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November 1918 – Die Revolution der Räte

Welche Funktion können und sollen Räte im neuen Deutschland haben?
Das war im November und Anfang Dezember 1918 eine der drängenden Fragen. Von der Reichsregierung über Städte, Dörfer hatten sich Räte auch in zahllosen Betrieben und sogar auf einzelnen Schiffen der Kriegs- wie der Handelsflotte gebildet, in denen mitunter erfahrene Politiker und Beamte mit vollkommenen Neulinge zusammenarbeiten.

Ihre Vielfalt nahm ständig zu; der Heidelberger Mediävist Karl Hampe spottete: »Man überbietet sich allenthalben in Gründungen von allen möglichen Räten: Bauernräte, Bürgerräte, geistige Räte, Kunsträte, Theaterräte.« Die Motive für ihre Entstehung waren vielschichtig: Viele wollten mit der Zeit gehen, das Neue nicht verpassen, ihren eigenen Status retten, aber auch spezielle Berufsinteressen voranbringen.

Doch weil die meisten Räte unter dem Druck der Ereignisse spontan entstanden waren, fehlte es an Konstanz und Kompetenz. Manche Räte übernahmen selbst die Funktion von Verwaltungen, andere kooperieren eng mit der Beamtenschaft. Die Mehrheit aber sah ihre Aufgabe lediglich in der Kontrolle der bestehenden Behörden. Manche Räte trafen sich täglich, andere nur selten; die einen bildeten feste Strukturen, andere wechselten ständig ihre Mitglieder. Bei der Wahl der Räte spielte nicht selten persönliche Sympathie eine größere Rolle als die politische Einstellung oder die Fähigkeiten der Kandidaten.

Im Alltag zeigten sich rasch die Grenzen des Rätesystems: Lautstark auftretende Agitatoren erwiesen sich oft als unfähig, ehrlich Bemühte als fachlich ungeeignet. Beschwerden über das Agieren der Räte aus den Verwaltungen und Betrieben häuften sich, denn die Aufgaben des Staates wie der Wirtschaft mussten weiterhin erledigt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Daniel Zimmermann lebt in Mainz und ist Programmmanager im wbg-Lektorat Geschichte. Dort ist er zuständig für die Programme wbg Theiss, wbg Edition, wbg Academic und wbg Zabern.

 

 

 

 

 

Die Hintergründe über die Revolution 1918/19 und die Grenzen des Rätesystems kann man nachlesen in: Lars-Broder Keil / Sven Felix Kellerhoff Lob der Revolution‹:

War der Umsturz von 1918 misslungen, nur eine »steckengebliebene Revolution«, eine »Sturzgeburt«? Oder handelte es sich nicht doch um einen erstaunlich unblutigen, weitgehend erfolgreichen Umbruch hin zum ersten demokratischen Gemeinwesen auf deutschem Boden? ›Lob der Revolution‹ macht es sich zum Ziel, den schlechten Ruf der Revolution zu rehabilitieren, die schließlich zur ersten Republik, zur hochmodernen Weimarer Verfassung und zu den ersten allgemeinen, freien und geheimen Wahlen auf deutschem Boden führte.

 

 

 

 

 

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