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›Mein Leben als Dosenöffner‹ – Eine Katzengeschichte aus Mario Ludwigs neustem Buch

Hauskatzen – tödliche Gefahr für unsere Artenvielfalt? Diese emotionale Frage beschäftigt Katzen- und Vogelfreunde schon seit längerem. Der Biologe Mario Ludwig beantwortet diese und weitere Katzenbezogene Fragen mit einer Mischung aus wissenschaftlichen Fakten und humorvollen Anekdoten in seinem aktuellen Buch ›Mein Leben als Dosenöffner. Aus dem Alltag eines Katzenbesitzers‹. In diesem Blogartikel finden Sie das Kapitel zu Katzengefahr und Vogelschutz – viel Spaß!

 

 

Killer mit Kulleraugen

 

»Der wesentliche Unterschied zwischen einer Katze und einer Lüge besteht darin, dass eine Katze nur neun Leben hat.«
Mark Twain

 

PR-mäßig haben es unsere Miezen manchmal nicht gerade leicht. So tauchen auch in den überregionalen Medien in regelmäßigen Abständen immer wieder Artikel auf, bei denen die Samtpfoten alles andere als gut wegkommen. „Killer mit Kulleraugen“, „Ist die Katze das Ende der Artenvielfalt?“, „Rotten Katzen Singvögel aus?“ oder gar „Süße Miezekatze ist in Wahrheit ein mörderisches Monster“ lauten beispielsweise die meist ziemlich provokativen Headlines. Nahezu alle dieser Artikel beziehen sich auf eine Studie, die das renommierte „Smithsonian Institute“ in Washington 2011 erstellt hat.

Nach dieser Studie töten die rund 84 Millionen Hauskatzen, fast alles Freigänger, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu Hause sind, jedes Jahr unglaubliche 3,7 Milliarden Vögel. Bei uns in Deutschland gibt es keine verlässliche Studie über die Anzahl von Vögeln, die jährlich Katzen zum Opfer fallen.
Aber Schweizer Wissenschaftler haben, anhand von in der Schweiz ermittelten Daten, hochgerechnet, dass freilaufende Katzen in Mitteleuropa pro Jahr im Durchschnitt je etwa 25 Vögel töten. Das heißt, eine Katze tötet etwa alle 2 Wochen einen Vogel. In Deutschland gibt es etwa 13 Millionen Katzen, von denen etwa 75 Prozent Freigänger sind – will heißen, von denen eine potenzielle Gefahr für Vögel ausgeht. Übertragen wir jetzt die Daten der Schweizer Wissenschaftler auf Deutschland, würde das bedeuten, dass deutsche Katzen pro Jahr 225 Millionen Vögel töten. Nachdem diese Zahlen bekannt wurden, forderten Vogelschützer sofort vehement, allen Hauskatzen den Freigang komplett zu streichen: „Die vielen Katzen im Siedlungsbereich rotten sonst unsere Singvögel aus.“ Die Katzenlobby sieht das naturgemäß etwas anders: „Das ist doch alles Quatsch, unsere Miezen, sofern sie überhaupt Freigänger sind, erwischen doch, wenn überhaupt, nur die Vögel, die alt und krank sind.“

Erstaunlicher- und auch erfreulicherweise sieht der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Katzen-Vogel-Problematik wohltuend differenziert. Nach Ansicht der Naturschützer ist der normale Stubentiger keine große Gefahr für die heimische Vogelwelt. Schließlich füllen auch die wildesten Freigänger unter unseren Miezen ihren Magen bevorzugt am heimischen Futternapf. Vögeljagen findet bei normalen Hauskatzen, man traut es sich kaum zu sagen, „nur“ als eine Art spannende Freizeitgestaltung statt. Anders stellt sich die Situation bei den rund zwei Millionen verwilderten Hauskatzen, die es in Deutschland gibt, dar. Die können nicht auf Whiskas und Co. zurückgreifen, sondern müssen sich ihren Lebensunterhalt in der freien Natur verdienen. Daher decken sie ihren Kalorienbedarf ausschließlich über menschliche Abfälle und Kleintiere, wie Mäuse oder eben Vögel.
Die wichtigste Maßnahme, um die Vogelwelt zu entlasten, wäre deshalb sicherlich, möglichst viele dieser zwei Millionen wildlebenden Katzen zu fangen und zu sterilisieren, damit sie sich nicht noch weiter vermehren können, sondern ihre Zahl reduziert wird. Einige deutsche Städte sind durchaus schon aktiv geworden − zum Beispiel Düsseldorf, Braunschweig oder Wolfsburg. Dort besteht für Katzen Kastrationspflicht. Wer sich weigert, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen. Außerdem müssen Katzen hier einen Chip tragen, damit Fundtiere später ihren Besitzern zugeordnet werden können.
Bei uns sieht es − zumindest heute − in Sachen Vogelmord gar nicht schlecht aus. Über Spikeys nur äußerst mangelhafte Vogelfangfähigkeiten haben wir bereits gesprochen. Spikey hat in mittlerweile 17 Jahren noch nie einen Vogel nach Hause gebracht.

