Wie Phönix aus der Asche? – Sparkassen und Sparen zwischen Vergangenheit und Zukunft

Im Juni dieses Jahres begeht die Berliner Sparkasse ihren 200. Geburtstag; an sich schon ein beachtliches Ereignis, das noch an Bedeutung gewinnt, wenn man bedenkt, dass es sich um eine der ganz großen deutschen Sparkassen handelt, die zudem als die erste kommunale Gründung in Preußen gilt, auf eine wechselvolle Geschichte zurückblickt und nicht zuletzt in der Bundeshauptstadt domiziliert.[1]

Neben dem berechtigten Feiern sollte ein Geburtstag auch immer die Vergangenheit wie die Zukunft kritisch ins Auge fassen. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um ein Jubiläum eines Unternehmens bzw. eines Geschäftsmodells handelt, das seines hohen Alters zum Trotz seine Zukunft noch nicht hinter sich hat, sondern erfolgreich am Markt ist. Davon abgesehen verkörpert die imponierende Vita ja bereits selbst ein Indiz für Wandlungsfähigkeit und Resilienz. Deshalb folgt der Beitrag auch nicht einem kleinteiligen anekdotisch-deskriptiven Schema. Er verknüpft die Fragestellung vielmehr mit den inhaltlichen Eckpunkten des Modells und seiner Philosophie in Form einer kleinen querdenkenden Analyse des Wechselspiels zwischen Vergangenheitserfahrungen und Zukunftserwartungen. So beginnt der Artikel in der weiteren Gegenwart, um nach einer Tour durch die Vergangenheit die ein oder andere Zukunftsperspektive anzudeuten. 

Im August 2012 titelte das Handelsblatt „Deutschland, deine Sparkassen Eine Liebeserklärung“. Und speziell unter Bezug auf die 2008 mit dem Fall der Investmentbank Lehman Brothers dräuende globale Finanzkrise, der schwersten, seit der Weltwirtschaftskrise 1929 ff.: „Die Krise hat die Sehnsucht nach einer heilen Bankenwelt noch verstärkt, in der alles mit rechten Dingen zugeht“.[2] Diese Sehnsucht fand ihr Ziel, zumindest in Deutschland, in den Sparkassen. Sie überstanden jene Krise – die Landesbanken als ihre regionalen Zentralinstitute blenden wir an dieser Stelle einmal aus – nicht nur unbeschadet, sondern profitierten beträchtlich davon.[3]

Ihr zuvor vielfach als altbacken belächeltes und überkommen geltendes, bodenständiges gemeinwohlorientiertes Geschäftsmodell erstrahlte in ungeahntem Glanz - wie kaum einmal zuvor in ihrer Geschichte. Aschenputtel, als Metapher des Wandels, fällt einem ein; von Bechstein in seine Märchensammlung aufgenommen, just als die Sparkassen in unruhigen Krisenzeiten Fuß zu fassen begannen. Wenn nun der Prinz die Kunden symbolisiert und der Schuh, das Geschäftsmodell, dann haben beide auch nach über 200 Jahren eine nicht enden wollende Zukunft vor sich.

Der Alltag aber kommt bisweilen sehr durchwachsen daher, im Prinzip als eine Folge von Krisen. Denn im September 2017, als dieser Beitrag gerade entsteht, zeichnen die Nullzinspolitik der EZB im Verein mit der globalen Digitalisierung erneut ein bedrohliches Szenario, und zwar völlig anderer Dimension: „Hunderte von jungen Technologiefirmen wollen die klassischen Banken angreifen und damit die Finanzbranche revolutionieren. Rund zwölf Milliarden Dollar haben Investoren weltweit allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in diese Fintechs gesteckt“ textete das Handelsblatt[4], während die historisch einmalige Nullzinsphase an den Grundfesten des Geschäftsmodells rüttelt, der größte anzunehmende Krisenfall, wenn man so möchte.

 

Deutet sich nun doch ein bitteres Ende des realen Märchens an?

Die Beispiele dokumentieren nur zwei aktuelle von zahlreichen kritischen Herausforderungen, die das Geschäftsmodell Sparkasse und die mit ihm verknüpfte Sparidee über die Zeit hinweg zwangsläufig zu meistern hatte.

