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wbg und DUS haben den Preis für die ›Wissenschaftsstiftung des Jahres 2018‹ verliehen

Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ist in diesem Jahr von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (wbg) und der Deutschen Universitätsstiftung (DUS) zur Wissenschaftsstiftung des Jahres gekürt worden. Jan Philipp Reemtsma fragte während der Preisverleihung nach der gesellschaftlichen Relevanz der Stiftungsarbeit. Die wbg sprach darüber mit dem Vorsitzenden der ZEIT-Stiftung, Professor Michael Göring und Professor Michael Borgolte, Experte für Stiftungsgeschichte.

 

Herr Professor Göring, in seiner Laudatio lobte Jan Philipp Reemtsa die ZEIT-Stiftung für ihr »Können«. Aber er sagte auch, dass sie »vom Rande aus arbeiten« müssen. Finden Sie sich da wieder?

Michael Göring: Volkswirtschaftlich ist das Kapital aller deutschen Stiftungen mit gut 80 bis 90 Milliarden Euro und Erträgen von vier bis fünf Milliarden Euro im Vergleich zum Bruttosozialprodukt gering, wirkt aber oft als entscheidender Hebel für Innovation, wirkt also oft vom Rande her, während die öffentliche Hand das Zentrum bedient. Das ist auch gut so. Ich glaube, darum ging es Herrn Reemtsma.

 

Welchen Gestaltungsauftrag hat der Stifter der ZEIT-Stiftung Ihnen und Ihren Mitarbeitern auf den Weg gegeben?

Michael Göring: Der Gründer der ZEIT-Stiftung, Gerd Bucerius, wollte insbesondere junge Menschen ermutigen, sich nicht mit dem Gegebenen zufrieden zu geben. Wir versuchen diesen Unruhegeist auch bei unseren Projekten zu schüren; ob in der Bucerius Law School, im Literaturhaus Hamburg oder zum Beispiel bei der Charta der digitalen Grundrechte, die wir initiiert haben.

 

Haben Stiftungen schon immer eine solche ergänzende Funktion wahrgenommen?

Michael Borgolte: In der Vormoderne hatten Stiftungen zum Teil ganz andere Aufgaben, sie haben aber wie in unserer Zeit auch gesellschaftliche Defizite behoben, beim Bau von Krankenhäusern etwa oder im Straßenbau.

 

Kann das zu Machtmissbrauch führen? Was bedeutet das für die Demokratie?

Michael Borgolte: In Deutschland sind die meisten Stiftungen viel zu klein, um an den demokratischen Organen vorbei die Politik zu steuern; in den USA besteht diese Gefahr sehr wohl.

Michael Göring: In Deutschland muss sich die Zivilgesellschaft der großen gesellschaftlichen Herausforderungen annehmen, die Migration, Künstliche Intelligenz und der Vertrauensverlust in die Demokratie an uns alle stellen. Wir investieren deshalb bei der ZEIT-Stiftung in den Bereich Bildung und Integration, gerade um junge Menschen mit Migrationshintergrund stärker einzubinden.

 

Das Interview wurde geführt von Götz Fuchs (wbg).

 

Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ist diesjährige Trägerin des Preises ›Wissenschaftsstiftung des Jahres‹, den die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (wbg) und die Deutsche Universitätsstiftung (DUS) gemeinsam vergeben. 1971 vom ZEIT-Verleger Gerd Bucerius ins Leben gerufen, fördert die ZEIT-Stiftung heute Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung. Im Wissenschaftsbereich unterstützt sie begabte international und interdisziplinär tätige Akademikerinnen und Akademiker und fördert Arbeiten, die sich mit politischen und gesellschaftlichen Transformationen in- und außerhalb Europas befassen.

Tags: Buchpreis
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