 

 

Anders Pünktchen: In ihrer Hochzeit als Freigängerin war Pünktchen tatsächlich so eine Art Vogel-Serien-Killer. Meist schleppte sie nachts eine halbtote Amsel ins Haus, um mit dem armen Tier noch ausgiebig zu „spielen“, bevor es zur Mahlzeit mutierte. Mit ausgiebig meine ich bis zu zwei Stunden. Bevorzugter Spielplatz bzw. das „Vogel-Guantanamo“ war dabei stets die Küche. Hier hatte Pünktchen offensichtlich die Sicherheit, Ruhe und Muße für ihre Folteraktionen, die fern des heimischen Herdes nicht gegeben waren. Versuche ihrer durch das erbärmliche Gepiepse der Folteropfer geweckten Dosenöffner helfend einzuschreiten, wurden von Pünktchen meist schon im Keim erstickt. Pünktchen flüchtete einfach samt Beute in einen anderen Raum.
Dieses Spiel konnte sie unendlich fortsetzen. Wir trösteten uns mit dem Gedanken, dass es der Amsel bald im Vogelhimmel deutlich bessergehen würde. Warum Pünktchen manche Vögel fast komplett verzehrt hat, andere dagegen nahezu achtlos liegen ließ, entzieht sich meiner Kenntnis. An der Vogelart konnte es nicht liegen.
Es gab offensichtlich Amseln, die Pünktchen ganz ausgezeichnet schmeckten, während andere Exemplare offensichtlich nicht Pünktchens Gusto entsprachen. Aber Pünktchens kulinarische Vorlieben waren uns ja schon immer ein Rätsel.
Im Alter von etwa neun Jahren war Pünktchens „Vogelfangphase“ abrupt zu Ende. Keine Kadaver mehr in der Küche, keine Federn mehr im Flur. Die Gründe für diese überaus erfreuliche Tatsache liegen im Dunkeln.
Mäuse hat Pünktchen dagegen weiterhin gebracht. Viele Mäuse.
Nahezu täglich hat sie einen der bedauernswerten Nager angeschleppt. Oft hat sie die bereits ein bisschen toten Mäuse einfach links liegen gelassen. „Sheba feiner Lachs“ schmeckt halt doch besser als eine stinknormale Maus.
Bei diesen „angeknackten“ Mäusen standen wir immer vor einem großen Dilemma: Wollten wir eine dieser übel zugerichteten Mäuse vor Pünktchen in Sicherheit bringen und sie wieder im Garten aussetzen, hatte das meist wenig Sinn. Häufig kamen die durch ihre Verletzungen doch arg gehandicapten Opfer innerhalb weniger Stunden retour – und zwar quer im Maul von Pünktchen.

Die unerfreuliche Alternative, bei den Mäusen „aktive Sterbehilfe“ zu leisten und dafür zu sorgen, dass die Nager möglichst schmerzfrei in den Mäusehimmel kommen, blieb an mir hängen. Tote und halbtote Mäuse und Vögel fielen immer in meinen Aufgabenbereich.
Wie diese Sterbehilfe aussah? Das wollen Sie mit Sicherheit nicht im Detail wissen! Katharina, die sonst bei uns für geordnete Verhältnisse sorgt, verweigerte hier jegliche Mitarbeit. „Ich kann so was nicht und außerdem sind es Deine Katzen“, sagte Katharina dann immer.