Bevor wir uns dieser wechselhaften aber offensichtlichen Erfolgsgeschichte widmen, bedarf es einiger weniger Erläuterungen zur Begrifflichkeit von Krise. Krise bedeutet genau genommen neutral den Wendepunkt innerhalb eines Veränderungsprozesses. Der Sprachgebrauch versteht darunter aber meist den in der Krise kulminierenden Prozess, meistens im Kontext eines Tiefpunkts. Qualitativ lassen sich verschiedene Krisen typisieren: systemische, strukturelle, konjunkturelle; sie besitzen politische, gesellschaftliche, und/oder wirtschaftliche Prägung und treten in unterschiedlichen geographischen Reichweiten auf: von lokal bis global. Zudem treten sie in mannigfachen Kombinationen der gennannten Parameter auf, was sowohl das Erkennen als auch den Umgang mit ihnen verkompliziert.[5] Und alle denkbaren Typen konfrontierten die Sparkassen und das Sparen im Lauf der Geschichte, die sich durchaus als eine Folge von Krisen interpretieren ließe.

Das deutsche Sparkassenmodell steht hier im Zentrum nicht so sehr wegen des Jubiläums, sondern vor allem, weil es im Prinzip bis heute unverändert und wie angedeutet, beeindruckend erfolgreich am Markt agiert –  eine Jahrhundertinnovation, wenn man so möchte. Ihre prägnantesten, krisenrelevanten Merkmale seien nun diskutiert.

Sparkassen und Krise gehören in mehrerlei Weise zusammen: Sie sind ein Produkt krisenhafter Veränderungen und zugleich Instrument zur Prävention gesellschaftlicher und wirtschaftlicher nicht erwünschter krisenhafter Entwicklungen. Der Doppelcharakter spiegelt zwei Seiten einer Medaille. Als dritter Aspekt wurden sie selbst zum Objekt von Krisen.

Als Produkt waren sie disruptiv verändernd, wegweisend; denn ihr Angebot arrangierte scheinbar eherne finanzwirtschaftliche Verhaltensmuster neu und schuf damit allen beteiligten Akteuren kreative Spielräume. Als Instrument waren sie defensiv im Sinne von systemstabilisierend. Nicht von ungefähr initiierte und förderte das Establishment ihre Verbreitung. Im Jargon des Veränderungsmanagements formuliert: Das Produkt wurde instrumentalisiert zur systemkonformen Lösung drohender Destabilisierung, indem es symptomatisch optimierend wirkte.[6]

Revolutionäres Alleinstellungsmerkmal, und deshalb auch prominenter Namensbestandteil war ihr neues Angebot zum Thema Sparen: die verzinsliche Verwahrung relativ kleiner Geldbeträge, anfangs oft in Höhe eines Tagelohns, aber auch geringer.[7] Die Sparfähigkeit einmal vorausgesetzt, konnten ‚kleine Leute‘ bislang nur unter der Matratze oder im Strumpf sparen, ohne Zinsen zu bekommen. Das wiederum reduzierte den Sparanreiz. Individuelle Krisen, ob allgemeine Notlagen, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Heirat, ließen sich ohne Erspartes potenziell schwieriger abfedern. Ihre Gründer wiederum priesen die Sparkassen überzeichnend als Arkanum gegen Not und Elend. Immerhin ließen sie erstmals die breite Bevölkerung individuell partizipieren am wunderbaren Mechanismus des Zinseszinses und seinen vermögensbildenden Effekten. Volkswirtschaftlich gesehen erweiterten sie die Optionen, da sie das Sparstrumpfmünzgeld wieder resozialisierend in den Wirtschaftskreislauf integrierten, und damit unter Liquiditätsaspekten ein krisenbehaftetes Manko des an Edelmetall geknüpften Finanzsystems entschärften.

 

Ähnliches gilt für das Kreditgeschäft, auch wenn qualitativ nicht ganz so revolutionär. Erstmalig offerierten sie transparente und rechtlich bindende Kreditkonditionen. Nicht umsonst firmierten viele Institute von Beginn an als Spar- und Darlehenskassen. Gerade in Krisenphasen kam der Kreditfunktion der frühen Sparkassen zentrale Bedeutung zu, ob im privaten oder öffentlichen Sektor, z.B. zur Finanzierung von (krisenhaften) Zahlungsengpässen. Privatpersonen erleichterte dieses Angebot die kalkulierbare Vermögensbildung nicht nur in Form von Grundeigentum entscheidend. Überdies finanzierten Sparkassen von Beginn an Kleinere und Mittlere Unternehmen ebenso wie öffentliche Infrastrukturmaßen in den Bereichen Mobilität, Energieversorgung, Bildung und Kultus.[8]

