubte, die Buhlinnen des Teufels würden danach trachten, die Göttliche Schöpfung zu vernichten. Selbst vor „Massenvernichtungswaffen“ wie Trinkwasservergiftung, Überschwemmungen oder Brandstiftung sollten sie nicht zurückschrecken. Sie galten als die „Terroristen“ des 16. und 17. Jahrhunderts. Soweit sie einmal nicht hässlich und böse waren, verführten sie die Menschen und ließen Sitte und Moral verfallen.

So stellte sich auch Luther die Frage: Wie sollte man den Hexen begegnen? Dem Hexenwerk keine Beachtung schenken? Auf Gott vertrauen und das Leid erdulden? Mit aller Schärfe der Justiz gegen Hexen vorgehen? 

Luther und die Hexen

Luthers Antwort auf diese Fragen fiel ganz unterschiedlich aus. Forderte er an einem Tag noch strikte Verfolgung und Bestrafung, rief er am nächsten Tag schon dazu auf, die Hexen und deren Taten im christlichen Sinne hinzunehmen. Wollte er einmal „der Erste sein, der Feuer an sie legt“, riet er beim anderen Mal zu Milde.

Wie lässt sich diese merkwürdige Ambivalenz erklären? Kein einfaches Hinterfangen, wenn man die Person nicht mehr befragen kann und die Quellen fast ein halbes Jahrtausend alt sind. Die gegenläufigen Äußerungen Luthers zu den Hexen dürften neben dem Zeitgeist vor allem in der Person Luthers zu suchen sein. 

Luther glaubte wie seine Eltern und viele Zeitgenossen an die Realität von Schadenszauber, Teufel und Hexen. Seine Krankheiten schrieb der Reformator dem Teufel und den Hexen zu. Ging es Luther schlecht, konnte es für ihn der Scheiterhaufen nicht genug geben. War er mit sich und der Welt im Reinen, konnte er gemäßigtere Töne anschlagen. 

Diesem sogenannten psychoanalytischen Ansatz folgt auch die Sonderausstellung „Mit dem Schwert oder festem Glauben – Luther und die Hexen“ im Mittelalterlichen Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber. Die Sonderschau beleuchtet an mehr als einhundert Exponaten die Genese des Hexenglaubens und der Teilvorstellungen der Hexerei. Weitere Schwerpunkte der Ausstellung liegen auf der Person Martin Luthers, der Lutherrezeption sowie den großen Hexenverfolgungen des 16. - 18. Jahrhunderts.

Aufgrund des großen Besucherinteresses von bereits über 180.000 Gästen aus 110 Ländern wird die zweisprachige Sonderausstellung im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber noch bis wenigstens Ende 2018 zu sehen sein. Das Museum ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet.

  

 

 

 

Dr. Markus Hirte, LL.M., geboren 1977, studierte Rechtswissenschaft mit Schwerpunkt Rechtsgeschichte, arbeitete als Rechtsanwalt bei CMS Hasche Sigle in Stuttgart, Berlin und London und ist seit 2013 Geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber. 

 

 

 

 

  

Hexenwahn und Hexenverfolgungen sind ein besonderes Phänomen an der Schwelle zur Neuzeit. Martin Luther, äußerte sich immer wieder zur grassierenden Hexenangst. Sollte man dem vermeintlichen Hexenunwesen keine Beachtung schenken oder aber es mit aller Härte der Justiz bekämpfen? In einer großen Sonderausstellung widmet sich das Mittelalterliche Kriminalmuseum dem Hexenglauben – von den frühen Anfängen im späten Mittelalter bis zum Ende der großen Hexenverfolgungen im 17. Jhr. 

 

 

 

 

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Martin Luther Leppin, Volker  Martin Luther

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar

Mit dem Schwert oder festem Glauben Hirte, Markus (Hrsg.)  Mit dem Schwert oder festem Glauben

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar

Die Reformation Leppin, Volker  Die Reformation

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar

Martin Luther Danz, Christian (Hrsg.)  Martin Luther

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar

Ketzer, Held und Prediger Nieden, Marcel (Hrsg.)  Ketzer, Held und Prediger

inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Sofort lieferbar