Vogelschutz im heimischen Garten

Wer über einen eigenen Garten verfügt, kann durchaus etwas zum Schutz der Singvögel vor Katzen tun. Um Katzen etwa von Vogelnestern oder Nistkästen in Bäumen fernzuhalten, kann man die entsprechenden Baumstämme mit breiten Abwehrmanschetten aus Blech oder Kunststoff versehen. Aber bitte keinen Stacheldraht verwenden, da könnten sich Katzen oder auch Eichhörnchen schwer verletzen.
Futterhäuschen und Vogeltränken sollten mindestens zwei Meter vom nächsten Gebüsch entfernt aufgestellt werden, dann können sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen.
Immer einen Versuch wert ist der Einsatz von sogenannten „Verpiss-dich-Pflanzen“. Diese zu den Lippenblütlern gehörenden Pflanzen verströmen Duftstoffe, die für den Menschen beinahe geruchlos, für Katzen aber äußerst unangenehm sind.

Das Umhängen eines Glöckchens ist keine gute Lösung: Erstens werden durch das Glöckchen nur die erwachsenen Vögel gewarnt, die ohnehin von den Katzen nur selten erwischt werden. Nestlinge und Jungvögel, die noch hilflos bzw. unerfahren sind, werden durch das Glöckchen dagegen nicht gerettet. Zweitens wird das Dauergebimmel eines Glöckchens von den empfindlichen Katzenohren als sehr unangenehm empfunden. Drittens besteht bei Katzen, die ein Glöckchen am Halsband tragen, immer die Gefahr, dass sie mit dem Halsband an einem Zaun hängenbleiben und sich bei den Befreiungsversuchen verletzen oder sogar strangulieren.
Ein ebenso unsinniger Rat ist es, die Katzen in der Brutzeit der Vögel, das heißt vor allem in den Monaten April, Mai und Juni, nicht aus dem Haus zu lassen. Gerade ein Kater, der regelmäßigen Freigang gewohnt ist und beispielsweise ein Revier zu verteidigen hat, wird im Fall einer Ausgangsverweigerung mit wütenden und hartnäckigen Protesten aller Art den häuslichen Frieden massiv stören.

 

 

Dr. Mario Ludwig lebt als Biologe und Naturbuchautor in Karlsruhe und hat bislang mehr als 20 Bücher veröffentlicht, die schon in fünf Sprachen übersetzt wurden. Mit seinem Buch „Genial gebaut“ landete er auf der Spiegel-Bestsellerliste. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Mario Ludwig durch seine zahlreichen Auftritte in Talkshows und anderen Fernsehsendungen. Darüber hinaus gestaltet er die Radiosendung »Das Tiergespräch« bei Deutschlandfunk Nova.

 

 

 

 

 

„Ich habe die ideale Katze gefunden! Sie sieht sehr gepflegt aus und hat gute Manieren. Außerdem passt sie farblich einfach super zu unserem Teppichboden!“ Mit dieser freudigen Botschaft beginnt für Mario Ludwig und seine Frau ein neues Leben – die Rollen sind schnell verteilt: Ludwig als leicht zu manipulierender Dosenöffner, seine Frau Katharina als die rechthaberische Besserwisserin, die ständig mit den Miezen im Clinch liegt. Zu der farblich angepassten, aber ansonsten ziemlich widerspenstigen (Von wegen gute Manieren!) dicken Pünktchen stößt bald Spikey dazu, der nicht besonders helle ist, aber dafür als George Clooney unter den Katern durchgehen kann. Ein ungleiches Paar, das ihr gut ausgebildetes menschliches Personal ganz schön auf Trab hält.
In 36 Kurzgeschichten erzählt Mario Ludwig aus seinem Alltag als Katzenbesitzer beziehungsweise Dosenöffner von Pünktchen und Spikey. Neuste und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzen, unterhaltsame Illustrationen untermalen die amüsanten Anekdoten.

 

 

 

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Tags: Biologie
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  • Schön für Katzenliebhaber

    Als Katzenliebhaberin gefallen mir die Geschichten in dem Buch wirklich gut. Oft habe ich meine eigenen Stubentiger wiedererkannt.

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