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Druckfrisch Bestseller-Listen

Literaturkritiker Denis Scheck bespricht einmal monatlich die Spiegel-Bestsellerliste, abwechselnd Belletristik und Sachbuch – parallel zu seiner ARD-Sendung ›Druckfrisch‹ (nächste Sendung 25. März, 23 Uhr 35, Gäste Felicitas Hoppe, Madame Nielsen).

 

Platz 10: Axel Hacke ›Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen‹ (Kunstmann, 192 S., 18 €)

Was tun, fragt Axel Hacke in seinem kurzen Buch mit dem langen Titel, "wenn Lüge, Rücksichtslosigkeit und Niedertracht an die Macht drängen"? Elegant formuliert und höchst zeitgemäß erinnert uns Hacke, daß wir die Verrohung durch die Unhöflichkeit der sozialen Netzwerke und des politischen Populismus nicht hinnehmen dürfen, sondern sie durch die Schönheit unserer Argumente, Respekt und Höflichkeit in die Schranken weisen müssen.

 

Platz 9: Gregor Gysi: ›Ein Leben ist zu wenig‹ (Aufbau, 583 S., 24 €)

Aus dieser Autobiographie läßt sich erfahren, wie Sprache und Denken verläßliche Pole in einem Leben auch unter bedrängenden Bedingungen sein können. Ein Mutmach-Buch!

 

Platz 8: Rolf Dobelli: ›Die Kunst des guten Lebens‹ (Piper, 384 S., 20 €)

»Akzeptieren Sie, dass vieles vom Zufall abhängt: Gene, Herkunft, Chancen. Hadern bringt nichts, die Welt ist nicht fair« – die Ratschläge, die der Schweizer Rolf Dobelli in seinem klugen Büchlein zur Lebenskunst erteilt, erfreuen durch Plausibilität und Vernunft.

 

Platz 7: Joschka Fischer: ›Der Abstieg des Westens‹ (Kiepenheuer & Witsch, 240 S., 20 €)

Morgens aufwachen und aus dem Radio erfahren, daß Großbritannien die EU verläßt und Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gewählt ist: diese Schockmomente bilden den Ausgangspunkt zum neuen Buch des Elder Statesman Joschka Fischer. Der grüne Ex-Außenminister argumentiert überzeugend, daß sich die Machtzentren der Welt im 21. Jahrhundert Richtung Ostasien verlagern werden, und die europäischen Staaten trotz Neonationalismus aller Orten enger zusammenarbeiten müssen, wollen sie dabei nicht unter die Räder kommen. Eine lesenswerte tour d’horizon ohne Patentrezepte.

 

Platz 6: Navid Kermani: ›Entlang den Gräben‹ (C.H. Beck, 442 S., 24,95 €)

Navid Kermani ist zu einer Reise in den ihm unbekannten Osten aufgebrochen: von Köln nach Isfahan. 60 Tage lang war Kermani unterwegs von Polen über Litauen nach Weißrussland, er hat die Ukraine besucht und ist dann über den Kaukasus nach Georgien, Aserbaidschan und Armenien bis in den Iran gereist. Immer wieder landet er dabei im Krieg. Seine Erkenntnis: „Nicht nur schießt immer die andere Seite zuerst, vermutlich in allen Kriegen. Es sind grundsätzlich auch die anderen, die hassen, während man selbst nur ein ganz normales Leben führen will, Arbeit, Familie, Sicherheit.“ Ein horizonterweiterndes Buch.

 

Platz 5: Peter Hahne: ›Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen!‹ (Basei Lübbe, 128 S., 10 €)

So viel Geschrei, so wenig Wolle. Diese dumpfe Stammtischsuada über Flüchtlings-, Bildungs- und Kirchenpolitik läßt keine populistische Phrase aus und ist als scheinintellektuelle Anstrengung genau die Art Mogelpackung, die der dämliche Buchtitel beklagt. Doch das Ringen dieses HB-Männchens der deutschen Konservativen mit der Grammatik entwickelt bisweilen eine gewisse Konträrfaszination: „Laßt das Bestehende in Ruhe! Wie schön kann ein Männerchor klingen – wieso müssen Frauen dabei sein?! Oder Schützenbrüder, die bewußt keine Schützenschwestern oder Schützengeschwister sein wollen.“ Wie schön klingen wohl Schützenbrüder, die keine Schützenschwestern sein wollen?

 

Platz 4: Ranga Yogeshwar: ›Nächste Ausfahrt Zukunft‹ (Kiepenheuer & Witsch, 400 S., 22 €)

Der 1959 in Luxemburg geborene Ranga Yogeshwar denkt in seinem wunderbar zugänglich geschriebenen Buch darüber nach, welche gesellschaftlichen Folgen die Digitaliserung für unser aller Leben haben wird. Erfreulicherweise vermischt Yogeshwar seine Analyse der epochalen Umbruchphase, die wir gerade erleben, mit autobiographischen Passagen, die etwas von seinem ansteckendem Wissensdurst und seiner Entdeckerfreude vermitteln.

 

Platz 3:Sun Diego alias SpongeBOZZ und Dennis Sand: ›Yellow Bar Mitzvah‹ (Riva, 224 S., 19,99 €)

Ein Buch über Drogen, Gewalt, arabisch-libanesische Großfamilien, die Mafia und einen deutschen Rap-Musiker, der in einem Schwammkostüm Gangster-Rap singt und Wirklichkeit und Parodie verwechselt. Langweilig und albern.

 

Platz 2: Manfred Lütz und Arnold Angenendt: ›Der Skandal der Skandale‹ (Herder, 286 S., 22 €)

Bertolt Brecht hat mal auf die Frage nach seinem Lieblingsbuch in den 20er Jahren die berühmte Antwort gegeben: „Sie werden lachen, die Bibel!“ Man muß eben auch gerade seine Feinde kennen. In diesem Sinn kann ich dieses Buch empfehlen, in dem der populäre Psychiater und Theologe Manfred Lütz mit Hilfe des Kirchenhistorikers Arnold Angenendt den Versuch unternimmt, die katholische Kirche von ihren schlimmsten Verbrechen weißzuwaschen. Mit guten Argumenten räumen sie einige Mißverständnisse etwa über die Kreuzzüge und Indianermissionierung, Inquisition und Hexenverfolgung aus. Ihr Fazit: Alles halb so schlimm. Mein Fazit: Schlimm genug!

 

Platz 1:  Michael Wolff: ›Feuer und Zorn‹ (Deutsch von Isabel Bogdan, Thomas Gunkel, Dirk van Gunsteren, Gregor Hens, Werner Schmitz, Jan Schönherr und Nikolaus Stingl, Rowohlt, 480 S., 19,95 €)

Im weißen Haus regiert ein altes Kind, das weder seine Begierden noch seine Launen im Griff hat. Die Statisten: Verbrecher, Versager, Verrückte. Nur wer politisch schon vollkommen kapituliert hat, wird Michael Wolffs Reportage nicht das Fürchten lehren.

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