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Druckfrisch Bestseller-Listen vom 27.01.2019

»Zum Fremdschämen«

 

Literaturkritiker Denis Scheck bespricht einmal monatlich die ›Spiegel‹-Bestsellerliste, abwechselnd Belletristik und Sachbuch – parallel zu seiner ARD-Sendung ›Druckfrisch‹ (Nächste Sendung 25. November 23 Uhr 35, Gäste Kenah Cuhsanit, Julian Barnes).

 

Platz 10) Charlotte Link: ›Die Suche‹ (Blanvalet, 656 S. 24 €)

»Es war dunkel. Es war kalt.« So weit ins Risiko wagen sich die wenigsten Sätze, die in diesem wie immer in England spielenden Krimi der Deutschen Charlotte Link auf über 600 Seiten folgen. Links Ermittler, der alkoholkranke Detective Chief Inspector Caleb Hale und die unter einem Minderwertigkeitskomplex leidende Detective Sergeant Kate Linville, sind bekannt. Die Handlung um einen Mädchen mordenden Serienkiller ist albern wie üblich. Bleibt eben die Sprache. »Es war dunkel. Es war kalt.« Muss ich mehr sagen?

Platz 9) Carmen Korn: ›Zeitenwende‹ (Kindler, 560 S., 19,95€)

Der Abschlussband einer Romantrilogie über vier Freundinnen aus Hamburg-Uhlenhorst leidet schwer unter der Holzhammer-Didaktik, mit der die Autorin acht Jahrzehnte deutscher Zeitgeschichte als Familiengeschichte erzählt. Ob RAF-Terror oder Eiserner Vorhang, Holocaust oder Zweiter Weltkrieg, sexuelle Revolution oder Studentenrevolte: dies alles in einem Freundschaftsbilderbogen zu behandeln, führt zu bedeutungsschwangeren Sätzen wie: »Die Erinnerung kann ein schrecklicher Ort sein. Den Tod meiner Mutter in Neuengamme habe ich dann vor Augen. Und Kurt kommt mir in den Sinn, vielleicht hätte er die Nazis überlebt.« Manchmal kann aber auch ein Buch ein schrecklicher Ort sein.

Platz 8) Juli Zeh: ›Neujahr‹ (Luchterhand, 192 S., 20 €)

Ferien mit kleinen Kindern als ultimativer Stresstext für die Psyche und den Geldbeutel: das erlebt der Held in Juli Zehs neuem Roman auf Lanzarote. In ›Neujahr‹ teilt sich ein modernes Mittelstandspaar Kinder, Haushalt und Beruf ganz vorbildlich fifty-fifty. Doch das Ergebnis ist trotzdem totale Überforderung - die Panikattacken lassen nicht lange auf sich warten. »Arbeit ist nicht mehr der Feind der Freizeit, sondern eine Verteidigungsstrategie gegen den Dauerzugriff der Kinder«, schreibt Juli Zeh. Ein Psychothriller mit hohem soziologischem Erkenntniswert.

Platz 7) Lucinda Riley: ›Die Mondschwester‹ (Deutsch von Sonja Hauser, Goldmann, 672 S., 19,99 €)

Band fünf der Romanreihe um sieben Schwestern, die nach dem Ableben ihres Adoptivvaters ihre Herkunft zu klären versuchen. Unterirdischer Schrott, dumm, banal, reaktionär – jedes weitere Wort über diese literarische Zumutung wäre Verschwendung.

Platz 6) Jürgen von der Lippe: ›Nudel im Wind‹ (Penguin, 240 S., 18 €)

Aus demselben Schoß, der das grenzdebile Genre der sogenannten Fernsehunterhaltung gebar, kroch auch dieser Roman um eine fiktive Abnehm-Show im Privatfernsehen. Gewohnt krachlederner Pipi-Kacka-Humor von einem Autor, der auf der Bühne lustig sein kann, der mir auf der Buchseite aber durch sein schenkelklatschendes Aufs-Publikum-Schielen und seine dumpfen Dauerzoten unerträglich ist. Literatur zum Fremdschämen.