In Bezug auf unser Thema bedeutete das sich ergänzende Spar- und Kreditangebot die Integration der Normalverbraucher in die formal institutionalisierte Kreditwirtschaft; ein Akt partizipativer Inklusion und Emanzipation in einem absolutistischen Strukturrahmen. Damit bildeten die Sparkassen auch einen wichtigen Mosaikstein auf dem, vom Ende des 18. Jahrhundert aus gesehen, noch langen Weg zu demokratischen Strukturen. Modern übersetzt: Sie verkörpern den auf stabile Entwicklung zielenden erweiterten Mikrofinanzansatz in klassischer Manier, indem sie die Komponenten gesellschaftlicher Inklusion, Sparen und Kredit institutionell zusammenführten.[9]

Ein weiteres zentrales Merkmal mit beachtlicher, ebenfalls aktueller Krisenrelevanz ist die strikte Gemeinwohlorientierung des Geschäftsmodells im Kontext des öffentlichen Auftrags. Sie steht in der Wahrnehmung, selbst intern, allzu oft hintenan in dem Bestreben sich an den Geschäftsbanken zu messen. Ihr Gegenteil: Gewinnmaximierung, bedeutet auch immer erhöhtes Risiko und damit erhöhte Krisenanfälligkeit. Die in der letzten Krise gescheiterte Geschäftspolitik der Landesbanken dient als mahnendes Beispiel.[10] Weitergedacht wirkte und wirkt die entsprechend konfektionierte Gewinnverwendung in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales sozioökonomisch stabilisierend als Instrument individueller Befähigung und der Transformation zur Wissensgesellschaft.

Die gilt nicht weniger für die lokal-regionale Verankerung. Auch sie fördert nach wie vor Stabilität und Wachstum. Das Konzept senkt nicht nur Transaktionskosten, es versorgt auch abseits der Zentren unternehmerische Potenziale mit der zur Umsetzung und Expansion nötigen Liquidität, sei es in Form privater oder öffentlicher Unternehmertätigkeit, wie oben unter dem Aktivgeschäft angedeutet. Unseres Erachtens liegt hier auch eine wesentliche Ursache für die rasche und relativ friktionsfreie deutsche Industrialisierung und die entsprechende Diffusion von Wohlstand an die Basis der Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Verbandsbildung überwand die bekannten Risiken isolierter Unternehmen, die beispielsweise in der Weltwirtschaftskrise 1929 ff. in den USA zum Massensterben von Banken und zum Vermögensverlust ihrer Kleinkunden führten. Sie schuf ein flexibles Liquiditätsnetz des Geldausgleichs samt effizienter Kontrollmechanismen und Fortbildung im Sinne von zertifiziertem Wissen. Dieses doppelmaschige Konstrukt erwies sich als höchst resilient und fing bislang sämtliche internen Krisenfälle ohne Vermögensverlust der Kundschaft auf.

Bliebe noch die ursprünglich obrigkeitlich-paternalistische Organisation als letztes relevantes Kriterium. Die Initialzündung ging bekanntlich vom politisch aktiven Bildungsbürgertum aus, verknüpft mit der Absicht, erlebte krisenhafte Wahrnehmungen zu beheben; dies, um in erster Linie sich selbst systemstabilisierend zu helfen und erst in zweiter Linie der Gesellschaft. In der Demokratie hoben sich solche Divergenzen auf. Positiv lassen sich die die frühen Sparkassen im Sinne von Richard Thaler, dem aktuellen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, durchaus als liberal-paternalistischer Anstoß interpretieren. Sie schufen ein Angebot, Individuen oder die Gesellschaft dazu zu bringen, Wünsche – hier nach mehr krisenminimierter Wohlfahrt – zu realisieren, die sie ohne diesen Anstoß unterlassen hätten. Die Sparkassen formten so gesehen die ökonomische Basis für die „mentalen Konten“ der Individuen(Thaler). Auf jeden Fall trugen sie praktisch dazu bei, die Wissenschaft von der Wirtschaft und ihren Idealtypus, den Homo oeconomicus, menschlicher zu machen.[11]

