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›Gott der Barbaren‹ von Stephan Thome

Der ehemalige wbg-Stipendiat Stephan Thome hat seinen neuen Roman veröffentlicht. Darin beschreibt ein deutscher Missionar den Versuch, Mitte des 19. Jahrhunderts in China einen christlichen Gottesstaat zu errichten.

Die wbg und die Stadtkirche Darmstadt laden Stephan Thome am 12. September zur Lesung ein. Vorher stellte sich der Aspekte-Literaturpreisträger den Fragen zu seinem Werk und Werdegang.

Stephan Thome
wurde 1972 in Biedenkopf/ Hessen geboren. Er studierte Philosophie und Sinologie und lebte und arbeitete zehn Jahre in Ostasien. Sein Roman ›Grenzgang‹ errang den Aspekte-Literaturpreis (2009) und stand ebenso wie ›Fliehkräfte‹ (2012) auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2014 wurde er mit dem Kunstpreis Berlin für Literatur ausgezeichnet. Stephan Thome lebt in Taipeh. Sein neuster Roman ›Gott der Barbaren‹ steht aktuell auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2018.

 

 

In ihrem neuen Roman lässt ein Missionar die 1848er-Revolution in Deutschland hinter sich und landet in einem China dramatischer gesellschaftlicher und religiöser Umwälzungen. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Ich beschäftige mich seit über zwanzig Jahren mit China und bin immer wieder erstaunt, wie wenig man bei uns über das Land weiß. Die sogenannte Taiping-Rebellion, um die es in dem Roman geht, war eine historische Katastrophe größten Ausmaßes, mit zwanzig bis dreißig Millionen Toten. Sie ist ein Grund dafür, weshalb die heutige chinesische Regierung mit solcher Skepsis auf die Ausbreitung des Christentums im Land blickt.

 

Sie schreiben über einen ›Himmlischen König‹, der in China einen christlichen Gottesstaat errichten will. Gab es diese Person wirklich?

Ja, der Mann hieß Hong Xiuquan und war überzeugt, der zweite Sohn Gottes zu sein, der jüngere Bruder von Jesus. Von Gott glaubte er den Auftrag erhalten zu haben, den Kaiser zu stürzen und aus China ein christliches Reich zu machen. Zwischenzeitlich hat er ein Gebiet kontrolliert, das größer war als England und Frankreich zusammen.

 

Fremdes zu verstehen, das war Gegenstand Ihrer von der wbg geförderten Promotion. Begegnen wir auch in Ihrem neuen Roman diesem Thema?

Es ist eher ein Abenteuerroman, aber er spielt in einer für die Hauptfigur fremden Umgebung, insofern spielt die Frage, wie man Fremdes verstehen kann, durchaus eine Rolle.

 

Welche Antwort gab der Philosoph Stephan Thome darauf?

Kurz gesagt, Fremdverstehen ist nur möglich, wenn das Selbstverständnis mit hinterfragt wird. Anders gesagt, erst wenn das Selbstverständnis seine Selbstverständlichkeit verliert, bin ich offen, das Fremde in seiner Andersheit wahrzunehmen, statt es meinem eigenen Vorverständnis zu unterwerfen.

 

Wie die Hauptfigur Ihres Romans sind Sie nach Asien gezogen, Sie leben und schreiben heute meist in Taipeh. War das der Weg, den Sie schon früher gehen wollten?

Als Student bin ich aus Neugier hergekommen, inzwischen ist Taipeh eine zweite Heimat geworden. Dass ich so lange hier leben würde, habe ich damals nicht vorhersehen können, aber ich finde es immer noch spannend und bereichernd.

 

Wie haben Sie für sich herausgefunden, dass der Weg von der Wissenschaft in die Welt der Literatur der richtige ist?

Freier Schriftsteller zu sein, war ein Traum seit meiner Schulzeit. Ich habe diesen Traum auch schon früh und konsequent verfolgt, aber es hat eben seine Zeit gedauert, bis ich ihn realisieren konnte. Romane zu schreiben, ist das Glück, Punkt.

 

In Ihrem Roman geht es um religiöse Konflikte und gesellschaftliche Umbrüche, wie wir sie in ähnlicher Form auch heute erleben. War das eine Motivation, das Buch zu schreiben?

Absolut. Je mehr ich mich mit dem Stoff beschäftigt habe, desto gegenwärtiger kam er mir vor. Ich würde sagen, das Buch erzählt einen bei uns weithin unbekannten, aber wichtigen Teil der Vorgeschichte unserer Gegenwart.

 

Wir danken herzlich für das Gespräch und freuen uns auf die gemeinsame Veranstaltung:
Stadtkirche Darmstadt 12. September 2018, 19.30 Uhr

 

In einem weiteren Interview spricht Stephan Thome auf chinesisch über seinen Roman.

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