„Schwarze Jahreszeiten“ revisited

„Ich erinnere mich daran, wie ich es zum ersten Mal hörte. Gleich zu Beginn des Kriegs, direkt nach der Niederlage. Es kam mir zu Ohren, als man überlegte: Werden sie uns im Ghetto einsperren oder nicht? Ich wusste nicht, was dieses Wort bedeutet – „Ghetto“ – war mir jedoch darüber im Klaren, dass es mit einem Umzug zusammenhängt. Ich erkannte, dass die Erwachsenen mit Schrecken davon sprachen, doch bildete ich mir ein, dass es ein interessantes Abenteuer werden würde. Und schließlich stellte ich mir vor, dass dieses geheimnisvolle und unverständliche Ghetto eine riesige, vielstöckige Kutsche sei, die durch die Straßen der Stadt fuhr, gezogen von einem Dutzend Pferden. In einer solchen Kutsche würden sie uns unterbringen, wir würden dort einziehen – das wre sicherlich interessant und lustig …“
Brechtkens »Albert Speer. Eine deutsche Karriere« handelt weniger von Speers Taten als Hitlers "Lieblingsarchitekten", sondern vielmehr von Speers Wirken im Deutschland der Nachkriegszeit - und den Nachwirkungen, die wir bis heute spüren...

Die Türkeivisionen des Franz von Papen

Mitteleuropa-Visionär und Großraumideologen - Im Herbst 1917 träumte der Kavallerie-Offizier Franz von Papen in Konstantinopel von einer Europa-Ordnung ganz eigener Prägung: Er hatte die Vision eines mitteleuropäischen Staatenbundes unter deutscher Vorherrschaft und eines „pangermanischen Berlin-Bagdad“. Ab 1939 arbeitete er als Botschafter in Ankara an einer „pangermanischen Achse“. Beide vermessenen Träume sollten nie Realität werden.

Der Handwerker des Todes

Er war der Scharfrichter der Nazis. 3126 Menschen hat Johann Reichhart bis 1945 hingerichtet, darunter die Geschwister Scholl. Die Tätigkeit als Hinrichter machte ihn reich. Auch nach Kriegsende ging er, im Dienste der Siegermächte, seinem Handwerk weiter nach.