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Jedes Kind muss lesen lernen!

Lesebiographien sind von Lebensläufen nicht zu trennen. Eine Tante las mir ausdauernd vor und ich sprach die Texte mit den Fingern unter den Worten auswendig nach. Lesen lernte ich später, als ich mit Eltern und Bruder nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Dorf im Münsterland kam. In den Räumen einer kümmerlichen evangelischen Volksschule für uns „Flüchtlingskinder“ tat sich mir mit den (Schul-)Büchern, mit Briefen, Reklameschildern und gedruckten Informationen („Der Kaspar kommt“) das Paradies auf. Ich war gerettet. Immer wieder erfuhr ich Hilfe und Förderung – von Lehrern, in Bibliotheken, auf Reisen und später in einer langen Berufslaufbahn. Wie das Lesen den zielführenden Gebrauch digitaler Medien lenkt, hat mir schließlich einer meiner Studenten beigebracht.

Deutschland ist ein wohlhabendes, demokratisch gefestigtes Land, dessen Grundgesetz und Infrastruktur dem Lesenlernen nicht im Wege stehen. Die Versprechungen dieses Landes lösen sich für den Einzelnen und die Gemeinschaft ein, wenn Grundvoraussetzungen, Fähigkeiten und Qualifikationen gegeben sind – und dazu gehört das flüssige, den Sinn des Textes aufnehmende Lesen. Wir haben den Prozess des Lesenlernens an die Schule delegiert. Jedes Kind muss in die Schule gehen. Aber jeder Lehrer, jede Studie zur Lesefähigkeit vermittelt auch die Einsicht, dass erfolgreiche Lesebiographien mehr als eine Voraussetzung benötigen. Nur die Kombination von zahlreichen lesefördernden Faktoren gewährleisten einen beständigen, zielgerichteten Lesehabitus.

Die Initiatorin der Hamburger Erklärung, die erfolgreiche und vielfach preisgekrönte Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie, kennt dieses Knäuel der Lesemotivationen, Lesegelegenheiten, Vorbilder, Methoden, der Hindernisse und Schranken zum mühelosen und spielerischen Lesen aus unterschiedlicher Sicht. Das Lesen wie das Nicht-Lesen hat sie als promovierte Literaturwissenschaftlerin, als Lehrerin in Schulen unterschiedlicher Hamburger Milieus, als Mutter und in 30 Jahren Erfahrung bei Lesungen für 3- bis 16Jährige quer durch Deutschland und die Welt kennen gelernt. Sie schlägt Alarm und 25 besorgte Hamburger Bürger, deren Berufs- und Lebenserfahrung sie ebenfalls für bessere schulische und außerschulische Ausstattungen rund ums Lesen eintreten lässt, sind ihr gefolgt.

Wir glauben, dass die Autoren, Mitarbeiter, Leser, Mitglieder und Freunde der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft von dieser Hamburger Erklärung „Jedes Kind muss lesen lernen“ erfahren sollten. Sie alle wissen ja, welche Bedeutung das Lesen für Sie besitzt.

Bitte helfen Sie uns bei dem Versuch, die bildungspolitischen Rahmenbegingen für das Lesenlernen zu verbessern. Wir haben jetzt fast 50.000 Unterschriften gesammelt.

Sie finden die „Hamburger Erklärung“ und die Möglichkeit zur Unterschrift unter

https://chn.ge/2vHN2he 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

 Birgit Dankert

 

 


Birgit Dankert, geb. 1944, war Professorin für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Fachhochschule Hamburg und Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur e. V., des Vereins der Bibliothekare an Öffentlichen Bibliotheken sowie Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände. Sie ist freie Mitarbeiterin bei der ZEIT (Kinder- und Jugendliteratur) und Trägerin der Karl Preusker Medaille. Berufliche bzw. Forschungsschwerpunkte sind Bestandsmanagement für Bibliotheken, Bibliothekspolitik, Arbeit in Kinder- und Jugendbibliotheken, Kinder- und Jugendliteratur sowie Kulturmanagement.

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