Welt am Abgrund

Still und leise ist die 23. UN-Klimakonferenz in Bonn zu Ende gegangen. Sie dauerte vom 6. bis zum 17. November 2017 und widmete sich dem einen Thema, das wie kein anderes die gesamte Menschheit betrifft: Der ungebremste Ausstoß an Treibhausgasen und deren Einfluss auf das irdische Klimasystem. Was ist bei der Konferenz herausgekommen?

Immerhin stellte kein Land (außer den USA) das Pariser Klimaabkommen infrage; was als Einsicht zum Handeln aufgefasst werden darf. An der Klimakonferenz in Paris von 2015 wurde das Zwei-Grad-Ziel beschlossen: Die menschengemachte globale Erwärmung sollte auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt werden. Nur so wären die Folgen der globalen Erwärmung und den dadurch verursachten Klimawandel einigermaßen erträglich. Bisher beträgt die globale Erwärmung durch die Aktivitäten des Menschen etwas weniger als ein Grad.

Was in Bonn alles diskutiert, verhandelt, in Erwägung gezogen, befürwortet, abgestritten oder als unrealistisch betrachtet wurde, wissen nur die Teilnehmer. Konsens herrscht aber darin, dass der Ausstoß an Treibhausgasen, allen voran das Kohlendioxid, dramatisch vermindert werden muss. Eigentlich – und dies sagen die Wissenschaftler – müssten die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf null heruntergefahren werden, und zwar weltweit. Mit anderen Worten, die vollkommene Verabschiedung von Kohle, Erdöl und Erdgas. So heißt es auch in einer Stellungnahme des Deutschen Klimakonsortiums DKK vom 9. November: „Ein zügiger Beginn des Kohleausstiegs ist erforderlich“.

Eine weitreichende und sicher sinnvolle Strategie, aber genügt dies? Und können den Kohleausstieg alleine die Politiker bewerkstelligen, wie auf den vielen Demonstrationen gefordert wird? Sicherlich nicht. Um eine langfristige und wirkungsvolle Verminderung der Treibhausgas-Emissionen zu erreichen, braucht es etwas Weiteres, das in der öffentlichen Diskussion viel zu kurz kommt: Das persönliche Engagement der Verbraucher. Unsere Gesellschaft braucht eine Mitmach-Kultur. Weniger Energie verbrauchen, muss die Forderung lauten. Schließlich liegt es an der erzeugten Menge an Strom, wie viel Kohle zu dessen Erzeugung verbrannt werden musste. Wenn weniger verbraucht wird, muss auch weniger erzeugt werden. Ich bin sicher, mit einer Ausschöpfung des Spar-Potenzials in Industrien und Haushalten wäre noch viel zu erreichen.

Neben dem Kohleausstieg bedarf es sinnigerweise auch dem Erdölausstieg, wenn eine Totalvermeidung von Emissionen erreicht werden soll. Wie ein solcher aussehen sollte, ist nur schwer vorstellbar. Es ist schon verrückt: Nach nur zweihundert Jahren Nutzung fossiler Energieträger in Industrie und Haushalten denkt die Menschheit ernsthaft über deren Abschaffung nach.

Die Klimakonferenz ist vorbei und Weihnachten steht vor der Tür. Doch der Gehalt an Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt munter weiter, still und leise. Und ganz langsam wird der Klimawandel immer bedrohlicher, die Wetterextreme immer häufiger und die Folgen immer stärker spürbar. Es ist Zeit zu handeln, und dazu kann jeder einzelne von uns seinen persönlichen Beitrag leisten.

 

 

Ewald Weber promovierte an der Universität Basel in Pflanzenökologie. Anschließend setzte er seine Forschung über gebietsfremde Pflanzenarten in Kalifornien fort. Nach der Rückkehr unterrichtete er an der Universität Zürich und an der Eidgenössischen Tehnischen Hochschule (ETH) Zürich. Seit 2008 lebt er in Potsdam und arbeitet an der Universität Potsdam über die Problematik von Neophyten.
Weber ist sowohl Wissenschaftler als auch Sachbuchautor. In seinen Büchern versucht er die großen Zusammenhänge in der Natur zu vermitteln; dies auf lebendige und unterhaltsame Art. Er hält regelmäßig öffentliche Vorträge und führt Exkursionen für einen großen Kreis von interessierten Laien durch.

 

 

 

 

Ewald Webers' neues Buch »Welt am Abgrund«: Kaum etwas wird so kontrovers diskutiert wie der Klimawandel. Doch wenn es um die Ursachen der Erderwärmung geht und um die Frage, ob der CO2-Anstieg in der Atmosphäre menschengemacht ist, dann wird die Diskussion von Emotionen bestimmt und ist von politischen Absichten und Polemik geprägt. Denn obwohl CO2 die Debatte beherrscht, weiß doch niemand so genau, was das eigentlich ist.Fundiert und verständlich zeigt Ewald Weber, was es mit dem unsichtbaren Molekül tatsächlich auf sich hat und macht klar, dass wir auf einen Abgrund zusteuern, wenn es nicht gelingt, den CO2-Ausstoß zu verringern. Er benennt klar die Auswirkungen auf uns und unsere Umwelt, zeigt aber auch, wo mögliche Lösungen liegen und wir der globalen Erwärmung entgegenwirken können.

 

 

Tags: Politik, Neuzeit
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  • In der Erdgeschichte waren Temperatur und CO2-Gehalt der Atmosphäre meist höher als heute

    Im Ausstellungskatalog "Klimagewalten; Treibende Kraft der Evolution" von Harald Meller und Thomas Puttkammer (Hrsg.) wird sehr ausführlich sowie sachlich und realistisch über Klimageschichte, Klimafaktoren und mögliche Entwicklungen in der Zukunft berichtet. Dort wird auch klargestellt dass die geringe Erwärmung, die wir gerade erleben, keine Katastrophe ist

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