Die genannten Stabilisierungsfunktionen führten rasch zu einer Art Systemrelevanz dieser neuen Bankenvariante, egal in welcher politischen Ordnung. Als Produkt des Absolutismus überlebten die Sparkassen die eben jenes System vernichtende Französische Revolution ebenso wie die nach dem Wiener Kongress Platz greifende Restauration, das monarchistische Kaiserreich, die erste deutsche Demokratie, samt Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise, die menschenverachtende braune NS-Diktatur und das kommunistische DDR-Regime. Schließlich begleiteten sie nach der Wiedervereinigung, als der bislang umfassendsten deutschen Krise nach dem Zweiten Weltkrieg, nämlich den daraus erwachsenden gewaltigen sozio-ökonomischen Kraftakt stabilisierend mit.[12]

Parallel dazu halfen und helfen die Sparkassen, die mühevollen, weil höchst komplexen Übergänge von der Agrar-, über die Industrie- hin zur Dienstleistungsgesellschaft zu synchronisieren, den damit verbundenen demographischen Wandel, die Urbanisierung, sowie die Umstellung von handwerklichen zu maschinellen Produktionsmethoden, um nur die wichtigsten historischen wirtschaftsstrukturellen Herausforderungen anzusprechen.

Zuviel des Guten? Nun ja, es gab interne Krisen. Dass sich die Sparkassen zweckfern und regimekonform instrumentalisieren ließen, soll hier nicht verschwiegen werden. Autoritäre Regime, ob rechts oder links, kennen da kein Pardon, zumal wenn es um ihre ‚eigenen‘ öffentlich-rechtlichen Institutionen geht. Widerständiges institutionelles Verhalten ist selten belegt. So spielten sie als Sammelstellen der Kapitalabschöpfung in beiden Weltkriegen keine rühmliche Rolle, indem sie kleine Ersparnisse in großem Ausmaß zu vernichten halfen. Nicht zuletzt machten sie sich durch ihre Mitwirkung an Arisierungen schuldig.[13]

Nach jeder noch so gravierenden Bedrängnis aber erstanden sie bislang wie Phönix aus der Asche. „Sparwunder“ reihte sich quasi an „Sparwunder“. Die Inkarnation der deutschen Tugend? So oft geschehen Wunder nicht. Die erstaunlichen Erfolge müssen sich erklären lassen. Vielleicht weist der Ansatz der Systemimmanenz einen Weg, hier definiert als integrales wirtschaftskulturelles Element der Krisenbeständigkeit. Die Öffentlichkeit nahm und nimmt Sparkassen offensichtlich als Krisenbewältigungsinstitutionen und nicht als Krisenverursacher wahr, und sie haben diese Erwartungen auch bis heute weitgehend erfüllt.

Allgemeiner formuliert: Das dem Geschäftsmodell zugrundeliegende Konzept der ganzheitlichen, langfristig-nachhaltigen Erfolgsorientierung ist ein struktureller Stabilisierungsfaktor mit zeitlos-ungebrochener Relevanz; auch wenn dieser Konnex bei den Sparkassen selbst mit der Zeit aus dem Blick geriet. Der traditionelle Markenkern bedient auf seine Weise die dem Individuum gemeinhin innewohnende Suche nach Orientierung, Stabilität und Sicherheit. Die sich rasant digital globalisierende und anonymisierende Welt verstärkt diese Suche, wie die weltweiten aktuellen politischen sezessionistischen Bewegungen zweifelsfrei dokumentieren. Die Sparkassen selbst sehen sich derweil auf anderen Ebenen aufs Heftigste attackiert.

Damit schließt sich unsere Argumentationskette in doppelter Weise. Einerseits sind wir wieder bei der Digitalisierung und der Nullzinspolitik, welche das Sparen und die Sparkassen in eine existenzielle Krise zu stürzen drohen.[14] Andererseits kommt uns wieder ihr Markenkern in den Sinn, geprägt nicht von Gewinn-, sondern von integrativer Gemeinwohlorientierung und regionaler Verankerung. Er könnte den Weg aus der Doppelkrise weisen.

Es gilt deshalb, sich mutig proaktiv neu zu definieren mit dem Fokus auf der bislang geradezu sträflich vernachlässigten systematischen Schärfung des angestammten unverwechselbaren Profils als kollektiver Inkubator. Denn die oben zitierten Direktbanken und Fintechs markieren nur den Anfang des Umbruchs. Soctechs stehen in den Startlöchern, um auch die originären sparkassentypischen inhaltlichen Felder auf ihre Weise zu besetzen. Mit der Domain „weltsparen.de“ haben sie es bereits vorgemacht. Derweil fehlen auch nur annähernd vergleichbare historische Vorbilder für die Gestaltung des Switchs von der analogen zur digitalen Finanzierungs- und Gestaltungskultur.