Platz 5) Robert Galbraith: ›Weisser Tod‹ (Deutsch von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurtz, Blanvalet Verlag, 864 S., 24 €)

Drei lange Jahre hat die Harry-Potter-Autorin auf einen neuen Cormoran-Strike-Krimi warten lassen, und es hat sich gelohnt: diesmal geht’s um einen britischen Kulturminister in der Klemme, ein lange verschollenes Bild des Pferdemalers George Stubbs und um die unsichtbaren Klassenschranken Großbritanniens. Allein das Anfangskapitel, die Schilderung einer Hochzeit, während der Strikes Assistentin den Falschen heiratet, lohnt das ganze Buch. Brexit hin oder her, solange Großbritannien Autoren hervorbringt wie J.K. Rowling, die unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith schreibt, muss einem um das Schicksal der Insel nicht bange sein.

Platz 4) Sebastian Fitzek: ›Der Insasse‹ (Droemer, 384 S., 22,99 €)

Aber um Deutschland beginne ich mir angesichts des anhaltenden Erfolgs von Sebastian Fitzek schon Sorgen zu machen. Der Grobmotoriker unter den deutschen Thrillerautoren setzt auch in diesem Buch über den Vater eines ermordeten Kinders, der sich in eine geschlossene Psychiatrie einweisen lässt, um an dort verwahrten Täter heranzukommen, wieder auf Schockeffekte und Gewalt pur und predigt ein Evangelium der Selbstjustiz, das ich schlicht widerwärtig finde.

Platz 3) Nele Neuhaus: ›Muttertag‹ (Ullstein, 560 S. 22 €)

Sämtliche Opfer der Mordserie, die Neuhausens Ermittler Pia Sander und Oliver von Bodenstein aufzuklären trachten, sind Frauen, die ihre Kinder verlassen haben – einen »deutscheren« Krimi habe ich lange nicht mehr gelesen. Aber unterm Strich reichen die literarischen Mittel von Nele Neuhaus nicht aus, um aus diesem Stoff wirklich literarische Funken zu schlagen. Und für Krimikonfektion bin ich nicht zu haben.

Platz 2) Dörte Hansen: ›Mittagsstunde‹ (Penguin, 320 S., 22 €)

Dörte Hansens Debut ›Altes Land‹ machte sie populär, in ›Mittagsstunde‹ legt die sich ihrer Kunst sicherer werdende Autorin literarisch ein Schippchen drauf: Am Beispiel des fiktiven nordfriesischen Dorfs »Brinkebülls« und seiner Bewohner erzählt Dörte Hansen von den Folgen der Flurbereinigung und Modernisierung. Der Roman beginnt mit dem Auftritt einer leicht devianten jungen Frau, genannt Marret Ünnergang, die auf Holzpantinen durchs Dorf klappert und ständig ruft: »Die Welt geiht unner!« Am Ende dieses Romans über eine ungewöhnliche Patchworkfamilie wissen wir Leser, dass Marret Ünnergang in diesem starken Roman recht behalten hat.

Platz 1) Michel Houllebecq: ›Serotonin‹ (Deutsch von Stephan Kleiner, DuMont, 320 S. 24 €)

Welche Freude, was für ein Vergnügen, welche Wohltat ist dieses Buch gemessen an dem mediokren Schrott, der sonst die Bestsellerliste dominiert! Michel Houllebecqs Geschäft ist die Provokation. Und bis zur Schnappatmung provoziert er denn auch die Gralshüter der linksliberalen Feuilletons in diesem Roman über einen altnormannische Adeligen, der in seinem an Kleists Michael Kohlhaas erinnernden Kampf für ein freies Bauerntum zum Terroristen wird. Na gut, daneben erzählt Houllebecq auch ein bisschen krudes Zeug über Japanerinnen, Sex mit Hunden und deutsche Päderasten. Aber wer wird denn gleich in die Luft gehen? Wo zum Teufel findet man denn intelligentere Gegenwartsdiagnosen von schmerzhafterer Klarheit und zwingenderer Radikalität als bei Houllebecq? Natürlich frage ich mich auch: Ist dieser Hass gegen die EU, die Globalisierung, ja gegen die Moderne selbst echt oder nur Rollenprosa eines einsamen Loosers? Doch ich kann mir intellektuell nicht leisten, ohne die Zwischenreden dieses Autors auszukommen. Und ich würde es auch niemandem empfehlen.

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