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Napoleon – Leidenschaft und Eifersucht

Während Napoleon in Mombello, nördlich von Mailand, 1796 für die Dauer des Italienfeldzugs seinen Hofstaat einrichtete und diverse Besucher empfing, schrieb er seiner Frau Joséphine weiterhin Liebesbriefe. Neben hochrangigen Beamten kommt auch seine Familie zu Besuch, die Familienangelegenheiten werden bei den aus Korsika stammenden Bonapartes von Napoleon selbst geregelt. Zwischen der Organisation der Heirat seiner Schwester Elisa mit einem ebenfalls aus Korsika stammenden Hauptmann und der Ernennung seines älteren Bruders Joseph zum Botschafter Roms verzehrt er sich doch immer nach seiner geliebten Joséphine.

 

 

»Binde dir Flügel an und komm«, schreibt er ihr am 24. April 1796. Seine Sehnsucht nach der Frau kreolischer Abstammung, die sich selbst gerne als Pariserin bezeichnet und ihrer Herkunft und ihres Auftretens wegen bei Napoleons Mutter Letizia wenig beliebt ist, wird auch von einer erotischen Komponente bestärkt. In einem vorherigen Brief vom 7. April 1796 verabschiedet er sich von seiner Frau mit den Worten »Ein Kuß ganz tief unten, viel tiefer als das Herz.« Der General kann also nicht nur romantisch sein, sondern auch frivole Andeutungen in seinem privaten Schriftverkehr zum Ausdruck bringen.

Doch auch die Geduld des verliebten Napoleon kennt Grenzen. Als Joséphine nach mehrmaligem Bitten und Betteln ihres Mannes keinen Gedanken daran verschwendet, ihn in seiner Villa in Mombello zu besuchen, beordert er sie kurzerhand zusammen mit ihrer Dienerschaft nach Italien.

Joséphine ist wenig begeistert den Pariser Tuilerienpalast verlassen zu müssen und so nimmt sie ihren Liebhaber, dessen Existenz Napoleon sich bewusst gewesen ist, sie dennoch nicht wahrhaben wollte, mit. Anstatt ihren Mann zu besuchen vergnügt sie sich mit einem jungen Hauptmann namens Hyppolyte Charles bei Genua.

 

 

»Wer mag der wunderbare und neue Liebhaber sein, der Sie so vollkommen in Anspruch nimmt, Ihre Tage tyrannisiert und Sie hindert, sich mit Ihrem Ehemann zu beschäftigen? Joséphine, nehmen Sie sich in Acht, eines nachts werden die Türen eingeschlagen sein und ich bin in Ihrem Bett. Sie wissen schon, der kleine Dolch Othellos!«

 

Die Drohung vom 22. Juli 1796 verfehlt nicht die gewünschte Wirkung, auch wenn Joséphine ihren Mann nicht in Mombello trifft, sondern kurze Zeit später im von ihm gerade eroberten Mailand. Napoleon ist beglückt ob der Anwesenheit seiner geliebten Ehefrau und scheint vergessen zu haben, dass sie ihn monatelang hingehalten und seine Briefe, wenn überhaupt, nur gelegentlich beantwortet hatte.

 

 

Günter Müchler, geb. 1946, studierte Geschichte und Politikwissenschaft. Nach Stationen bei verschiedenen Zeitungen wechselte er 1987 zum Rundfunk und war bis 2011 Programmdirektor von Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. Bei der wbg erschien von ihm u.a. „Napoleons hundert Tage“ (2014) und „Napoleons Sohn. Biographie eines ungelebten Lebens“ (2017).

Anfang 2019 erscheint seine große Biographie „Napoleon. Der Revolutionär auf dem Kaiserthron“.

 

 

 

 

Aus dem Nichts kommend, stieg der Korse Napoleon Bonaparte, der Französisch erst lernen musste, vom Artillerie-Offizier zum Ersten Konsul auf, wurde der Revolutionär zum Kaiser der Franzosen.
Sprachgewaltig entwirft Günter Müchler die Lebensgeschichte eines Mannes, der in seinem Scheitern auf Sankt Helena selbst am klarsten die eigene Beschränkung erkannte: Der Gestalter und Machtmensch war ebenso Gefangener der Bedingungen, die ihm die Revolution diktiert, wie des europäischen Kampfs der alten mit der neuen Ordnung. »Die Wahrheit ist, dass ich niemals ganz Herr meiner Bewegungen war. Ich habe Pläne gehabt, hatte aber niemals die Freiheit, sie auszuführen. Immer war ich durch die Umstände bestimmt.« - Ein großartiges Portrait, das den Revolutionär auf dem Kaiserthron, das den kometenhaften Aufstieg wie den tiefen Absturz Napoleons in neuem Licht zeigt.

 

 

Als einziger legitimer Sohn Napoleons I. und Enkel des Habsburger Kaisers Franz I. sollte Napoleon II. (1811-1832) über Europa herrschen. Doch stattdessen starb der junge Napoléon François Joseph Charles Bonaparte einsam und seines französischen Namens beraubt als Gefangener Metternichs in Wien. Als Franz, Herzog von Reichstadt, wurde er dort in der Kapuzinergruft beigesetzt. Günter Müchler beschreibt das tragische Leben des unbekannten Kaisersohns, der nicht herrschen durfte, als Parabel auf den Beginn unserer Moderne. Zerrieben zwischen Revolution und Restauration war der ›aiglon‹, der kleine Adler, den die romantische Legende zum schönen, unglücklichen Prinzen verklärte, zum Scheitern verdammt. Mit dieser Biographie gelingt Müchler ein Panorama Europas am Beginn des 19. Jahrhunderts, das seine Gestalt noch nicht gefunden hatte.

 

 

Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Napoleons Landung bei Antibes am 1. März 1815 durch Frankreich. Der Mann, der immer alles auf eine Karte setzte, wollte es nach seiner Absetzung nochmals wissen. Die Massen strömten ihm zu, und siegreich zog er erneut in Paris ein. Balzac bemerkte dazu später schwärmerisch: »Hatte es vor ihm jemanden gegeben, der ein Reich nur dadurch eroberte, dass er seinen Hut zeigte?« Napoleons »Invasion eines Landes durch einen Mann« (Chateaubriand) ist in der Geschichte singulär. Günter Müchler erzählt die dramatische Geschichte der ›100 Tage‹, von der Vorgeschichte, der ersten Abdankung Napoleons in Fontainebleau 1814, bis zur endgültigen Verbannung auf Sankt Helena. Es ist für ganz Frankreich – und für den Rest Europas – ein kurzes Zeitfenster extremster Anspannung, eine Episode, die erst den Grundstein legte für den Napoleon-Kult. Denn mit den 100 Tagen endet endgültig das Ancien régime und eine neue Epoche bricht an.

 

 

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Tags: Napoleon
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  • 3 Sterne!

    Wirklich überraschend finde ich es nicht, dass Napoleon eifersüchtig war.
    Dieser Briefwechsel zwischen ihm und Josephine ist zwar ganz nett aber mehr auch nicht...