Wenn die Sparkassenfinanzgruppe ihre Position halten bzw. ausbauen will, muss sie entschlossen handeln im besten Sinne ausgeprägter unternehmerischer Orientierung. Die Zeit drängt angesichts der disruptiven Entmaterialisierung und Globalisierung der Alltagskultur.[15]

Die explizite Gemeinwohlorientierung, ergänzt um die Hervorhebung des Zusammenhangs zwischen Sparen und Investieren, schafft eine solide Basis; oder konkret formuliert: Ersparnisse werden nachhaltig investiert, und die Gewinne kommen nicht steueroptimierten Konstrukten zugute, sondern fließen in die Gesellschaft zurück. Das funktioniert auch global-digital, wenn die Welt ein Dorf ist. Regionalität lässt sich so neu denken. In diesem Sinne ließe sich bspw. auch die Trägerschaft modellieren. Eine individuelle Teilprivatisierung könnte als neuer PPP-Ansatz bspw. die Identifikation der Kunden gerade in einer digitalen Welt entscheidend stärken; eine nachholende Besitzdemokratisierung, sozusagen, womit dann auch endlich das dem Sparkassengeschäftsmodell anhaftende Obrigkeitsstigma definitiv gefallen wäre. Eine wie auch immer geartete Kooperation mit genossenschaftlichen Modellen, die im Übrigen historische Wurzeln besitzt, sollte nicht per se tabu sein.

Derart modelliert, besitzt das Geschäftsmodell in der Tat geballtes Integrationspotenzial. Zu denken ist nicht nur an die einvernehmliche Gestaltung des demographischen Wandels und der Digitalgesellschaft in hochindustrialisierten Volkswirtschaften. Gleiches gilt für die effiziente Transformation sich industrialisierender Schwellenländer hinsichtlich gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Die zusammenwachsende Welt braucht Inklusion und Konvergenz mehr denn je. Es bedarf dazu auch und gerade lokaler Inkubatoren. Stabilität und Wohlfahrt bedingen sich wechselwirksam. Entsprechend kulturell adaptierte, regional basierte, global vernetzte nachhaltige Finanzgeschäftsmodelle sind für eine einvernehmliche krisenminimierte Prozessgestaltung unverzichtbar, hier und anderswo – überall.

Wenn sich die Sparkassen wieder ihrer Vorreiterpotenziale besinnen, besteht Anlass zur Zuversicht, dass aus den aktuellen krisenhaften Szenarien ein völlig neues ‚Aschenputtel-Phönix aus der Asche-Erlebnis‘ erstehen könnte – für die Sparidee und die globale Gemeinschaft.[16]

 

 

 

Paul Thomes ist Universitätsprofessor für historisch-empirische Wirtschafts-, Innovations- und Technologieforschung an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der RWTH Aachen University. Seine Interessen fokussieren sich auf Finanz-, Mobilitäts- und Versorgungsinfrastrukturen sowie die involvierten Akteure - und hier speziell auf Langfristanalysen gemeinwohlorientierter Geschäftsmodelle sowie deren Management. Weitere Informationen zur Person und zum Institut unter www.wisotech.rwth-aachen.de    

 

 

»Einteilen, haushalten, sparen – Hausfrauenbrauch bewahren!« Diese Sparkassenwerbung aus den 50er Jahren thematisiert, was die Deutschen auszumachen scheint: das Sparen. Es gilt als DIE deutsche Tugend. Egal ob unter der Matratze, im Sparstrumpf oder auf dem altbewährten Sparbuch, das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Geld ist und bleibt besonders. Trotz Börsenkrach, Inflation oder Währungsreform - die Sparweltmeister ließen und lassen sich nicht von ihrer Gewohnheit abbringen und sparen munter weiter.
Das Katalogbuch zur großen DHM-Ausstellung ›Sparen - Geschichte einer deutschen Tugend‹ zeigt das Verhältnis der Menschen zum Geld in den letzten zwei Jahrhunderten und beantwortet Fragen nach Mentalität, wirtschaftlicher Auswirkung, Sozialdisziplinierung oder auch nach Kriegsfinanzierung - der Geldumgang bestimmt privates Leben wie staatliches Handeln grundlegend. 20 Essays und rund 200 eindrucksvolle Abbildungen geben ein umfassendes Panorama der liebsten Beschäftigung der Deutschen.

 

 

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